Österreich verliert eine Ikone der Medienkunst
Die österreichische Medien- und Performancekünstlerin VALIE EXPORT ist tot. Die international bedeutende Künstlerin starb am Donnerstag in Wien im Alter von 85 Jahren, wie ihre Stiftung bestätigte. Mit Aktionen wie „Tapp- und Tastkino“, „Aktionshose: Genitalpanik“ oder „Aus der Mappe der Hundigkeit“ wurde EXPORT seit den späten 1960er-Jahren weltweit zu einer prägenden Figur der Avantgarde-, Medien- und Performancekunst. Sie galt über Jahrzehnte als eine der bekanntesten österreichischen Künstlerinnen der Gegenwart.
VALIE EXPORT wurde zur internationalen Marke
Geboren wurde sie 1940 in Linz als Waltraud Lehner. Den Namen VALIE EXPORT schuf sie Ende der Sechzigerjahre bewusst als künstlerische Marke in Großbuchstaben – als programmatische Abgrenzung von traditionellen Rollenbildern und bürgerlicher Herkunft. International wurde sie früh zu einer zentralen Vertreterin des Expanded Cinema und jener Wiener Avantgarde, die mit Film, Körperkunst und Medienexperimenten die Grenzen zwischen Kunstform, Öffentlichkeit und Provokation auflöste.
Besonders ihre Arbeiten mit dem eigenen Körper machten EXPORT weit über Österreich hinaus bekannt. Während konservative Kreise ihre Aktionen damals als Skandal verstanden, wurde sie in internationalen Kunstinstitutionen zunehmend als radikale Erneuerin medialer und feministischer Bildsprache rezipiert. Spätestens seit den 1990er-Jahren avancierte sie endgültig zur globalen Kunstikone, deren Werke in Museen, Sammlungen und Universitäten weltweit diskutiert wurden.

VALIE EXPORT Fotografie “Einschluss” | © Ostlicht/EXPORT
Filmisches Gesamtwerk dem Filmmuseum übergeben
Eine enge Verbindung pflegte EXPORT zum Österreichischen Filmmuseum in Wien. Bereits in den 1980er-Jahren übergab sie erste Originalmaterialien ihrer Filme an die Institution. 2020 schenkte sie dem Filmmuseum schließlich ihr gesamtes filmisches Werk – darunter Originalnegative, Vorführmaterialien sowie umfangreiche Arbeitsunterlagen. Ziel sei gewesen, ihr Werk „für zukünftige Generationen zu erhalten“, erklärte sie damals.
Auch Oberösterreich begann sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit seiner berühmten Tochter auseinanderzusetzen. Das VALIE EXPORT Center in Linz archiviert seit Jahren ihren Vorlass, im Lentos widmete man ihr große Ausstellungen und Retrospektiven. Späte institutionelle Anerkennung folgte damit auf Jahrzehnte, in denen EXPORT außerhalb Österreichs vielfach stärker wahrgenommen wurde als im eigenen Land.
Zwischen Avantgarde, Provokation und Role Model
Mit dem Tod der Künstlerin wird wohl auch die Diskussion über die kunsthistorische Einordnung ihres Werks neu geführt werden. Viele ikonische Arbeiten entstanden ursprünglich im Umfeld des Wiener Aktionismus, Medienavantgarde, Undergroundfilm und kollektivem Kunstexperiment der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre.

Standbild aus dem Film “Mann & Frau & Animal” von Valie Export und Peter Weibel. | © Sixpack Film/EXPORT/Weibel
Die frühe Wiener Experimentalfilmszene war stark von kollaborativen Prozessen geprägt. Besonders Peter Weibel, mit dem EXPORT über Jahre eng zusammenarbeitete, war an zahlreichen ihrer bekanntesten Arbeiten konzeptionell, performativ und theoretisch beteiligt. In späteren kunsthistorischen Deutungen rückte dieser kollektive Kontext zunehmend in den Hintergrund, während EXPORT zur internationalen Symbolfigur der feministischen Medien- und Performancekunst wurde.
Prägende Figur der österreichischen Medienkunst
Unbestritten bleibt ihr enormer Einfluss auf die Entwicklung von Medienkunst, Performance und Körperpolitik. Kaum eine andere österreichische Künstlerin hat die internationale Wahrnehmung der heimischen Avantgarde derart geprägt wie VALIE EXPORT.
(PA/red)


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