Kritischer Blick auf OnlyFans nach CEO-Verlust
Mit dem Tod des Mehrheitseigners der Plattform OnlyFans ist ein Unternehmen in den Fokus geraten, das in den vergangenen Jahren zu einem der bekanntesten digitalen Geschäftsmodelle für kostenpflichtige Inhalte geworden ist. Die Plattform zählt weltweit mehrere hundert Millionen registrierte Nutzer und mehrere Millionen Anbieter von Inhalten. Leonid Radvinsky ist mit 43 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Das bestätigte das Unternehmen.
OnlyFans wurde ursprünglich als Bezahlplattform für exklusive Inhalte konzipiert. In der Praxis entwickelte sich das Angebot rasch zu einem Markt, in dem ein erheblicher Teil der Inhalte erotischer oder pornografischer Natur ist. Rechtlich bewegen sich solche Angebote in vielen europäischen Ländern grundsätzlich im zulässigen Rahmen, sofern Alterskontrollen und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.
Die wirtschaftliche Dimension ist beträchtlich. Anbieter können Inhalte direkt an zahlende Nutzer verkaufen, während die Plattform einen prozentualen Anteil der Einnahmen erhält. Neben klassischen monatlichen Abonnements existieren zahlreiche weitere Bezahlformen. Dazu zählen gestaffelte Mitgliedschaften mit unterschiedlichen Zugriffsrechten, einmalige Zahlungen für einzelne Inhalte sowie kostenpflichtige Live-Angebote, die von Gruppensessions bis zu individuell buchbaren Einzelinteraktionen reichen können.
Wenige belastbare Daten, viele offene Fragen
Während globale Nutzerzahlen öffentlich kommuniziert werden, fehlen detaillierte Daten für Europa weitgehend. Weder für Deutschland noch für Österreich existieren gesicherte Zahlen darüber, wie viele Menschen regelmäßig Inhalte anbieten oder ihren Lebensunterhalt daraus bestreiten.
Auch steuerliche Fragen beschäftigen Behörden und Berater. Einnahmen aus Plattformen gelten in der Regel als selbständige Einkünfte und müssen versteuert werden. Gleichzeitig berichten Fachleute von Unsicherheiten – etwa bei jungen Nutzern, die erstmals Einnahmen über internationale Plattformen erzielen und sich mit steuerlichen Verpflichtungen konfrontiert sehen.
Eine weitere Besonderheit ist die enge Verbindung zu sozialen Netzwerken. Viele Anbieter nutzen Plattformen wie Instagram oder TikTok, um Aufmerksamkeit aufzubauen und dort indirekt auf kostenpflichtige Inhalte hinzuweisen. Diese Verknüpfung zwischen frei zugänglichen Netzwerken und kostenpflichtigen Angeboten gilt als wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.
Problematisches Verhalten von Erwachsenen
Besonders sensibel ist der Bereich Jugendschutz. Plattformen mit kostenpflichtigen Inhalten sind offiziell nur für volljährige Nutzer zugelassen. Dennoch wird die Wirksamkeit technischer Alterskontrollen immer wieder hinterfragt. Der Jugendschutz wird dennoch strikt eingehalten und vieles wird unternommen, damit dieser nicht umgangen wird, beteuert das Unternehmen.
Auch wenn die Inhalte von Erwachsenen erstellt werden, orientieren sich Darstellung und Inszenierung häufig an jugendlichen Erscheinungsbildern. Ein Problem sehen Fachleute im Zusammenspiel mit frei zugänglichen sozialen Netzwerken. Hinweise auf kostenpflichtige Inhalte können dort sichtbar sein – auch für Minderjährige. Für Jugendschutzstellen entsteht dadurch ein komplexes Umfeld, das sich deutlich von klassischen Medienstrukturen unterscheidet.
Neben rechtlichen Fragen rücken zunehmend auch psychologische Aspekte in den Fokus. Beobachtet wird, dass Plattformen, die Einkommen mit öffentlicher Aufmerksamkeit verbinden, neue Formen sozialer Dynamik schaffen. Für manche Anbieter kann die Aussicht auf schnelle Einnahmen und digitale Anerkennung zu einem starken Anreiz werden – besonders in Lebensphasen, in denen finanzielle oder soziale Unsicherheiten bestehen.
Gleichzeitig warnen Fachleute davor, dass sich langfristige Folgen für Selbstbild und berufliche Perspektiven ergeben können, wenn Einnahmen stark an persönliche Selbstdarstellung gebunden sind.
Ein Angebot, das süchtig machen kann
Auch Premium-Modelle mit erweiterten Leistungen sind Teil des Systems. Manche Anbieter bieten mehrstufige Abopakete an, die zusätzliche Inhalte, persönliche Kommunikation oder exklusive Angebote beinhalten. Darüber hinaus existieren individuelle Sonderwünsche einzelner Kunden, deren Preise – je nach Umfang und Exklusivität – deutlich über regulären Abonnementkosten liegen können.
Ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells sind zudem integrierte Vermarktungswerkzeuge. Die Plattform stellt Creator Funktionen zur Verfügung, mit denen Inhalte beworben, Rabatte gewährt oder zeitlich begrenzte Aktionen gestartet werden können. Viele Anbieter investieren zusätzlich eigenes Geld, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und sich gegen die wachsende Konkurrenz durchzusetzen. Damit entstehen nicht nur Einnahmen, sondern auch laufende Kosten, die den wirtschaftlichen Erfolg stark beeinflussen können.
Unbequeme Debatten bleiben aus
Mit dem Wachstum solcher Plattformen nehmen auch gesellschaftliche Debatten zu. Kritiker verweisen darauf, dass bestimmte Inhalte problematische Vorstellungen von Sexualität verstärken können – etwa dann, wenn extreme Darstellungen oder Gewaltfantasien kommerziell verbreitet werden.
Frauenrechts- und Präventionsorganisationen diskutieren seit Jahren darüber, wie sich solche Inhalte auf gesellschaftliche Erwartungen und Rollenbilder auswirken können. Dabei geht es nicht nur um einzelne Angebote, sondern um ein gesamtes Ökosystem aus Plattformen, sozialen Netzwerken und Zahlungsdiensten.
Auch das Konsumverhalten auf Nutzerseite wird zunehmend untersucht. Einige Studien deuten darauf hin, dass sich Erwartungen an Sexualität durch dauerhaft verfügbare digitale Angebote verändern können. Fachleute sehen darin eine mögliche Herausforderung für zwischenmenschliche Beziehungen, wenn digitale Inhalte reale Kontakte teilweise ersetzen oder beeinflussen.
Diese Debatten verlaufen kontrovers – auch deshalb, weil wirtschaftliche Interessen, individuelle Entscheidungen und gesellschaftliche Verantwortung eng miteinander verbunden sind.
Ein geduldetes Geschäftsmodell
Der Tod des Unternehmers Leonid Radvinsky verändert die Funktionsweise der Plattform nicht. Der Name und seine Staatsangehörigkeit sind der Öffentlichkeit zuvor gänzlich unbekannt gewesen. Radvinsky hatte 2018 eine Mehrheitsbeteiligung an der Plattform übernommen, die ursprünglich 2016 von den britischen Unternehmern Guy und Tim Stokely gegründet worden war.
Die kolportierten Regulierungspläne für soziale Medien könnten aufgrund der Aufmerksamkeit rund um die Verkausfspläne und den Wert socher Unternhemen zunehmend auch Plattformen betreffen, die bislang weniger im Fokus der Öffentlichkeit standen. Eventuell auch solche, die so unschuldig klingende Namen haben wie OnlyFans.
(red)


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