Bilanz des heißesten Sommers: Hilft freilich wenig
Mehrere Hitzewellen mit Temperaturen über 40 Grad, niedrige Pegelstände in Flüssen, Seen und Grundwasser, eine außergewöhnliche Dürre und erhebliche Ernteausfälle: Der Sommer 2026 war nach Angaben der GeoSphere Austria der heißeste in Österreich seit Beginn der 260-jährigen Messreihe und einer der fünf trockensten.
Gegenüber dem Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020 war er um 2,6 Grad wärmer. Nur in der ersten Junihälfte und gegen Ende August gab es einige kühlere Tage. Dazwischen lagen wochenlange Phasen mit außergewöhnlich hohen Temperaturen.
Sechs Tage über 40 Grad
An sechs Tagen wurde in Österreich die 40-Grad-Marke erreicht oder überschritten – mindestens einmal in jedem Sommermonat, im August sogar an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Osten des Landes. Vor diesem Sommer waren 40 Grad in Österreich überhaupt erst einmal gemessen worden: im August 2013.
Den neuen österreichischen Höchstwert lieferte Bad Deutsch-Altenburg am 5. August mit 41,2 Grad. An mehr als hundert Wetterstationen wurden im Laufe des Sommers neue absolute Temperaturrekorde verzeichnet.
Auch im Westen hielt sich die Hitze ungewöhnlich lange. In Bregenz wurden 47 Tage mit mindestens 30 Grad registriert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2015 hatte bei 29 Tagen gelegen. Das entspricht einer Zunahme um mehr als 60 Prozent.
Fast alle Landeshauptstädte meldeten so viele heiße Tage wie noch nie seit Beginn ihrer jeweiligen Messreihen, darunter Innsbruck, Salzburg, Linz, St. Pölten, Wien, Graz und Klagenfurt. In Eisenstadt wurde der bisherige Rekord zunächst eingestellt. Einzelne 30-Grad-Tage sind nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auch im September noch möglich.
GeoSphere-Generaldirektor Andreas Schaffhauser geht davon aus, dass solche Hitzewellen künftig häufiger auftreten, länger dauern und noch höhere Temperaturen bringen werden.
Das hilft einem freilich wenig, wenn man bei vergleichbaren Temperaturen anderswo von einem gelungenen Sommerurlaub spricht.
Wenig Abkühlung in den Nächten
Belastend waren nicht allein die Höchsttemperaturen am Tag. Zahlreiche Nächte blieben so warm, dass Wohnungen kaum auskühlten. Besonders in dicht bebauten Städten brachte auch nächtliches Lüften häufig wenig Erleichterung.
Asphalt, Beton und dunkle Dachflächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab. Bäume, unversiegelte Böden und offene Wasserflächen können dagegen zur Abkühlung beitragen.
Das hilft einem freilich wenig, wenn Städte über Jahrzehnte verdichtet, Innenhöfe versiegelt und Wohnungen errichtet wurden, die Wärme aufnehmen, aber kaum wieder abgeben können.
Bisher 646 hitzeassoziierte Todesfälle
Für Juni und Juli berechnete die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit 646 hitzeassoziierte Todesfälle. Laut Gesundheitsministerium war das der höchste Wert für diesen Zeitraum innerhalb der vorliegenden Vergleichsreihe. Die Zahlen für August standen zum Zeitpunkt der Bilanz noch aus.
Die Zahl stammt nicht aus 646 Totenscheinen, auf denen Hitze als Todesursache eingetragen wurde. Grundlage ist ein statistisches Modell. Es vergleicht die tatsächlich registrierte Sterblichkeit mit jener Zahl an Todesfällen, die ohne die außergewöhnlichen Temperaturen zu erwarten gewesen wäre.
Auf dem Totenschein wird in der Regel eine konkrete Todesursache stehen, etwa eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. In der Modellrechnung kann derselbe Mensch dennoch als hitzeassoziierter Todesfall erscheinen, wenn angenommen wird, dass er ohne die zusätzliche Belastung länger gelebt hätte.
Das hilft einem freilich wenig, wenn man nach Komplikationen in einem Spitalsbett verstorben ist.
Einer der fünf trockensten Sommer
Mit etwas mehr als 30 Prozent weniger Niederschlag gehörte der Sommer zu den fünf trockensten seit Beginn der österreichischen Niederschlagsreihe. Angesichts der extremen Hitze, der niedrigen Fluss- und Grundwasserstände und der schweren Dürre erscheint es zunächst überraschend, dass er damit „nur“ unter den fünf niederschlagsärmsten Sommern liegt.
Vier Sommer waren noch trockener – allerdings ohne vergleichbare Folgen. Die besondere Schwere der diesjährigen Dürre führt GeoSphere auf mehrere Faktoren zurück: Während der wochenlangen Hitze verdunstete besonders viel Wasser. Zugleich hatte es bereits seit fast einem Jahr zu wenig geregnet. Die vergangenen zwölf Monate waren nach Angaben von GeoSphere die trockensten seit Beginn der Niederschlagsmessreihe im Jahr 1858.
Bei Mais, Erdäpfeln und Äpfeln kam es zu erheblichen Ernteausfällen. Böden rissen auf, Bäume und Sträucher verloren frühzeitig ihre Blätter. In manchen Gewässern starben Fische, zudem stieg die Waldbrandgefahr.
Wie schwer fehlender Regen eine Landschaft trifft, hängt nicht allein von der Niederschlagsmenge ab. Auch die Beschaffenheit der Böden entscheidet darüber, wie viel Wasser aufgenommen und gespeichert werden kann.
Das hilft einem freilich wenig, wenn der Zustand der Böden schon vor der Hitzewelle darüber entschieden hat, wie rasch aus fehlendem Regen eine schwere Dürre wird.
Niedrige Pegelstände
Flüsse, Grundwasser und große Seen erreichten ungewöhnlich niedrige Stände. Am Bodensee wurde über Wochen ein historischer Tiefstand beobachtet. Die Messreihe für den See reicht bis 1864 zurück.
In ausgetrockneten Flussbetten kamen Kriegsrelikte zum Vorschein. In Ungarn mussten Atomkraftwerke wegen des Niedrigwassers abgeschaltet werden.
Die fehlenden Niederschläge und die starke Verdunstung erklären einen wesentlichen Teil dieser Entwicklung. Wie viel Wasser in einer Landschaft verbleibt, hängt jedoch auch davon ab, wie Flüsse, Böden und Überschwemmungsgebiete beschaffen sind.
Das hilft einem freilich wenig, wenn Bodenverdichtung, entwässerte Flächen, verschwundene Überschwemmungsgebiete, begradigte Flüsse und wachsende Versiegelung die natürlichen Wasserspeicher der Landschaft verkleinern.
Weniger Blitze als gewöhnlich
Das stabile Hochdruckwetter brachte nicht nur Hitze und Trockenheit, sondern auch weniger Gewitter. Das Blitzortungssystem ALDIS registrierte österreichweit bisher rund 55.000 Blitze. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre waren es knapp 92.000.
Die geringere Gesamtzahl verhinderte nicht, dass einzelne Gewitter schwere Schäden verursachten. Im Bezirk Bruck an der Leitha und in Kittsee deckten Sturmböen Dächer ab, rissen Bäume um und warfen sogar Grabsteine um. Einen Tag später trafen schwere Unwetter Oberösterreich. Auch das Frequency Festival bei St. Pölten musste wegen der Sturmgefahr einen Teil seines Programms absagen.
Das hilft einem freilich wenig, wenn man den Megablitzeinschlag mit einer Stromstärke von 159.000 Ampere in Oberlaa verpasst hat.
Ein Sommer für die Geschichtsbücher
Der Sommer 2026 wird als heißester der österreichischen Messgeschichte, als einer der fünf trockensten und als Sommer mit ungewöhnlich vielen heißen Tagen in die Klimabilanzen eingehen. Fachleute sehen darin einen Ausblick auf eine Zukunft mit häufigeren, längeren und intensiveren Hitzeperioden.
Die Bilanz beschreibt Temperaturen, Niederschläge, Pegelstände und statistische Abweichungen. Sie sagt wenig darüber, weshalb dieselbe Hitze in einer begrünten Straße anders wirkt als auf einem versiegelten Platz, weshalb ein gesunder Boden Trockenheit besser übersteht als ein verdichteter oder weshalb 40 Grad am Urlaubsort anders wahrgenommen werden als am Arbeitsplatz.
Wenn man wissen möchte, ob es bloß der heißeste Sommer seit Messbeginn war oder bereits die Hitzehölle auf Erden, hilft einem diese Bilanz freilich wenig.
(red)


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