Barabrixa Lunafax: Elfie Donnellys neuer Hexenroman

Mit Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen hat Elfie Donnelly Generationen von Kindern begleitet. Die 1950 in London geborene und in Wien aufgewachsene Autorin lebt heute auf Ibiza. Ihr neuer Roman „Barabrixa Lunafax: Die Unbeugsame“ erscheint heute bei edition a. Im Mittelpunkt steht eine junge Hexe, die sich gegen die Errichtung eines autoritären Regimes auf ihrer Heimatinsel stellt. Der Verlag kündigt das Buch als Parabel gegen Rechtsextremismus und autoritäre Entwicklungen in Europa an. Die Geschichte bietet dafür einen klaren Konflikt, löst ihren politischen Anspruch aber nur teilweise ein.

Eine Insel voller Hexen

Die fünfzehnjährige Barabrixa möchte von ihrer abgeschirmten Hexeninsel Lummelau hinaus in die Welt. Als ihre Mutter und die Inselanführerin nach Istanbul reisen, übernimmt Alicruxa die Aufsicht. Doch die Reise ist eine Falle: Die beiden werden magisch gefangen gehalten, während ihre Vertreterin eine Diktatur errichtet. Barabrixa flieht, um sie zu befreien und ihre Heimat zu retten. Ein junger Musiker begleitet sie über Wien und Budapest nach Istanbul; ihre beste Freundin leistet unterdessen auf Lummelau Widerstand.

Eigenwillige Flugbesen und Kräuterwissen als Überlebenshilfe bereichern die Rettungsreise. Barabrixas Mischung aus Trotz, Angst und Entschlossenheit trägt das Abenteuer. Ihr fehlt Erfahrung, ihre Hexkraft lässt außerhalb der vertrauten Welt nach. Die Freundschaft, auf die sie sich verlassen kann, gehört zu den sympathischen Seiten des Romans. In Ton, Klamauk und jugendlichen Konflikten bleibt er nahe an einem Jugendabenteuer. Sein politischer Anspruch verlangt ihm mehr ab.

Buchcover von Elfie Donnellys Roman „Barabrixa Lunafax: Die Unbeugsame“

„Barabrixa Lunafax: Die Unbeugsame“ erschienen bei edition a.

Die notwendige Ergänzung

Barabrixa verteidigt eine Gemeinschaft, die sich ihrer Offenheit sicher ist. Frauen unterschiedlicher Herkunft haben auf Lummelau Zuflucht gefunden und bereichern die Insel mit ihrem Wissen. Männliche Besucher stören dagegen mit polternden Stimmen und breitbeinigem Auftreten. Eingelassen werden die Magier dennoch: wegen der Nachwuchsfrage. Ihre Beteiligung am Fortbestand ist anerkannt, ihre Anwesenheit eher geduldet.

Das setzt früh einen selbstgefälligen Ton. Die Frauen tragen die Kultur, die Männer erscheinen als notwendige Ergänzung. Auch sonst werden sie gern belächelt: der Pilzforscher in der Rahmenhandlung als Fremdkörper im Hexenhaushalt, Barabrixas Reisegefährte als überforderter Beschützer. Der hilfreiche Elementargeist bleibt eine skurrile Ausnahmefigur.

Doch auch unter den Frauen findet Barabrixa keineswegs nur Vertrauen. Sie selbst nimmt die Warnungen ihrer Freundin vor Alicruxa zunächst nicht ernst und lässt sich von deren Weltgewandtheit und schicken Kleidern beeindrucken. Noch vor der Abreise nach Istanbul weist ihre Mutter die Bedenken zurück: Wenn die bisherige Inselanführerin Alicruxa die Vertretung anvertraut, müsse man diesem Urteil vertrauen. Selbst der Gedanke, die beunruhigenden Ahnungen der Freundin mit einem Tränklein zu vertreiben, fällt beiläufig.

Barabrixa muss sich also nicht nur gegen die böse Hexe behaupten. Schon zuvor erwarten die vertrauten Erwachsenen Gehorsam. Die Mädchen sollen selbstbewusst sein – solange sie die Autorität der Älteren nicht infrage stellen. Dieser Widerspruch macht die Gemeinschaft weniger vorbildlich, als der behagliche Ton ihres Inselporträts nahelegt.

Barbarick barbatrick

Barabrixas Weg zu folgen, wird durch ähnlich klingende Namen erschwert. Sie heißt auch Bari und später Brixa; ihre Mutter Milla begegnet uns in der Rahmenhandlung als Oma Ludmilla. Die beste Freundin heißt Mirellin, deren Mutter Marelind. Daneben steht Milan, der junge Musiker. Weitere Hexen, magische Gegenstände und Rituale verlangen ebenfalls, sich ihre Bezeichnungen einzuprägen.

Der Zugang zu dieser Welt verlangt Geduld. Die Namensfülle erschwert es, klare Vorstellungen von Figuren und Beziehungen zu entwickeln. Dabei ist Barabrixas Aufgabe leicht zu erfassen: Sie muss ihre Mutter und die Inselanführerin retten. Dieser tragfähige Kern gerät zwischen den erklärungsbedürftigen Einzelheiten zu oft aus dem Blick.

Situative Gehorsamkeit

Die Botschaft bleibt dagegen unmissverständlich. „Leitkultur“, Uniformierung und Bücherverbrennung kennzeichnen das Regime. Der Nebellotustee unterdrückt kritisches Denken und liefert den Mitläuferinnen eine bequeme Entschuldigung: Sie gehorchen, weil ihnen etwas eingeflößt wurde. Die zuvor erkennbare Eitelkeit, Bequemlichkeit und Autoritätsgläubigkeit tritt hinter die Wirkung einer Droge zurück.

So nimmt der Roman seinen Figuren einen erheblichen Teil der Verantwortung ab. Zur Besinnung kommen sie durch ein Gegenmittel; die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten folgt erst danach. Für eine Parabel über autoritäre Verführung ist das eine allzu einfache Entlastung.

Auf ihrer Reise begegnet Barabrixa einer schematisch gezeichneten Polizei: herablassende Beamte, Drohungen, ein düsteres Jugendheim. Solange sie selbst deren Zugriff ausgesetzt ist, erscheint die Ordnungsmacht als Gegner. Später übergibt sie die entmachtete Alicruxa einem Polizisten. Als diese gegen ihre Gefangenschaft protestiert, stellt Barabrixa sie als verwirrt dar und denunziert sie damit bei der Behörde. Die Autorität, gegen die sie sich gewehrt hat, kommt ihr nun gelegen. Maßgeblich ist offenbar weniger, wie diese Macht handelt, als gegen wen sie sich richtet.

Die geraubte Erinnerung

Am deutlichsten zeigt sich der wechselnde Maßstab an Milan. Er begleitet Barabrixa freiwillig, verliebt sich in sie und riskiert einiges. Als er seine Grenze erreicht, verabschieden sich die beiden. Danach belegt Barabrixa ihn mit einem Zauber, der die gemeinsame Reise in eine traumähnliche Erinnerung verwandelt. Sie selbst weiß weiterhin, was geschehen ist; Milan verliert die Möglichkeit, seine Erfahrungen und seine Beziehung zu ihr aus eigener Erinnerung zu beurteilen.

Milan hat eine Entscheidung getroffen: Er kann diesen Weg nicht weitergehen. Barabrixa akzeptiert seinen Abschied jedoch nicht als seine Angelegenheit. Sie greift nachträglich in sein Gedächtnis ein, ohne ihn zu fragen. Die Inselanführerin billigt diesen Eingriff später ausdrücklich. Die Heldin beansprucht für sich das Recht auf Selbstbestimmung und nimmt es zugleich ihrem Begleiter.

Donnelly erzählt mit Abenteuerlust und Humor. Doch eine Parabel gegen autoritäres Denken müsste auch der eigenen Heldin Grenzen setzen. Milan hätte seine Liebe, seine Angst und seinen Abschied als Teil seines Lebens behalten dürfen. Dass Barabrixa ihm diese Erfahrung nimmt und dafür Zustimmung erhält, ist deshalb keine beiläufige Unstimmigkeit. Der Roman verteidigt Barabrixas eigene Freiheit entschiedener als die Freiheit jener Figuren, über deren Leben von Beginn an ein festes Urteil gefällt wird.

Damit verbindet der Roman mehrere problematische Entscheidungen: Die Mitläuferinnen werden durch einen Trank gefügig gemacht und durch einen Gegentrank von ihrer Verantwortung entlastet. Die Polizei bleibt bedrohlich, solange sie gegen Barabrixa handelt, wird aber nützlich, sobald sie deren Gegnerin übernehmen soll. Und Milan wird die Erinnerung genommen, weil Barabrixa überzeugt ist, im Recht zu sein. Gute Absichten ersetzen dabei die Prüfung der Mittel.

Gelegenheit, Buch und Autorin kennenzulernen, bietet die Präsentation bei Thalia Wien Mitte am 21. Oktober 2026 um 18:30 Uhr, Landstraßer Hauptstraße 2 Elfie Donnelly signiert anschließend. Für einen gesicherten Sitzplatz empfiehlt sich eine Reservierung; die Teilnahme ist auch ohne Ticket möglich.

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