© Sabine KlimptSechzig zu werden ist kein Gag. Außer man heißt Wolfgang Fifi Pissecker und lebt seit mehr als vier Jahrzehnten davon, die eigene Gegenwart, Vergangenheit und Umwelt pointiert auseinanderzunehmen. In seinem vierten Soloprogramm „Na gratuliere…“ macht Pissecker genau das: Er zieht Bilanz – nicht nostalgisch, sondern mit jener lakonischen Gelassenheit, die man sich offenbar erst erarbeiten muss.
Bekannt geworden als Gründungsmitglied der Kult-Kabarettgruppe Die Hektiker, hat Pissecker den österreichischen Humor über Jahrzehnte mitgeprägt. Dass er inzwischen längst mehr ist als „der Hektiker“, zeigt dieser Abend sehr deutlich. „Na gratuliere…“ ist kein Best-of und keine Abrechnung, sondern ein persönlich gefärbter Rückblick, der bewusst offen bleibt – brüchig, selbstironisch, manchmal auch überraschend nachdenklich.
Soloprogramm „Na gratuliere…“
Pissecker erzählt von Anfängen und Abzweigungen, von Rollenbildern, Erwartungen und dem schleichenden Gefühl, dass man irgendwann nicht mehr am Anfang, aber auch noch lange nicht am Ende steht. Er beobachtet sich selbst dabei mit derselben Präzision wie seine Umwelt. Erinnerungen werden nicht ausgestellt, sondern hinterfragt – auch deshalb, weil sie sich über 60 Jahre hinweg gerne verändern. Was davon tatsächlich so war, wie man es heute erzählt, bleibt Teil des Spiels.
Der Humor kommt dabei selten laut daher. Pointen entstehen aus Alltagssituationen, aus Selbstzweifeln, aus dem Blick zurück auf ein Leben, das sich im Rückspiegel oft stringenter anfühlt, als es je war. Zwischen den Lachern blitzen immer wieder ruhigere Momente auf, in denen Pissecker Themen wie Herkunft, Prägung und Verantwortung behandelt.
Zwischenstand für Fifi Pissecker
„Na gratuliere…“ ist damit kein Jubiläumsabend im klassischen Sinn, sondern ein Zwischenstand. Einer, der zeigt, wie sich Erfahrung anfühlen kann, wenn man sie nicht feiert, sondern befragt. Und vielleicht liegt genau darin der Reiz dieses Programms: im Verzicht auf große Gesten – zugunsten eines Abends, der ehrlich, pointiert und professionell bleibt.
Titelbild: Wolfgang Fifi Pissecker | © Sabine Klimpt


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