Braco blickte tief in die Wiener Festwochen-Eröffnung
Mit einer großen Open-Air-Eröffnung am Heldenplatz sind die Wiener Festwochen am Freitagabend offiziell in ihre 75. Ausgabe gestartet. Erstmals fand der traditionelle Auftakt nicht am Rathausplatz, sondern vor der Hofburg statt. Laut Veranstaltern kamen rund 120.000 Besucherinnen und Besucher. Die Bühne war bewusst in Richtung Rathaus ausgerichtet, wo am Samstag das Wienliebe-Festival startet.
Das Programm unter dem Motto „Republic of Gods“ setzte auf eine Mischung aus Konzert, Performance, politischer Symbolik und starken Kontrasten. Auf der Bühne standen Patti Smith, der Schmusechor, die Festwochen-Band Gods Republic, Cari Cari, Nenda, Lara Hulo, Marichka Shtyrbulova und die norwegische Black-Metal-Formation Witch Club Satan.
Ein ungewöhnlich stiller Moment
Schon im Vorfeld zählte kaum ein anderer Programmpunkt in sozialen Netzwerken zu den meistdiskutierten Momenten der Festwochen-Eröffnung wie der angekündigte Auftritt des kroatischen Esoterikers Braco. Die Reaktionen reichten dabei weniger von Spott als vielmehr von neugieriger Faszination rund um die Frage, wie ein solcher Moment mitten im offiziellen Festwochen-Programm funktionieren würde

Braco richtet bei der Festwochen-Eröffnung seinen Blick schweigend auf das Publikum am Wiener Heldenplatz. | © ORF/Günther Pichlkostner
Vor Ort entwickelte sich daraus einer der ruhigsten Augenblicke des gesamten Abends. Nach einer knappen Anmoderation durch Festwochen-Intendant Milo Rau trat Braco gemeinsam mit einem Chor auf die Bühne. Begleitet von leiser Musik richtete er 75 Sekunden lang schweigend seinen sogenannten „gebenden Blick“ auf das Publikum – symbolisch für 75 Jahre Wiener Festwochen.
Währenddessen zeigte die ORF-Regie immer wieder Nahaufnahmen aus der Menge. Viele Besucher blickten ruhig und konzentriert Richtung Bühne, am Heldenplatz wurde es auffallend still. Der Eindruck entstand, dass sich ein großer Teil des Publikums bewusst auf diesen kurzen Moment einlassen wollte.
Patti Smith, Punk und Gods Republic
Headliner-technisch prägte Patti Smith den Abend als internationaler Stargast. Die „Godmother of Punk“ trat gemeinsam mit dem Schmusechor und der Festwochen-Band Gods Republic auf. Der Auftakt mit „Oh Wien“, interpretiert von Schmusechor, Streichquartett und Countertenor Steve Katona, gab bereits die Richtung vor: Die Eröffnung wollte weniger klassischer Festakt sein als eine große hybride Bühnenshow zwischen Konzert, Performance und politischer Inszenierung.

Die österreichische Rapperin Nenda war Teil des Eröffnungsprogramms. | © ORF/Günther Pichlkostner
Intendant Milo Rau bezeichnete den Heldenplatz in seiner Rede als „Heldinnenplatz“. Auch die Wahl des Ortes war Teil der Inszenierung: Der historisch belastete Platz sollte kulturell neu besetzt werden. Damit wurde die Eröffnung erneut auch zum politischen Signal – ein Ansatz, den Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler ausdrücklich unterstützte.
Festwochen laufen bis 21. Juni
Die Wiener Festwochen laufen heuer von 15. Mai bis 21. Juni. Auf dem Programm stehen Theater, Musik, Tanz, Performances, Ausstellungen und Diskussionsformate an zahlreichen Spielorten in Wien. Dazu zählen das Volkstheater, das MuseumsQuartier, das MAK, das Odeon, das Badeschiff, der Augartenspitz und weitere Orte im öffentlichen Raum.
Zu den laufenden Programmpunkten gehören die Ausstellung „Hype und Hochkultur – 75 Jahre Wiener Festwochen in Plakaten“ im MAK, Produktionen wie „Music Music“ von Trajal Harrell im Volkstheater sowie weitere Theater- und Performancearbeiten im Rahmen der „Republic of Gods“.
(PA/red)


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