Gegen alle Widrigkeiten: Gil Ofarim ist Dschungelkönig
Siebzehn Tage nach dem Einzug ins australische Camp ist die Entscheidung gefallen: Gil Ofarim gewinnt das Finale von Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! und wird zum neuen Dschungelkönig gekrönt. Im Finale setzte sich der 43-jährige Musiker gegen Samira Yavuz und Hubert Fella durch, nachdem das Publikum per Telefonvoting über den Ausgang entschieden hatte. Die letzte RTL-Live-Show folgte dabei dem bekannten Ritual aus Rückblicken, Prüfungen und Abschieden – mit einem Ergebnis, das viele nicht für möglich hielten. Denn kaum ein Kandidat dieser Staffel war unter seinen Mitstreitern so umstritten wie jener, der am Ende die Krone erhielt. Wer hätte das gedacht?

V.l.: Stephen Dürr, Patrick Romer, Gil Ofarim, Eva Benetatou, Mirja du Mont, Ariel, Hardy Krüger, Samira Yavuz, Simone Ballack, Nicole Belstler-Boettcher, Umut Tekin und Hubert Fella | © RTL
Sympathie draußen, Kälte drinnen
Das Finale folgte äußerlich dem vertrauten Ablauf: letzte Prüfungen, Rückblicke, Umarmungen. Und doch lag über diesem Abend eine Schwere, die sich nicht wegmoderieren ließ. Sonja Zietlow und Jan Köppen führten ruhig durch die Sendung, auffallend zurückgenommen, streckenweise ungewohnt ernst.
Bevor die RTL-Zuschauer ihre letzte Entscheidung trafen, mussten Samira, Hubert und Gil noch einmal beweisen, was in ihnen steckt und eine letzte Prüfung bestehen. Der Titel wirkte dabei passend: „Nicht sehen“, „Nicht hören“, „Nicht sprechen“. Bezeichnend deshalb, weil Gils Vorgeschichte während der gesamten Staffel zwar ausgiebig im Camp, aber nicht aus dem Off besprochen wurde.
Der sonst so verlässliche Wechsel aus Ironie, frecher Distanz und kalkulierter Überzeichnung blieb gedämpft. Die Regie verzichtete auf jene Zuspitzungen, die das Dschungelcamp sonst zuverlässig einsetzt. Es war, als wolle die Sendung vermeiden, ausgerechnet an diesem Abend zusätzliche Reibung zu erzeugen. Ja nicht ins Fettnäpfchen treten, ja kein Joke, der missverstanden werden könnte, schien die Devise zu sein. Noch bevor der Name Gil Ofarim fiel, wusste das Publikum eigentlich schon Bescheid.
Alle gegen Einen am Lagerfeuer
Schon früh in der Staffel wurde deutlich, dass Ofarim im Camp keinen selbstverständlichen Platz hatte. Für viele galt seine Teilnahme bereits als Affront. Die offene Ablehnung kam nicht aus dem Nichts. Sie hatte sich aufgebaut und wurde im Halbfinale noch einmal ausdrücklich sichtbar. Am Lagerfeuer spielten die verbliebenen Kandidaten „Sag die Wahrheit“ – mit Stäbchen, die herumgereicht wurden, und Fragen, die laut vorgelesen wurden. Es war einer dieser typischen Dschungel-Momente, in denen Nähe hergestellt und zugleich Konflikt heraufbeschworen wird. Als die entsprechenden Fragen kamen, bezogen die verbliebenen Kandidaten klar Stellung.

Tag 16 im Dschungelcamp – Gespräche am Lagerfeuer | © RTL
In dieser Runde machten mehrere Mitstreiter keinen Hehl aus ihrer Haltung gegenüber Gil Ofarim. Auch Samira Yavuz und Hubert Fella waren sich einig. Sie sagten offen, dass sie ihm den Sieg nicht gönnten und er ihn nicht verdient habe. Kein Streit, kein emotionaler Ausbruch – eher eine ruhige, beinahe sachliche Feststellung von allen, die das Finale nicht erreichten. Von Simone Ballack, die sich im Camp als fürsorgliche Figur etabliert hatte – als Kümmerin, als Köchin, als jemand, der zuhört und vermittelt. Auch Patrick Romer, der im Halbfinale ausschied, ordnete sich in dieses Bild ein. Was im Camp als Ehrlichkeit verstanden wurde, sah man von außen anders.
Warum Gil die Stimmen erhielt
Für viele Zuseher zählte etwas anderes: Haltung bewahren unter Druck. Gil Ofarim war nie der Liebling am Lagerfeuer, nie der Vermittler, nie derjenige, der sich in der Gruppe verankerte. Er blieb über weite Strecken ein Einzelner – kontrolliert, beobachtet und misstrauisch beäugt. Er verweigerte den Kniefall – und wurde im Camp dafür abgestraft.

Der Dschungelkönig 2026 | © RTL
Genau das machte ihn für ein Publikum interessant. Hinzu die offen zur Schau gestellte Ablehnung. Nicht hinter vorgehaltener Hand, nicht taktisch verschleiert, sondern klar formuliert, direkt ins Gesicht gesagt. Was im Camp als Ehrlichkeit gemeint war, wurde draußen als Grenzüberschreitung wahrgenommen. Für viele kippte der Blick in dem Moment, in dem aus Distanz eine Strategie wurde. Der Kandidat, dem der Sieg nicht gegönnt war, wurde zur Projektionsfläche. Das Publikum stimmte nicht aus Mitleid für ihn, sondern aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus.
Gil Ofarim und die zweite Chance
Unter die Top drei zu kommen, veränderte Gil Ofarim schlagartig. Im Finale wirkte er erstmals gelöst, fast befreit. Er lächelte viel, suchte immer wieder Augenkontakt und ließ die Anspannung sichtbar fallen. Wer die Live-Show miterlebte, hatte den Eindruck, dass hier nicht nur ein Wettbewerb endete, sondern etwas in diesem Mann zurückkehrte. „Die Freude ist wieder da. Die Leichtigkeit ist zurück“, gibt Ofarim freimütig zu.
Der Sieg beantwortete keine Fragen nach Schuld, Verantwortung und Reue. Er setzte auch keinen Schlusspunkt unter die Debatte, die diese Staffel begleitet hatte. Wer darin eine Entscheidung über Wahrheit oder Unwahrheit sehen wollte, musste enttäuscht bleiben. Das Finale klärte nichts – sein Sieg erklärt jedoch alles.
Gil hat vom Beginn der Staffel weg alle Votings angeführt. Wer hätte das gedacht?
RTL-Dschungelcamp 2026 Kritik
Eine spannende Staffel ist zu Ende gegangen. Und selten haben Sonja Zietlow und Jan Köppen besser in ihren Rollen funktioniert als in dieser. Anders als ein anderer Entertainer erkannten sie früh, in welche Richtung sich diese Staffel bewegte. Sie verzichteten auf Spott und Anzüglichkeiten, hielten Distanz, agierten beinahe ernsthaft, spürbar besonnen. Im Finale wirkten sie ein wenig zu ängstlich, aber passend zur allgemeinen Stimmung.

Sonja Zietlow, Jan Köppen und Gil Ofarim, der RTL zum Dschungelkönig 2026.
Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! bleibt damit ein Format, das immer noch überraschen kann. Und eine Fortsetzung verdient. Eine zweite Chance braucht es dafür nicht.
(red)


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