Wiener Linien ziehen blaue Grenzen in U-Bahn-Ticketzonen

Neue Bodenmarkierungen an großen U-Bahn-Knoten zeigen ab sofort klar und deutlich, wo die Ticketpflicht beginnt – und wo Ausreden enden. Die Wiener Linien kennzeichnen Ticketbereiche in mehreren stark frequentierten U-Bahn-Stationen künftig mit großflächigen blauen Bodenmarkierungen. Getestet wurde das System zuvor am Westbahnhof, nun wird es auf insgesamt zwölf Stationen ausgeweitet – darunter Hauptbahnhof, Karlsplatz, Schwedenplatz und Praterstern.

Ziel ist es, klar sichtbar zu machen, ab welchem Punkt ein gültiger Fahrschein erforderlich ist – auch dann, wenn man die Station lediglich als Durchgang nutzt. Zusätzlich zu den Bodenmarkierungen werden Hinweise bei Ticketautomaten, Entwertern und im Leitsystem angebracht. Die Bezeichnung „Ticket Zone“ soll auch für internationale Fahrgäste verständlich sein.

Eine Grauzone wird blau gefärbt

Wozu eine zusätzliche Bodenmarkierung benötigt wird, wenn Ticket-Entwerter ohnehin eine sichtbare Grenze markiert haben, erschließt sich erst bei genauerer Analyse. Menschen in Eile gehen oft mit gesenktem Blick durch die U-Bahn, nicht selten wird im Gehen das Handy benutzt. Da kommt die blaue Bodenmarkierung genau richtig ins Blickfeld. Die Ticket Zone (ohne Bindestrich wohlgemerkt) beginnt genau hier.

Blaue Linie am Boden trennt Durchgangsbereich von Ticketzone in Wiener U-Bahn

Die blaue Linie auf dem Boden macht sichtbar, ab welchem Punkt ein gültiger Fahrschein erforderlich ist. | © Wiener Linien/Maximilian Döringer

Der „Event Horizont“ war bislang der kurze Übergang von der Station zum Bahnsteig – eine Grauzone, die zwischen Passant und offiziellem Fahrgast der Wiener Linien herrschte. Mit der neuen Markierung wird diese Grauzone zur Blauzone. Wer die blaue Linie übertritt, befindet sich offiziell in der Ticketzone.

Denn nicht selten kommt es an diesen Übergangspunkten zu heftigen Diskussionen zwischen Kontrolleuren und Personen, die ohne gültigen Fahrausweis angehalten wurden. Wer eine Station als Abkürzung nutzte, konnte argumentieren, gar nicht gefahren zu sein.

Wenige Kontrolleure zeigten sich schon in der Testphase von den blauen Ticket-Zonen angetan. Neben den Bodenmarkierungen zeigen zusätzliche Schilder über den Köpfen, wo die Grenze gezogen wird.

Der Übertritt hat ab sofort zwei Facetten: eine wolkig-blaue – für zahlende Fahrgäste – und eine tiefrote – für Schwarzfahrer. Eine Zehenspitze entscheidet darüber, ob es ein Schritt zu viel war und der Weg in der roten Zone mündet, in der es kein Pardon mehr gibt und es rasch teurer wird.

Wien ist nicht anders

Ganz neu ist das Prinzip nicht. In anderen europäischen Städten sind klar definierte Kontrollbereiche längst üblich. In Berlin etwa gehört es seit Jahren zum Alltag, dass Kontrolleure bereits im Stationsbereich präsent sind und Fahrgäste noch vor dem Einstieg oder nach dem Aussteigen kontrollieren. Die klare räumliche Trennung zwischen Stationsanlage, Durchgang und Ticketbereich ist dort enger gesetzt.

Blaues Schild mit Aufschrift Ticket Zone über Zugang zum Bahnsteig

Hinweisschilder über den U-Bahn-Zugängen zeigen, wo die Ticketzone beginnt. | © Wiener Linien/Maximilian Döringer

Für Fahrgäste in Wien an stark frequentierten U-Bahn-Knoten bedeutet das vor allem eines: Orientierung wird einfacher – und Fehlinterpretationen riskanter. Die Wiener Linien sehen in den neuen Markierungen vor allem eine Maßnahme zur besseren Führung in stark frequentierten Stationen. Laut Unternehmensangaben wurde das System zuvor in den Stationen der Linien U3 und U6 am Westbahnhof getestet – dabei ging es neben der Haltbarkeit der Markierungsfolien auch um die Verständlichkeit für Fahrgäste sowie um Fragen der Barrierefreiheit.

Klare Regeln kommen gut an

Das Feedback aus dem Testbetrieb fiel laut Wiener Linien deutlich positiv aus. Insbesondere Kontrollorgane bewerteten die neuen Markierungen überwiegend als hilfreich, mehr als 98 Prozent sprachen sich in einer Befragung dafür aus.

Die blauen Bodenmarkierungen werden schrittweise an insgesamt zwölf Stationen umgesetzt. Dazu zählen neben dem Hauptbahnhof auch Karlsplatz, Praterstern, Schwedenplatz, Schottenring, Volkstheater, Landstraße, Hütteldorf, Spittelau, Handelskai und Meidling. Ergänzend werden Hinweise bei Ticketautomaten, Entwertern und im Überkopfleitsystem angebracht.

Innerhalb der gekennzeichneten Ticketzone gilt die Fahrscheinpflicht ausdrücklich – auch dann, wenn kein Zug benutzt wird und der Stationsbereich lediglich als Durchgang dient.

(PA/red)