Erzbischof macht Neupriestern Mut zum Träumen

Im Wiener Stephansdom hat Erzbischof Josef Grünwidl am Samstag fünf Männer zu Priestern geweiht. Joachim Losehand, Manuel Rennhofer, Richard Johannes Andrae, Cristian Xavier Gonzalez und Giovanni Wu empfingen das Sakrament der Priesterweihe. Zwei der Neupriester wurden am Wiener Priesterseminar ausgebildet, drei weitere am Missionskolleg Redemptoris Mater in Wien.

In seiner Predigt sprach Grünwidl über Gottvertrauen, Menschennähe und den Mut zum Träumen als Grundhaltungen des priesterlichen Dienstes. Ausgehend von Worten aus der Bergpredigt bezeichnete er die Priesterweihe als „Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus“.

An die Weihekandidaten gerichtet sagte der Erzbischof: „Ihr seid heute alles andere als kleingläubig.“ Ihr Weg sei nicht einfach Ergebnis von Planung und Organisation, sondern Antwort auf einen Ruf Gottes.

Erzbischof Josef Grünwidl predigt während der Priesterweihe im Wiener Stephansdom.

Erzbischof Josef Grünwidl stellte in seiner Predigt Gottvertrauen, Menschennähe und den Mut zum Träumen in den Mittelpunkt des priesterlichen Dienstes. | © EDW / Schönlaub

4-M-Regel

Die Priesterweihe sei „etwas Großes und Heiliges“, aber keine persönliche Auszeichnung und keine Ehre, sagte Grünwidl in seiner Predigt. Sie bedeute vielmehr die Beauftragung zum Dienst am Volk Gottes. In diesem Zusammenhang bezeichnete der Erzbischof die Weihe als „Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus“.

Die Glaubwürdigkeit eines Priesters hänge nicht zuerst an Programmen, Projekten oder Leistung, betonte Grünwidl. Entscheidend seien das gelebte Gottvertrauen, die Beziehung zu Jesus Christus und die Suche nach dem Reich Gottes. „Nicht so sehr, was ihr tut, sondern wer ihr seid und wie ihr euren Glauben lebt“, mache Priester glaubwürdig und hilfreich.

Mit Blick auf die Menschen sprach sich der Erzbischof für Nähe statt Distanz aus. Priester müssten Mensch bleiben, Bruder der Menschen bleiben und den Kontakt zu ihrem Umfeld nicht verlieren. Unter Bezug auf Papst Franziskus sagte Grünwidl, die Kirche brauche „Priester mit dem Stallgeruch der Herde“. Den Neupriestern gab er die „4-M-Regel“ mit auf den Weg: „Menschen muss man mögen.“

Mut zum Träumen

Als dritten Gedanken hob Grünwidl den Mut zum Träumen hervor. Er erinnerte an eine Überlieferung über Franz von Assisi, der in einem Traum eine einsturzgefährdete Kirche stützt. Dieses Bild stehe für Menschen, die Verantwortung übernehmen und durch ihr Handeln zum Aufbau der Kirche beitragen, sagte der Erzbischof.

Sie sollten sich vom Wort Gottes leiten lassen, das Evangelium verkünden und Verantwortung übernehmen, sagte Grünwidl. Sein Wunsch an die Neupriester sei, dass sie durch ihren Dienst dazu beitragen, die Kirche zu stützen und aufzubauen.

Priester legen den Weihekandidaten während der Priesterweihe im Wiener Stephansdom die Hände auf.

Nach der Handauflegung durch Erzbischof Josef Grünwidl legen auch die anwesenden Priester den Weihekandidaten die Hände auf – ein zentraler Ritus der Priesterweihe. | © EDW / Schönlaub

Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Vokalensemble St. Stephan, den Wiener Dombläsern und Domorganist Robert Kovács unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer. Auf dem Programm standen unter anderem Teile aus der „Salzburger Messe“ von Hans Haselböck, Felix Mendelssohn Bartholdys „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ sowie Gesänge von Mitgliedern des Neokatechumenalen Wegs, dem drei der Neugeweihten angehören.

(PA/red)