Weltfrauentag in Wien: Gleichstellung bleibt Thema
Der Weltfrauentag erinnert seit mehr als hundert Jahren an den Kampf um politische Rechte, soziale Gleichstellung und faire Arbeitsbedingungen für Frauen. In Österreich hat sich daraus eine Mischung aus politischem Aktionstag, kulturellem Programm und gesellschaftlicher Debatte entwickelt. Wien nutzt den Termin seit einigen Jahren gezielt, um aktuelle Gleichstellungsthemen sichtbar zu machen – etwa Einkommensunterschiede, Care-Arbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Gewaltprävention.
Ein Aktionstag mit politischer Geschichte
Seine Ursprünge hat der Internationale Frauentag in der Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. 1911 wurde er erstmals in mehreren europäischen Ländern begangen. In Österreich fand eine der größten Demonstrationen damals in Wien statt, als zehntausende Frauen für Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gingen.
Heute stehen andere Themen im Mittelpunkt, doch die grundlegenden Forderungen sind weiterhin aktuell. Laut aktuellen Studien verdienen Frauen in Österreich im Durchschnitt noch immer deutlich weniger als Männer, arbeiten häufiger Teilzeit und übernehmen einen Großteil der unbezahlten Betreuungsarbeit in Familien.

Die Vizebürgermeisterin lädt ins Offene Rathaus. | © Stadt Wien/Martin Votava
Wiener Frauenwoche als Plattform
Vor diesem Hintergrund organisiert die Stadt Wien seit einigen Jahren rund um den 8. März eine Wiener Frauenwoche. Seit Montag, 2. März 2026, finden in der ganzen Stadt Veranstaltungen statt – von Workshops und Diskussionen bis zu Kulturprogrammen und Beratungsangeboten rund um den Weltfrauentag.
Das Programm richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen: Schülerinnen, Berufseinsteigerinnen, Unternehmerinnen oder Familien. Thematisch reicht die Palette von finanzieller Selbstständigkeit über Gesundheit bis zu Frauen in Kunst und Geschichte.
Ziel ist es, Gleichstellung nicht nur als politisches Schlagwort zu diskutieren, sondern als konkretes gesellschaftliches Anliegen sichtbar zu machen.
Programm im Rathaus am Samstag
Bereits am Samstag, 7. März, lädt Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál anlässlich des Internationalen Frauentages ins Offene Rathaus. Ab 15 Uhr (Einlass ab 14 Uhr) erwartet Besucher und Besucherinnen im Wiener Rathaus ein umfangreiches Programm bei freiem Eintritt. Geplant sind Informationsangebote, Workshops, Kulturprogramm sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Im Festsaal präsentieren Organisationen und Einrichtungen der Stadt Wien ihre Angebote an mehreren Themeninseln – darunter Frauenpolitik, Mädchenarbeit, Gewaltschutz, Wohnen, Arbeit und Bildung sowie Vielfalt. Ergänzend informiert der Gesundheitsdienst der Stadt Wien über Gesundheitsangebote und bietet vor Ort auch Impfungen an.
Frauenbefragung als Ausgangspunkt
Die Wiener Frauenwoche, die von 2. bis 8. März 2026 stattfindet, bündelt zahlreiche Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag. Ausgangspunkt für das Programm ist die groß angelegte Befragung „Wien, wie sie will.“, an der rund 15.500 Wienerinnen teilgenommen haben. Dabei wurde unter anderem der Wunsch nach stärker ausgebauten und niedrigschwelligen Angeboten für Frauen und Mädchen formuliert.
Veranstaltungen in Wien am 8. März
Der eigentliche Weltfrauentag am Sonntag, 8. März 2026, bildet den Höhepunkt der Woche. Mehrere Wiener Bezirksmuseen beteiligen sich mit Sonderprogrammen:
Im Bezirksmuseum Favoriten läuft etwa die Ausstellung „Wasser – Natur und Kultur – Frauen!“, die Frauenperspektiven auf Natur- und Stadtgeschichte zeigt.
Das Bezirksmuseum Wieden widmet sich bei Spezialführungen dem Thema Frauen und Technik und rückt historische Beiträge von Frauen in technischen Berufen in den Fokus.
Auch im Rathaus wird Geschichte sichtbar gemacht. Die Galerie „Wien. Stadt der großen Töchter“ stellt Frauen vor, die Wien in Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft geprägt haben.
Neben kulturellen Programmen gibt es auch Informationsangebote. So veranstaltet der Verein Kinderwunsch Österreich am Weltfrauentag eine Online-Informationsrunde zum Thema Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit.
Sichtbare Zeichen am Weltfrauentag
Am Abend setzt Wien auch im öffentlichen Raum ein sichtbares Zeichen. Mehrere Brücken entlang des Donaukanals – darunter Salztorbrücke, Schwedenbrücke, Marienbrücke und Roßauer Brücke – werden zwischen 19 Uhr und Mitternacht violett beleuchtet. Die Farbe gilt international als Symbol der Frauenbewegung.
Mit diesem umfangreichen Programm nimmt Wien beim Internationalen Frauentag auch innerhalb Österreichs eine besondere Rolle ein. Kaum eine andere Stadt bündelt rund um den 8. März so viele Veranstaltungen, Informationsangebote und kulturelle Beiträge.
(red)


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