Medienpreis zeichnet journalistische Perspektiven aus
Am ORF-Mediencampus in Wien ist am 20. März 2026 zum fünften Mal der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis verliehen worden. Die Auszeichnung würdigt journalistische Arbeiten, die Inklusion nicht als Randthema behandeln, sondern als gesellschaftliche Aufgabe sichtbar machen. Insgesamt 71 Beiträge aus Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden eingereicht.
Der Preis geht auf eine Initiative des Vereins Licht ins Dunkel zurück und erinnert an Herbert Pichler, den früheren Präsidenten des Österreichischen Behindertenrats, der 2021 bei einem Unglück ums Leben kam. Sein Engagement für die Rechte von Menschen mit Behinderungen prägt bis heute die inhaltliche Ausrichtung des Preises: Journalistische Qualität soll nicht nur informieren, sondern Perspektiven eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe sichtbar machen.
Vier Kategorien, viele Blickwinkel
Ausgezeichnet wurden Beiträge in den Kategorien Print, Radio, Fernsehen sowie Digitale Medien und Podcast. In der Kategorie Print überzeugte Franziska Pröll mit dem Beitrag „Wie viel Inklusion passt in ein Gymnasium?“ Darin wird anhand konkreter Beispiele gezeigt, wie Bildungssysteme mit unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen und wo strukturelle Hürden bestehen.
Der Radiopreis ging an das Ö1-„Radiokolleg“ für die Sendereihe „In Eigenregie leben“. Das Redaktionsteam beleuchtet darin den Alltag von Menschen mit Behinderungen und zeigt, wie Selbstbestimmung im Spannungsfeld von Unterstützung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen möglich wird.
Im Fernsehen wurde Mareike Müller für den Beitrag „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ ausgezeichnet, der neue Wege zur beruflichen Teilhabe thematisiert. In der Kategorie Digitale Medien erhielten Janina Bauer, Marc Engelhardt und Hanna Fröhlich den Preis für „Achtung Barriere! Stadt als Gefahrenzone“, einen Beitrag über unsichtbare Hindernisse im urbanen Raum.

Ines Stilling | © ORF/Klaus Titzer
Zusätzlich sprach die Jury Anerkennungen in allen Kategorien aus. Auch Ines Stilling, Präsidentin des Vereins Licht ins Dunkel, unterstrich die Bedeutung der Auszeichnung für die öffentliche Wahrnehmung des Themas.
Medien als Schlüssel zur Wahrnehmung
Die Rolle von Medien bei der Gestaltung gesellschaftlicher Wahrnehmung zog sich als Leitmotiv durch die Veranstaltung. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Medien betonten, dass Berichterstattung wesentlich dazu beiträgt, wie Inklusion verstanden wird.
Sektionschef Martin Zach aus dem Sozialministerium verwies darauf, dass Barrieren nicht nur baulicher Natur seien, sondern auch in Denkweisen und Darstellungen existierten. Medien könnten hier entscheidend dazu beitragen, stereotype Bilder zu hinterfragen und differenzierte Realitäten sichtbar zu machen.
Auch Jurymitglied Fritz Hausjell unterstrich die Bedeutung qualitätsvoller journalistischer Arbeit. Gerade öffentlich-rechtliche Medien hätten eine besondere Verantwortung, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden und Themen langfristig sichtbar zu halten.
ORF für inklusiven Journalismus
Eine zentrale Rolle kommt dabei dem ORF zu – nicht nur als Austragungsort der Preisverleihung, sondern auch als institutioneller Partner des Preises. Die Initiative selbst geht auf eine Idee der ORF-Redakteurin Čedomira Schlapper zurück, die den Medienpreis gemeinsam mit LICHT INS DUNKEL ins Leben gerufen hat.
Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hob hervor, dass Inklusion und Barrierefreiheit zentrale Werte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien. Ein „ORF für alle“ bedeute, Inhalte so zu gestalten, dass sie unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen und möglichst vielen Menschen zugänglich sind. Der Medienpreis sei daher auch eine Anerkennung für jene Journalistinnen und Journalisten, die sich mit komplexen Themen auseinandersetzen und diese verständlich aufbereiten.

Lisa Zuckerstätter | © ORF/Klaus Titzer
Lisa Zuckerstätter, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting, verwies darauf, dass die prämierten Beiträge zeigen, wie journalistische Arbeit Barrieren abbauen kann – nicht nur physische, sondern auch gesellschaftliche. Geschichten aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, sei ein zentraler Beitrag zu einem respektvollen Miteinander.
Inklusion als journalistischer Auftrag
Mit Blick auf die Inhalte der ausgezeichneten Beiträge wird deutlich, dass Inklusion zunehmend als Querschnittsthema verstanden wird. Es geht nicht allein um soziale Fragen, sondern auch um Bildung, Arbeit, Mobilität und Zugang zu Informationen. Gerade journalistische Formate können dabei komplexe Zusammenhänge sichtbar machen und Lösungsansätze vermitteln.
Die Jury bewertete die Einreichungen unter anderem nach journalistischer Qualität, Rechercheleistung und gesellschaftlicher Relevanz. Auch Kriterien wie diskriminierungsfreie Sprache und mediale Zugänglichkeit spielten eine wichtige Rolle. Damit wird deutlich, dass inklusive Berichterstattung nicht nur ein Thema, sondern auch eine Frage professioneller Standards ist.
Seit seiner Einführung im Jahr 2021 ist der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis mit jeweils 3.000 Euro pro Kategorie dotiert und wird von mehreren Ministerien unterstützt. Vor allem aber setzt er ein Signal an die Branche: Gute Berichterstattung über Inklusion entsteht dort, wo journalistische Neugier auf gesellschaftliche Verantwortung trifft.
(PA/red)


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