Kunstuni verwandelt Linzer Innenstadt für Ars Electronica
Seit 2002 gehört der Campus der Kunstuniversität Linz zur Ars Electronica. Von 8. bis 13. September werden die Gebäude am Hauptplatz und in der Domgasse wieder zu Ausstellungsräumen und Bühnen.
Mehr als ein Dutzend Studienrichtungen der Kunstuniversität, 21 internationale Gastuniversitäten und zahlreiche Partner aus Kunst und Zivilgesellschaft beteiligen sich am Programm. Rund 200 Beiträge verteilen sich auf die Standorte Hauptplatz 6 und 8 sowie Domgasse 1. Gezeigt werden Installationen, Performances, Screenings und Workshops.
Das Ars Electronica Festival steht 2026 unter dem Titel „Future Begins – Negotiating Humanity“. Am Kunstuni Campus geht es um Vorstellungen vom Menschsein, die technische und gesellschaftliche Entwicklungen prägen. Wer entscheidet, welche Körper als leistungsfähig gelten? Wie verändern Technologien Beziehungen? Welche Verantwortung entsteht gegenüber anderen Menschen, Lebewesen und Ressourcen?
Der optimierte Körper
Viele Arbeiten sind in den vergangenen Monaten entstanden, bevor die Studierenden das Festivalthema kannten. Dabei behandeln sie zentrale Fragen des Festivals: Kontrolle, Erinnerung, Ressourcen, Krieg und digitale Abhängigkeiten.
Carina Danzers „Cyb3rD4wg5“ führt technische Selbstoptimierung ins Absurde. Eine Apparatur stattet einen Menschen mit vier zusätzlichen Armen aus, die Hotdogs greifen können. Das posthumane Upgrade folgt der Logik, den Körper laufend leistungsfähiger und effizienter zu machen.
Bei „Mío##“ von Patrick Ortiz und Marta Salinas wird eine reale Person zur Figur eines Videospiels. Teilnehmende lösen ihre Bewegungen durch Zahlungen aus und bestimmen ihren Weg durch die Stadt. Die Arbeit übersetzt Migration in eine fremdgesteuerte Choreografie.
Eine Sonne aus alten Speichern
Max Sabitzer und Bo Leiter widmen sich einem Speichermedium, das innerhalb weniger Jahre aus dem Alltag verschwunden ist. Für „CompactSun Vol. 3 – Diffraktionslicht“ bauen sie aus 1008 CDs eine große Kugel. Projektionen von Sonnenstürmen und alten Science-Fiction-Filmen verwandeln den Raum in ein Lichtmeer. Die Installation wird zum funkelden Denkmal einer vermeintlich veralteten Technologie.

Max Sabitzer und Bo Leiter haben für „CompactSun Vol. 3 – Diffraktionslicht“ 1008 CDs zu einer Lichtskulptur zusammengefügt. | © Max Sabitzer
Woonji Im beschäftigt sich in „Fish (skin) & Chips“ mit Fischhaut, die bei der Verarbeitung von Speisefisch in großen Mengen anfällt und häufig entsorgt wird. Sie gerbt und färbt die Häute und verarbeitet sie zu Garn und textilen Objekten. Das Publikum kann Unterschiede in Struktur, Festigkeit und Geruch erfahren.
Körper werden zu Stimmen
„Egomaniac – Color the Night“ von Hanna Kortus und Ellinor Brandenburg beschäftigt sich mit queeren Erfahrungen von Ignoranz und Homophobie. Das Video übersetzt Ohnmacht, Angst, Verletzlichkeit und Widerstand in Licht, Bewegung und körperlichen Ausdruck.

„Egomaniac – Color the Night“ von Hanna Kortus und Ellinor Brandenburg übersetzt Erfahrungen queerer Menschen in Licht und Bewegung. | © Ellinor Brandenburg
In „What does the skin remember?“ von Sara und Alessandro Bravin tragen zwei Performende eigens entwickelte Wearables. Jede Berührung erzeugt eine Klangspur, die bestehen bleibt, wiederkehrt und sich verändert. Es entsteht ein gemeinsamer Klangraum, in dem Berührung als Form des Zuhörens und Erinnerns erfahrbar wird.
„Sympoiesis“ von Olesia Kvitka, Valeriia Rymska-Dolhikh, Maryana Steshenko und Will Lopes nutzt Atem und mittels Elektroenzephalografie (EEG) gemessene Hirnaktivität für Bilder und elektronische Kompositionen. Auch Sonnenlicht, Wasser und Wachs fließen in die entstehenden Arbeiten ein.
Ein Mikrofon zwischen den Sprachen
„Vocal Duets“ von Alireza Khosroabadi und Sara Karimi beschäftigt sich mit Sprachen, deren Beziehungen von politischen Konflikten und Kriegen geprägt sind. Die Arbeit bringt Russisch mit Ukrainisch sowie Hebräisch mit Farsi und Arabisch in einen Dialog.

Alireza Khosroabadi und Sara Karimi untersuchen in „Vocal Duets“ Sprache, Nähe und politischen Konflikt. | © Alireza Khosroabadi
Kunst und Protest am Hauptplatz
Der Kunstuni Campus erstreckt sich heuer auch auf den Hauptplatz. Zwischen Neptunbrunnen und Dreifaltigkeitssäule entsteht ein öffentliches Bauwerk für Kunst, Begegnung und Diskussion.
Im Rahmen von „Flood the Zone with Courage“ entwickeln Studierende, Kunstschaffende und zivilgesellschaftliche Organisationen performative und partizipative Protestformen. Beteiligt sind unter anderem die globalisierungskritische Organisation ATTAC Österreich und FIFTITU%, die oberösterreichische Vernetzungsstelle für Frauen* in Kunst und Kultur. Das splace dient als Festivalzentrale. Der Sound Campus bespielt an drei Abenden den Innenhof am Hauptplatz 6.
Die Projekte des Kunstuni Campus liefern unterschiedliche Perspektiven auf das Festivalthema. Sie untersuchen, wie Technologien, politische Verhältnisse und kulturelle Erfahrungen bestimmen, was als menschlich gilt. Zukunft wird hier zur gemeinsamen Leistungsschau.
Kunstuni Campus @ Ars Electronica Festival 2026
Hauptplatz 6 und 8, splace am Hauptplatz sowie Domgasse 1, Linz
Eröffnung: Dienstag, 8. September, 17 Uhr
Ausstellungen: Mittwoch bis Samstag, 11 bis 20 Uhr; Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Kostenlose Führungen: Mittwoch bis Samstag, jeweils 17 Uhr
Treffpunkt: Kunstuni Campus Welcome Desk, Hauptplatz 6
(PA/red)


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