Bock Preis: Wenn Ehrenamt zur tragenden Leistung wird

Vier ausgezeichnete Ehrenamtliche, unterschiedliche Tätigkeitsfelder und ein klarer gemeinsamer Nenner: Beim Bock Preis 2026 wurde sichtbar, wie sehr freiwilliges Engagement heute konkrete Aufgaben übernimmt, die für Vereine, Organisationen und Initiativen unverzichtbar geworden sind. Die Verleihung fand am 16. April in der Wiener Brunnenpassage statt und würdigte erstmals gleich vier Preisträger.

Archivporträt von Ute Bock, Namensgeberin des Bock Preises für ehrenamtliches Engagement von Geflüchteten

Ute Bock (1942–2018): Der nach ihr benannte Bock Preis würdigt ehrenamtliches Engagement von Menschen mit Fluchtbiografie. | © Kramar

Der Bock Preis richtet sich an Menschen mit Fluchtbiografie, die sich in Österreich besonders im Ehrenamt engagieren. Initiiert wurde die Auszeichnung 2019 in Erinnerung an die Flüchtlingshelferin Ute Bock. Ziel ist es, freiwillige Arbeit sichtbar zu machen und deren gesellschaftlichen Wert zu unterstreichen — nicht nur als Zeichen des Engagements, sondern auch als Beitrag zu funktionierenden Strukturen im Alltag vieler Organisationen.

Engagement bedeutet konkrete Arbeit

Die Tätigkeiten der ausgezeichneten Ehrenamtlichen reichen von organisatorischer Vereinsarbeit über Trainings- und Unterstützungsleistungen bis hin zu technischen und kommunikativen Aufgaben. Damit stehen nicht symbolische Gesten im Mittelpunkt, sondern praktische Arbeit, die in vielen Bereichen den laufenden Betrieb erst ermöglicht.

So engagiert sich Aziz Mohammadi im Verein „you-are-welcome“, wo er organisatorische Aufgaben übernimmt und Projekte koordiniert. Ibrahim Rasool bringt seine Erfahrung im Sportbereich ein und trainiert Frauen-Teams, während er zugleich bei Hilfsaktionen und Informationsarbeit mitwirkt. Oleg Cherednychenko unterstützt beim Verein „PCs für alle“, wo gespendete Geräte aufbereitet und an Bedürftige weitergegeben werden — eine Tätigkeit, die technisches Know-how und regelmäßigen Einsatz erfordert. Hamdi Abdullahi Hassan wiederum engagiert sich vor allem als Dolmetscherin für verschiedene Organisationen und wirkt bei Medienprojekten mit, bei denen sie gesellschaftliche Themen aufbereitet und öffentlich vermittelt.

Ehrenamt als Teil gesellschaftlicher Infrastruktur

Die Beispiele zeigen, wie stark sich das Ehrenamt in den vergangenen Jahren verändert hat. Während freiwillige Tätigkeit früher oft als punktuelle Unterstützung organisiert war, umfasst sie heute vielfach kontinuierliche Aufgaben mit klar definierten Verantwortungsbereichen.

Für viele Organisationen bildet dieses Engagement eine stabile Grundlage ihrer Arbeit. Trainings, technische Unterstützung, organisatorische Abläufe oder Kommunikationsarbeit wären ohne ehrenamtliche Mitarbeit in vielen Fällen kaum aufrechtzuerhalten. Gerade in Bereichen mit begrenzten Ressourcen wird freiwillige Tätigkeit damit zu einem wichtigen Bestandteil funktionierender Strukturen.

Der Bock Preis macht diese Leistungen sichtbar und würdigt Menschen, die über längere Zeit hinweg Verantwortung übernehmen. Neben der symbolischen Anerkennung erhalten die Preisträger jeweils ein Preisgeld von 600 Euro, gestiftet von der Fogarassy Privatstiftung.

Sichtbarkeit für Arbeit im Hintergrund

Die Verleihung mit rund 120 Gästen stand im Zeichen eines Engagements, das im Alltag häufig im Hintergrund bleibt, aber für viele Projekte unverzichtbar ist. Die Bandbreite der ausgezeichneten Tätigkeiten zeigt, dass Ehrenamt längst mehr ist als punktuelle Hilfe — es ist in vielen Fällen zu einer tragenden Säule geworden, auf die Organisationen und Initiativen permanent angewiesen sind.

Mit der vierfachen Auszeichnung im Jahr 2026 unterstreicht der Bock Preis diese Entwicklung und rückt eine Form von Arbeit in den Fokus, die oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit erfolgt, aber einen messbaren Beitrag zum Funktionieren zahlreicher gesellschaftlicher Angebote leistet.

Zum Abschluss der Verleihung versammelten sich die Beteiligten zu einem gemeinsamen Gruppenbild in der Wiener Brunnenpassage. Zu sehen sind Jurymitglied Asma Aiad, die Preisträger Oleg Cherednychenko, Ibrahim Rasool, Aziz Mohammadi und Hamdi Abdullahi Hassan, Moderator Clemens Maria Schreiner, Aktivist Kid Pex (Petar Rosandić, SOS Balkanroute) sowie die Nominierenden Constanze Vorauer (Diakonie) und Yasmin Randall (you-are-welcome).

(PA/red)