Dreifacher Erfolg für Lena Schätte beim Bachmannpreis
Mit der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises ist am Sonntag die 50. Ausgabe der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt zu Ende gegangen. Die deutsche Autorin Lena Schätte überzeugte die Jury mit ihrem Text „Was wir tragen“ und erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis. Darüber hinaus gewann sie den Publikumspreis sowie den erstmals an diesen gekoppelten Preis „Festivalschreiber:in“ des Carinthischen Sommers und wurde damit zur dreifachen Preisträgerin des Jubiläumsjahrgangs.

Lena Schätte steht als Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2026 fest. | © ORF/Landesstudio Kärnten/Johannes Puch
Die 1993 in Lüdenscheid, Deutschland, geborene Autorin arbeitete zunächst mehrere Jahre als Psychiatriekrankenschwester, bevor sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig Literarisches Schreiben studierte. Mit ihrem Roman Das Schwarz an den Händen meines Vaters schaffte sie es 2025 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Seit April 2026 ist Schätte einr “Stadtschreiberin” der Stadt Erfurt.
Text über Gewalt, Nähe und Schweigen
Schätte trat auf Einladung des Schweizer Literaturwissenschaftlers und Jurymitglieds Thomas Strässle beim Wettbewerb an. Für die Tage der deutschsprachigen Literatur werden Autorinnen und Autoren von den Jurymitgliedern vorgeschlagen und lesen unveröffentlichte Prosatexte. Schätte überzeugte mit „Was wir tragen“, einer Erzählung über zwei junge Frauen, die mit familiärer Gewalt, Scham und gesellschaftlicher Ausgrenzung leben.

Magdalena Schrefel wurde bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur mit dem 3sat-Preis 2026 ausgezeichnet. | © ORF/Landesstudio Kärnten/Johannes Puch
Vier Autorinnen und Autoren ausgezeichnet
Neben dem Bachmannpreis wurden vier weitere Auszeichnungen vergeben. Den mit 15.000 Euro dotierten Kelag-Preis erhielt Kinga Tóth für ihren mehrsprachigen Text „OstblockMädl“, der Migration und Identität thematisiert.

Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur den Deutschlandfunk-Preis 2026. | © ORF/Landesstudio Kärnten/Johannes Puch
Der Deutschlandfunk-Preis in Höhe von 12.500 Euro ging an Ozan Zakariya Keskinkiliç für „Vater ohne Sohn“. Den 3sat-Preis erhielt Magdalena Schrefel für ihren Text „Kirschen, Herz mit Verband“, der sich literarisch mit Krankheit und Erinnerung auseinandersetzt.
Jubiläum eines Literaturwettbewerbs
Die Tage der deutschsprachigen Literatur fanden heuer zum 50. Mal im ORF-Landesstudio Kärnten in Klagenfurt statt. Seit ihrer Gründung 1977 gilt die Veranstaltung als einer der bedeutendsten Wettbewerbe für deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Zahlreiche heute etablierte Autorinnen und Autoren wurden hier erstmals einem breiten Publikum bekannt.
Die Jubiläumsausgabe stand zugleich im Zeichen des 100. Geburtstags der Namensgeberin Ingeborg Bachmann. Insgesamt traten 14 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum an drei Lesetagen gegeneinander an. Die Diskussionen der Jury wurden traditionell öffentlich geführt und live übertragen.

Von links: Kinga Tóth (Kelag-Preis), Magdalena Schrefel (3sat-Preis), Lena Schätte (Ingeborg-Bachmann-Preis sowie BKS Bank-Publikumspreis und „Festivalschreiber:in“) und Ozan Zakariya Keskinkılıç (Deutschlandfunk-Preis). | © ORF/Landesstudio Kärnten/Johannes Puch
Für die 50. Ausgabe wurden sämtliche Preisgelder erhöht. Neben dem mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis wurden weitere Preise im Gesamtwert von 45.000 Euro vergeben, darunter auch das mit 3.000 Euro dotierte Festivalschreiber-Stipendium.
ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard bezeichnete die Jubiläumsausgabe als Beleg dafür, warum die Tage der deutschsprachigen Literatur seit Jahrzehnten einen festen Platz im Literaturbetrieb haben. Die hohe Qualität der Texte, die öffentlichen Jurydebatten und die mediale Begleitung hätten den Wettbewerb über Klagenfurt hinaus sichtbar gemacht.
(PA/red)


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