„wean hean“ zwischen Heurigenbank und Konzertsaal
Ab 21. April wird Wien wieder zur Bühne für eine der eigenständigsten musikalischen Traditionen der Stadt: Das Wienerliedfestival „wean hean“ geht in seine 26. Ausgabe und spannt bis 12. Mai einen Bogen von historischen Liedformen bis zu neuen musikalischen Ansätzen. Gefördert von der Stadt Wien und organisiert vom Wiener Volksliedwerk zählt das Festival seit Jahren zu den zentralen Kulturprojekten rund um Wiener Musiktraditionen.

Das Wienerliedfestival geht vom 21. April bis 12. Mai 2026 über die Bühne | © wean hean / Herbert Zotti
Mit Veranstaltungen in Konzertsälen, Theatern und klassischen Wiener Kulturorten zeigt das Festival einmal mehr, dass das Wienerlied längst mehr ist als nostalgische Heurigenmusik.
Ein Festival als kulturelle Erinnerung zur Stadt
Das Wienerlied spiegelt einen Teil der kulturellen Identität Wiens wider – und genau das soll mit „wean hean“ nicht in Vergessenheit geraten. Die Stadt Wien unterstützt das Festival seit vielen Jahren als Teil ihrer Kulturförderung und versteht es als Instrument, um Tradition lebendig zu halten und zugleich weiterzuentwickeln.

Das Musikprojekt Die Goas verbindet traditionelle Volksmusik mit modernen Einflüssen und humorvollen Interpretationen. | © Hias Schaschko
Dass das Wienerlied nicht nur kuratorisch gepflegt wird, sondern als lebendige Ausdrucksform funktioniert, zeigt sich in der künstlerischen Breite des Programms: Zwischen humorvoller Satire, literarischen Programmen und historischen Rückblicken entstehen immer wieder neue musikalische Verbindungen.
Zugleich ist das Festival ein Beispiel dafür, wie städtische Kulturpolitik auf Vermittlung setzt: Nachwuchsprojekte, Kooperationen mit Musikhochschulen und interkulturelle Programme gehören mittlerweile fest zur Struktur.
Freier Eintritt zur Eröffnung im Jugendstiltheater
Den offiziellen Start bildet am 21. April 2026 die Festivaleröffnung „OWA jetzt!“ im frisch renovierten Jugendstiltheater am Otto-Wagner-Areal in Wien-Penzing. Der Ort zählt zu den architektonisch markanten Kulturbauten der Stadt und wurde erst kürzlich renoviert. Seither finden mehr und mehr Veranstaltungen in dessen Umfeld statt.
Musikalisch treffen an diesem Abend mehrere Generationen aufeinander: Das Volksmusikprojekt „Die Goas“ sorgt für kräftige Töne zwischen Tradition und Experiment, Ensembles rund um Traude Holzer und Ernst Kovacic bringen klassische Wienerlied-Interpretationen ein, und Studierende des Projekts „wean schbüün“ zeigen, dass man sich um den Nachwuchs derzeit keine Sorgen machen muss. Traditionell endet der Abend mit einem großen Publikumssingen.
Programm zwischen Grant, Humor und Wienerlied
Das Festivalprogramm zeigt die Bandbreite des Wienerlieds in unterschiedlichen Formaten und Veranstaltungsorten. Eine literarisch-musikalische Matinée mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier führt am 26. April im Theater Akzent durch Wiener Sagenwelten, begleitet vom neu gegründeten wean-hean-Orchester.

Der österreichische Schriftsteller und Erzähler Michael Köhlmeier zählt zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Literatur. | © Peter Hassiepen
Am 27. April folgt im Liebhartstaler Bockkeller ein Abend im Gedenken an Helmut Qualtinger, dessen satirische Texte bis heute prägend für die Wiener Kultur gelten.
Ein weiteres Beispiel für die historische Dimension des Festivals ist der Abend „Extra Hungariam non est vita“ am 30. April im Collegium Hungaricum. Dort wird die lange kulturelle Verbindung zwischen Wien und Ungarn musikalisch und historisch aufgearbeitet.
wean hean verbindet Heurigenkultur und Konzertsaal
Ein wesentliches Merkmal des Festivals ist die bewusste Mischung klassischer Wiener Veranstaltungsorte. So führt ein „wean hean Stammtisch“ am 2. Mai in einen traditionellen Heurigenbetrieb in Ottakring – eine Rückbesinnung auf jene Orte, an denen das Wienerlied historisch gewachsen ist.
Parallel dazu öffnet sich das Festival bewusst in Richtung großer Bühnen: Im Gläsernen Saal des Musikvereins präsentieren Studierende der Musik und Kunst Privatuniversität Wien am 6. Mai Programme rund um Schubert- und Schrammel-Traditionen.
Neue Formationen als Zukunftshoffnung
Ein Schwerpunkt liegt auch 2026 auf der Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Projekte wie „wean schbüün“, bei denen Studierende mit erfahrenen Künstlern zusammenarbeiten, sollen das Wienerlied langfristig sichern.
Gleichzeitig entstehen im Rahmen des Festivals immer wieder neue Ensembles, darunter das eigens gegründete wean-hean-Orchester. Solche Initiativen zeigen, dass Tradition hier nicht konserviert, sondern aktiv weiterentwickelt wird.
Finale mit literarischer Wiener Klangsprache
Den Abschluss bildet am 12. Mai 2026 erneut eine Veranstaltung im Jugendstiltheater am Otto-Wagner-Areal. Unter dem Titel „dod, i glog dei bosheit au“ werden Texte von François Villon und Ernst Jandl in Wiener Dialekt-Vertonungen präsentiert.
Damit endet das Festival mit einem Programm, das Literatur, Musik und Wiener Sprachkultur miteinander verbindet – eine Kombination, die exemplarisch für die künstlerische Haltung von „wean hean“ steht.
Kulturpolitik, Tradition und Gegenwart
Für Wien ist das Festival Teil eines langfristigen Commitments, kulturelle Identität zu stärken und gleichzeitig neue Zugänge zu schaffen. Gerade das Wienerlied, das als nostalgisches Genre gilt, wird hier bewusst neu positioniert.
Zwischen Heurigenbank, Konzertsaal und Theater möchte „wean hean“ auch 2026 zeigen, dass Wiener Musiktradition nicht in Vergessenheit geraten soll – auch wenn das „Goldene Wienerherz“ heute in einem ganz anderen Rhythmus schlägt.
Hier gibt’s das Programm 2026.
(PA/red)


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