ÖWA erreicht 6,85 Millionen Menschen trotz Medienwandel

Internationale Untersuchungen zeigen, dass Nutzer bei KI-generierten Suchantworten seltener auf die angeführten Quellen klicken. Für Nachrichtenseiten kann dadurch insbesondere der organische Google-Traffic zurückgehen. Seit März 2025 werden solche KI-Übersichten auch in Österreich angezeigt. In der neuen Planungsauswertung der Österreichischen Webanalyse ist von einem Reichweitenverlust allerdings nichts zu sehen.

Die für das zweite Quartal 2026 erfassten Onlineangebote erreichen in einem durchschnittlichen Monat 6,85 Millionen Menschen. Das entspricht 94,5 Prozent der 7,25 Millionen österreichischen Internetnutzer ab 14 Jahren. Im zweiten Quartal 2025 waren es 6,76 Millionen Menschen beziehungsweise 93,7 Prozent.

Vorjahresvergleich wieder möglich

Der Vergleich ist erstmals seit der Methodenänderung vom 1. Jänner 2025 wieder möglich. Damals stellte die ÖWA ihre Veröffentlichung auf das Verfahren der deutschen IVW um. Damit wurden nach Angaben der ÖWA angebotsindividuelle Lücken durch fehlende Einwilligungen beseitigt. Werte aus der Zeit vor der Umstellung sind mit den aktuellen Ergebnissen nicht vergleichbar.

Zugleich erhöhte die ÖWA ihre Grundgesamtheit auf Basis des Austrian Internet Monitor für 2026 von 7,215 auf 7,250 Millionen österreichische Internetnutzer ab 14 Jahren. Bei gleichbleibender Nutzerzahl würde dadurch eine geringfügig niedrigere prozentuale Reichweite ausgewiesen.

Die gemeinsame Monatsreichweite ist dennoch sowohl absolut als auch anteilig gestiegen: um rund 90.000 Personen und 0,8 Prozentpunkte. Gleichzeitig sank die Zahl der ausgewerteten Onlineangebote – einschließlich Einzelangeboten, Dachangeboten und Vermarktungsgemeinschaften – von 104 auf 88.

Mobil nutzen 6,38 Millionen Menschen zumindest eines der erfassten Angebote, über Desktopgeräte sind es 3,54 Millionen. Für Agenturen und Werbekunden weist die ÖWA im Mediaplanungssystem Zervice außerdem Reichweiten- und Zielgruppendaten für 346 buchbare Werbeeinheiten aus.

ORF.at bleibt auf Abstand

ORF.at erreicht in einem durchschnittlichen Monat 5,342 Millionen Unique User und damit 73,7 Prozent der österreichischen Internetbevölkerung ab 14 Jahren. Das ORF.at Network kommt einschließlich seiner weiteren Bestandteile auf 5,555 Millionen Menschen beziehungsweise 76,6 Prozent.

Hinter dem öffentlich-rechtlichen Angebot bleibt das Rennen der reichweitenstärksten Nachrichtenseiten eng. Heute.at erreicht 3,559 Millionen Unique User und 49,1 Prozent Reichweite. Krone.at folgt mit 3,515 Millionen Menschen beziehungsweise 48,5 Prozent.

Der Abstand beträgt rund 44.000 Unique User. Im Juli lagen die beiden Angebote mit einer Differenz von weniger als 1.500 Personen noch näher beieinander.

Kurier.at erreicht im Quartal monatlich 3,153 Millionen Menschen. Dahinter folgen oe24.at mit 2,938 Millionen, MeinBezirk.at mit 2,917 Millionen und derStandard.at mit 2,725 Millionen. Die Kleine Zeitung kommt auf 2,491 Millionen, DiePresse.com auf 1,770 Millionen Unique User.

48 Millionen Zuordnungen

Ein Unique User wird innerhalb eines Angebots nur einmal gezählt. Derselbe Mensch kann jedoch bei ORF.at, Heute.at, Krone.at, derStandard.at und weiteren Portalen jeweils als eigener Unique User erscheinen.

Addiert man die veröffentlichten Monatsreichweiten der 58 numerisch ausgewiesenen Einzelangebote, entstehen deshalb rund 48,4 Millionen Nutzerzuordnungen. Tatsächlich erreicht das gesamte ÖWA-Angebot 6,85 Millionen verschiedene Menschen.

Teilt man die 48,4 Millionen Nutzerzuordnungen durch die gemeinsame Reichweite von 6,85 Millionen Menschen, entfallen rechnerisch etwas mehr als sieben Zuordnungen auf jeden erreichten Nutzer. Das ist kein Messfehler, sondern eine Folge der angebotsbezogenen Darstellung. Für den Werbemarkt entstehen daraus vergleichbare Reichweiten einzelner Werbeträger. Über die Intensität der jeweiligen Medienbeziehung sagt die bloße Zuordnung noch wenig aus.

Das wird beim Vergleich von Monats- und Tagesreichweite sichtbar. ORF.at erreicht an einem durchschnittlichen Tag 1,374 Millionen Menschen. Rechnerisch nutzt ein monatlich erreichter ORF-Nutzer das Angebot damit durchschnittlich an etwa 7,8 Tagen im Monat.

Bei Krone.at ergeben sich rund 5,9 Tage, bei der Kleinen Zeitung 4,9 und bei derStandard.at 4,4 Tage. Heute.at kommt ebenfalls auf rund 4,4 Tage, MeinBezirk auf vier. Bei oe24.at, Kurier.at und DiePresse.com sind es jeweils etwa dreieinhalb Tage.

Der viel beschäftigte Unique User verbringt also nicht den ganzen Monat bei all diesen Medien. Viele Angebote berührt er nur an wenigen Tagen. Trotzdem zählt er bei jedem davon zur vollen Monatsreichweite.

KI-Suche trifft auf Reichweite

Auf den ersten Blick passt diese Entwicklung kaum zu den Warnungen der Medienbranche. Seit März 2025 zeigt Google seine KI-generierten Übersichten auch in Österreich an. Sie können Suchanfragen bereits auf der Ergebnisseite beantworten, ohne dass Nutzer anschließend eine der angeführten Quellen besuchen.

Eine vom Reuters Institute zitierte Chartbeat-Auswertung zeigt die internationale Entwicklung: Der organische Google-Traffic zu mehr als 2.500 Nachrichtenseiten sank zwischen November 2024 und November 2025 weltweit um 33 Prozent. Welcher Anteil des Rückgangs unmittelbar auf KI-Antworten zurückzuführen ist, lässt sich laut Reuters nicht eindeutig bestimmen.

In der gemeinsamen Monatsreichweite der ÖWA-Angebote zeigt sich jedenfalls kein Rückgang. Sie stieg gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um rund 90.000 Menschen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, wie sich die Zugriffe aus der Google-Suche in Österreich entwickelt haben.

Unklar bleibt, ob die teilnehmenden Medien tatsächlich Suchmaschinenzugriffe verloren und diese durch direkte Zugriffe, Apps, soziale Netzwerke oder andere Quellen ausgeglichen haben. Fest steht nur: In der gemeinsamen Monatsreichweite der ÖWA-Angebote ist die international beobachtete Entwicklung bislang nicht zu erkennen.

(PA/red)