Reuters-Studie untersucht Österreichs Nachrichtennutzung

Der Digital News Report 2026 zeichnet ein aktuelles Bild der Nachrichtennutzung in Österreich und weltweit. Die jährlich erscheinende Studie des Reuters Institute untersucht Mediennutzung, Nachrichteninteresse, Zahlungsbereitschaft, Plattformnutzung, künstliche Intelligenz und Vertrauen in journalistische Angebote in mittlerweile 48 Ländern. Für Österreich erstellt der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg einen eigenen Länderbericht.

Die diesjährigen Ergebnisse zeigen vor allem eine weitere Verlagerung des Nachrichtenkonsums auf soziale Netzwerke, Videoangebote und andere digitale Kanäle. Gleichzeitig sinkt die Zahlungsbereitschaft für digitale Nachrichtenangebote nach dem außergewöhnlich starken Vorjahr wieder deutlich. Künstliche Intelligenz wird erstmals als eigenständiger Faktor der Nachrichtennutzung sichtbar, während sich die Vertrauenswerte nach den Rückgängen der vergangenen Jahre stabilisieren.

Soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle

Eine der wichtigsten Entwicklungen des diesjährigen Digital News Report betrifft die Wege, über die Menschen Nachrichten erreichen. Während klassische Medienangebote über Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Nachrichtenwebsites weiterhin eine wichtige Rolle spielen, gewinnen soziale Netzwerke, Videoportale und neue digitale Informationsdienste weiter an Bedeutung. International informieren sich immer mehr Menschen über Angebote wie Instagram, TikTok, YouTube oder Facebook. In vielen der untersuchten Länder werden diese Zugänge mittlerweile häufiger genutzt als klassische Medienkanäle. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei jüngeren Altersgruppen.

Im Durchschnitt der 48 untersuchten Märkte nutzen mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen soziale Netzwerke, Videoangebote oder andere digitale Dienste für ihren Nachrichtenkonsum. Auch in Österreich zählen soziale Netzwerke inzwischen zu den wichtigsten Nachrichtenquellen.

Klassische Angebote bleiben stark

Trotz des wachsenden Einflusses sozialer Netzwerke dominieren klassische Nachrichtenangebote weiterhin die Nutzung in Österreich. TV-Nachrichten erreichten 2026 mit 50,8 Prozent erneut den höchsten Wert unter den abgefragten Nachrichtenquellen. Dahinter folgen Radio-Nachrichten mit 41,9 Prozent sowie soziale Medien mit 40 Prozent. Websites und Apps von Zeitungen kommen auf 32,4 Prozent, gedruckte Zeitungen auf 31,3 Prozent. Websites und Apps von TV- und Radiounternehmen erreichen 23,3 Prozent der Befragten.

Grafik zur Nachrichtenaffinität in Österreich mit den Gruppen Nachrichten-Enthusiasten, Schlagzeilen-Folger und Gelegenheitsnutzer.

Mehr als die Hälfte der Befragten zählt 2026 zur Gruppe der Schlagzeilen-Folger. Der Anteil der Nachrichten-Enthusiasten liegt bei 25,3 Prozent. | © Digital News Report Austria 2026 / Universität Salzburg / Reuters Institute for the Study of Journalism

Digitale Angebote etablierter Medienmarken werden inzwischen vielfach stärker genutzt als ihre gedruckten Pendants. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass soziale Netzwerke mittlerweile fast auf dem Niveau von Radio-Nachrichten liegen und deutlich vor klassischen Printangeboten rangieren.

Zahlungsbereitschaft geht zurück

Nach dem überraschenden Rekordwert des Vorjahres ist die Zahlungsbereitschaft für digitale Nachrichtenangebote wieder deutlich gesunken. 16,1 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten für digitale Nachrichten bezahlt zu haben. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 22 Prozent.

Österreich verliert damit mehrere Plätze im internationalen Vergleich. Besonders stark fiel der Rückgang bei jüngeren Erwachsenen aus. Die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen hatte im Vorjahr noch den stärksten Anstieg verzeichnet und weist nun einen deutlichen Rückgang auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich der außergewöhnliche Anstieg der Zahlungsbereitschaft aus dem Vorjahr nicht verstetigt hat. Welche Ursachen für den Rückgang ausschlaggebend sind, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ablesen.

Vergleich der Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten in Österreich und weltweit von 2021 bis 2026.

16,1 Prozent der Befragten in Österreich bezahlten 2026 für Online-Nachrichten. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 22 Prozent. | © Digital News Report Austria 2026 / Universität Salzburg / Reuters Institute for the Study of Journalism

KI wird Teil des Nachrichtenalltags

Erstmals widmet der Report der Nutzung von KI-Chatbots als Informations- und Nachrichtenquelle breiteren Raum. Weltweit greifen bereits zehn Prozent der Befragten auf entsprechende Systeme zurück.

In Österreich bleibt die Nutzung noch vergleichsweise gering. Weniger als ein Prozent nennt KI-Anwendungen als wichtigste Nachrichtenquelle. Rund 6,2 Prozent geben jedoch an, zumindest einmal pro Woche KI-gestützte Systeme für Nachrichten oder Informationszwecke zu verwenden.

Deutlich höher fallen Nutzung und Vertrauen bei jüngeren Altersgruppen aus. Die Studienautoren sehen darin einen Hinweis auf veränderte Such- und Informationsgewohnheiten.

Vertrauen bleibt stabil

Weltweit vertrauen laut Reuters Institute nur noch 37 Prozent der Befragten den Nachrichten im Allgemeinen. Damit wurde der niedrigste Wert seit Beginn der internationalen Vergleichsstudie erreicht. In zahlreichen Ländern gingen die Vertrauenswerte erneut zurück. Österreich liegt mit 39,3 Prozent leicht über dem internationalen Durchschnitt. Gegenüber dem Vorjahr blieb der Wert weitgehend stabil.

Bei den einzelnen Medienmarken führen erneut die ORF-Nachrichten das Vertrauensranking an. Dahinter folgen Der Standard und Die Presse. Ebenfalls hohe Werte erreichen Regional- und Lokalzeitungen.

Erstmals erhoben wurde zudem die Einschätzung der gesellschaftlichen Wirkung öffentlich-rechtlicher Medien. 37,6 Prozent der Befragten sehen einen positiven Einfluss auf das Leben im Land, rund ein Viertel bewertet diesen negativ. Ein Drittel bleibt in dieser Frage neutral.

Diskussion über die Ergebnisse

Im Anschluss an die Präsentation des Digital News Report Austria 2026 diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Medien, Wissenschaft und Kommunikation über die Ergebnisse der diesjährigen Erhebung. Am Podium nehmen Daniela Kraus (Presseclub Concordia), Johannes Bruckenberger (ORF), Maria Scholl (APA), Andreas Grassl sowie Gerlinde Hinterleitner (Digitale Allianz) teil.

Der vollständige Digital News Report Austria 2026 steht auf der Projektwebsite der Universität Salzburg zum Download bereit.

(PA/red)