Wiens verborgene Architektur: Denkmäler öffnen ihre Türen
Wien ist ein großes Geschichtsbuch aus Ziegel, Stein und Eichenholz. Manche seiner Kapitel sind weithin bekannt, andere bleiben im Verborgenen, weil die dazugehörigen Gebäude nicht öffentlich zugänglich sind.
Am 27. September 2026 öffnen zahlreiche historische Bauwerke ihre Türen und Tore. Der diesjährige Tag des Denkmals steht unter dem Motto „Denkmale: Wert für alle.“ und zeigt, welche gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Bedeutung das bauliche Erbe besitzt.
In Österreich stehen rund 40.000 Objekte unter Denkmalschutz, viele davon in privatem Besitz. Ihre Erhaltung ist eine gemeinsame Aufgabe von Eigentümern, Planern, Handwerksbetrieben, Restauratoren und dem Bundesdenkmalamt. Welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie historische Bauten zeitgemäß genutzt werden können, veranschaulichen die teilnehmenden Institutionen und Initiativen.
Ausgewählte Wiener Programmpunkte
Zusätzliche Einblicke ermöglicht Open House Wien, das vom 25. bis 27. September stattfindet und mehrere denkmalgeschützte Gebäude präsentiert. Einige Besichtigungen bieten eine seltene, möglicherweise einmalige Gelegenheit, Räume zu betreten, die normalerweise für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben.
Haus der Industrie
Das 1911 von Kaiser Franz Joseph eröffnete Haus der Industrie zählt zu den letzten Wiener Großbauten des Historismus. Hinter der mächtigen Fassade am Schwarzenbergplatz verbergen sich großzügige Treppenanlagen und prachtvolle Repräsentationsräume. Im Festsaal wurde 1955 erstmals nach Abschluss des Staatsvertrags die österreichische Flagge gezeigt. Am Tag des Denkmals führen Rundgänge durch die historischen Innenräume, die derzeit teilweise restauriert werden.

Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz. | © Industriellenvereinigung
Otto-Wagner-Kirche am Steinhof:
Mit ihrer goldenen Kuppel zählt die Kirche am Steinhof zu den bekanntesten Werken der Wiener Moderne. Otto Wagner plante sie als Bestandteil der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt und verband anspruchsvolle Gestaltung mit funktionalen Details. Architektur, Altäre, Leuchten, Glasfenster und weitere Teile der Einrichtung bilden ein Gesamtkunstwerk, das bis ins kleinste Detail durchdacht ist.

Otto-Wagner-Kirche am Steinhof in Wien. | © Lisa Rastl, Wien Museum
Orthopädisches Krankenhaus Gersthof
Das 1926 von den Architekten Mautner und Rothmüller entworfene ehemalige Orthopädische Krankenhaus in der Wielemansgasse in Wien-Währing wurde behutsam für eine neue Nutzung adaptiert. Fassade, Außenanlagen und wesentliche historische Merkmale im Inneren blieben erhalten. Heute dient der denkmalgeschützte Bau als Bildungscampus: Ehemalige Keller- und Lagerräume wurden zu hellen Kreativräumen, die frühere Verwaltungsvilla beherbergt den naturwissenschaftlichen Bereich.

Das ehemalige Orthopädische Krankenhaus Gersthof, heute als Bildungscampus genutzt. | © Andreas Buchberger.
Villa Beer
Die Anfang der 1930er-Jahre von Josef Frank und Oskar Wlach entworfene Villa Beer gilt als Ikone der österreichischen Moderne. Statt abgeschlossener Zimmer prägen fließende Räume, unterschiedliche Ebenen und überraschende Blickachsen das Haus. Bei seiner Restaurierung wurden historische Böden und Einbauten aufgearbeitet sowie Erkenntnisse über ursprüngliche Materialien und Bautechniken gewonnen. Vorträge und Besichtigungen geben Einblick in diese aufwendige Arbeit.

Die von Josef Frank und Oskar Wlach entworfene Villa Beer. | © Fotostudio Huger.
Campus der Akademie
Am Campus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften treffen mehrere Jahrhunderte Bildungs- und Baugeschichte aufeinander. Zum Ensemble im alten Universitätsviertel gehören das Hauptgebäude, das Collegium mit seinem Arkadenhof und die Akademiebibliothek. In der Alten Aula samt historischem Jesuitentheater entsteht derzeit mit dem „Q“ ein neues Zentrum für Wissenschaftskommunikation. Führungen verbinden historische Architektur mit der zukünftigen Nutzung des Standorts.

Campus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der Wiener Innenstadt. | © Daniel Hinterramskogler
Haus Urwalek
Wie sich Denkmalschutz und Klimaschutz verbinden lassen, zeigt das 1930 errichtete Haus Urwalek in Hietzing. Bei der Sanierung bewahrt ein besonders dünner Dämmputz die ursprünglichen Proportionen der Fassade. Historische Furniere, Böden und die charakteristische Holztreppe werden restauriert, während Wärmepumpe, Wohnraumlüftung und eine verborgen montierte Photovoltaikanlage das Gebäude technisch in die Gegenwart führen.

Das 1930 errichtete Haus Urwalek in Wien-Hietzing. | © Matej Hakar
Tag des Denkmals 2026
Der Tag des Denkmals findet am Sonntag, 27. September, bei freiem Eintritt statt. Für einzelne Führungen ist eine Anmeldung notwendig. Details zu Zeiten, Zugänglichkeit und Anmeldung finden sich unter tagdesdenkmals.at und openhouse-wien.at.
(PA/red)


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