Schlagerbooom zwischen Abschied und Comeback
Drei Wochen nach der Aufzeichnung in Kitzbühel zeigte ORF 2 am Samstagabend die Jubiläumsausgabe des „Schlagerbooom Open Air“. Zehn Jahre nach der Premiere führte Florian Silbereisen erneut durch die große Eurovisionsshow. Michelle verabschiedete sich von der Bühne, Andrea Berg feierte das 25-jährige Jubiläum ihres größten Erfolgs, Mark Medlock kehrte zurück und Mireille Mathieu bewies wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag, dass Bühnenpräsenz keine Frage des Alters sein muss. Mehr als drei Stunden lang vereinte die TV-Produktion von MDR, BR und ORF Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Generationen.

Florian Silbereisen bei der Moderation des „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ in Kitzbühel. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Florian Silbereisen führte diese unterschiedlichen Lebensgeschichten mit ruhiger Hand durch den Abend. Als Gastgeber stellte er sich bewusst in den Hintergrund und überließ den Künstlerinnen und Künstlern die Bühne. Im Jahr, in dem sich der Geburtstag von Peter Alexander zum 100. Mal jährt, erinnerte diese Rolle an jenen großen Fernsehunterhalter, der Generationen über Jahrzehnte hinweg zusammenführte.
Der unvergessliche Peter Alexander
Der Auftritt von Andy Borg mit seiner Hommage an das „kleine Beisl“ passte gut an den Beginn eines Fernsehabends, der überraschende Momente offenbarte und viele Künstler von einer sehr persönlichen Seite zeigte. Bevor die großen Abschiede und Comebacks auf der Fernsehbühne ihren Lauf nahmen, stellte die junge Generation klar, dass sie gekommen ist, um für immer Teil der Schlagerfamilie zu sein.

Andy Borg setzte mit seiner Hommage an das „kleine Beisl“ einen bodenständigen Akzent beim Jubiläumsabend des Schlagerboooms. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Die neue Schlagergeneration
Beatrice Egli hat seit ihrem Sieg bei „Deutschland sucht den Superstar“ im Jahr 2013 den Sprung von der Castingshow-Gewinnerin zur eigenständigen Entertainerin geschafft. Beim Schlagerbooom bekannte sie sich sichtbar zur Schlagerfamilie und machte deutlich, dass sie diese Rolle auch künftig ausfüllen will.
Auch Kerstin Ott steht für die Entwicklung des Schlagers in den vergangenen Jahren. Mit “Die immer lacht” erreichte sie ein Millionenpublikum und öffnete das Genre für neue Lebensentwürfe und ein breiteres Publikum. Ihre Präsenz auf der Schlagerbooom-Bühne wirkt selbstverständlich und ihre neuen Lieder sind Teil des Mainstreams, den der moderne Schlager abbildet.

Kerstin Ott beim „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ in Kitzbühel. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Mit Oli.P und Mark Medlock schlug der Abend die Brücke zu jener Fernsehgeneration, die Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre Millionen Menschen vor den Bildschirm brachte. Oli.P prägte diese Zeit als Sänger und Fernsehdarsteller. Seine Lieder wecken bis heute Erinnerungen an die eigene Jugend. Mark Medlock erhielt nach längerer Bühnenpause einen prominenten Platz für sein Comeback.

Mark Medlock kehrte beim „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ nach längerer Bühnenpause vor ein großes Fernsehpublikum zurück. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Michelle räumt die Bühne leer
Mit Michelle verabschiedete sich eine der prägenden Schlagersängerinnen der vergangenen drei Jahrzehnte von der großen Fernsehbühne. Die heute 53-jährige Sängerin, die als Tanja Hewer ihre Karriere bereits in jungen Jahren begann, nutzte den Schlagerbooom für ihren letzten Fernsehauftritt.
Vor ihrem Abschiedslied verlas Michelle einen persönlichen Brief an Florian Silbereisen, das Produktionsteam und jene Menschen, die sie über viele Jahre begleitet hatten. Immer wieder sprach sie vom Gemeinsamen und von ihrer Dankbarkeit für den gemeinsamen Weg.

Michelle verabschiedete sich beim „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ mit „Das war’s für mich“ von ihrem Fernsehpublikum. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Den bleibenden Eindruck hinterließ jedoch nicht der Brief, sondern das anschließende Lied. Mit „Das war’s für mich“ blickte die 53-Jährige auf ihren Lebensweg zurück – von den schwierigen Anfängen bis zu einer jahrzehntelangen Karriere im Rampenlicht. Mit der Schlusszeile „Ich räum’ die Bühne leer“ endete nicht nur die Musik, sondern auch Michelles letzter Fernsehauftritt als Sängerin. Aber was ist schon endgültig?
Andrea Berg steht für Beständigkeit
Während Michelle Abschied nahm, feierte Andrea Berg ein Jubiläum. Vor 25 Jahren erschien „Du hast mich tausendmal belogen“ – jener Titel, der ihre Karriere wie kaum ein anderer geprägt hat und bis heute zu den bekanntesten Liedern des deutschsprachigen Schlagers zählt. Andrea Berg selbst gehört mit mehr als drei Jahrzehnten Bühnenerfahrung und Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Künstlerinnen des Genres.

Andrea Berg feierte beim “Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!” das 25-jährige Jubiläum ihres Erfolgs “Tausendmal belogen” mit einer aufwendig inszenierten Bühnenproduktion im Stadion von Kitzbühel. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Unter Pyroeffekten fuhr Andrea Berg auf einer Harley-Davidson auf die Bühne und setzte ihren Jubiläumssong spektakulär in Szene. Er erzählt von Enttäuschung und Verletzung, endet aber nicht mit einem Schlussstrich. Die Zeile „Ich würd’ es wieder tun mit dir“ macht aus „Du hast mich tausendmal belogen“ mehr als einen Trennungsschlager – sie erzählt von einer Liebe, die trotz aller Widersprüche nicht loslassen kann.
Anastacia mit Orchesterbegleitung
Internationalen Glanz brachte Anastacia nach Kitzbühel. Die US-Sängerin, die Anfang der 2000er-Jahre mit Hits wie „I’m Outta Love“ und „Left Outside Alone“ weltweit bekannt wurde, präsentierte ihre größten Erfolge in orchestralen Neuarrangements. Das Projekt knüpft an ihr aktuelles Album an, auf dem sie ihre bekanntesten Songs neu interpretiert.
Begleitet von einem Orchester verlieh Anastacia ihren Hits einen symphonischen Klang, ohne an Energie einzubüßen. Ihre unverändert kraftvolle Stimme machte den Auftritt zu einem der musikalischen Höhepunkte des Abends und fügte sich nahtlos in die Dramaturgie der Jubiläumsshow ein.
Mireille Mathieu kennt kein Bühnenalter
Seit fast sechs Jahrzehnten gehört Mireille Mathieu zu den großen Stimmen des europäischen Chansons. Mit Liedern wie „La Paloma adieu“ oder „Hinter den Kulissen von Paris“ wurde sie auch im deutschsprachigen Raum zur festen Größe des Fernsehens und zählt bis heute zu den bekanntesten französischen Künstlerinnen.

Mireille Mathieu zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten französischen Chanson-Sängerinnen und war auch beim „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ einer der gefeierten internationalen Gäste. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Auch wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag präsentierte sich Mathieu mit klarer, kraftvoller Stimme und bemerkenswerter Energie. Ihre Freude an der Musik und die Nähe zum Publikum prägen ihre Auftritte bis heute. Damit bleibt sie eine Ausnahmeerscheinung – nicht nur im Schlager, sondern weit darüber hinaus. Künstlerinnen ihres Formats würde man öfters auf den Bühnen großer Konzerthäuser erwarten.
Claudia Jung verbindet die Kapitel
Seit mehr als vier Jahrzehnten gehört Claudia Jung zu den prägenden Stimmen des deutschsprachigen Schlagers. Beim Schlagerbooom widmete sie ihrem verstorbenen Ehemann ein persönliches Lied. Während ihres Auftritts wurden Archivaufnahmen des Paares eingeblendet und verliehen der Performance eine zusätzliche persönliche Ebene.

Claudia Jung präsentierte beim „Schlagerbooom Open Air 2026 – Die Berge leuchten!“ ein Lied, das sie ihrem verstorbenen Ehemann widmete. | © ORF/ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Abschied, Comeback und Wiederkehr fanden in diesem Auftritt zusammen. Das Lied handelte von Verlust, zugleich aber auch vom Weiterleben in der Erinnerung. Nach der sehr persönlichen Anmoderation durch Florian Silbereisen folgte der musikalische Auftritt unmittelbar.
Die Schlagerwelt findet das Gemeinsame
Der Schlagerbooom feierte sein zehnjähriges Bestehen mit einem Blick auf das ganze Musikerleben seiner Protagonisten. Michelle verabschiedete sich, Andrea Berg stand für Beständigkeit, Anastacia interpretierte ihre größten Erfolge neu, Mark Medlock erhielt eine zweite Chance und Mireille Mathieu bewies, dass große Bühnen keine Altersgrenze kennen.
Zwischen diesen Lebensstationen spannte sich ein Abend, der von weit mehr erzählte als von Schlagern und ihren Interpreten. Er zeigte Künstlerinnen und Künstler in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens – in der Mitte einer Karriere, auf ihrem Höhepunkt, bei einer Rückkehr oder beim Abschied. Vielleicht liegt genau darin die Botschaft des Abends: Solange ihre Lieder weitergesungen werden, bleibt niemand wirklich vergessen.
(red)


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