APA-CEO Clemens Pig kandidiert für ORF-Spitze
Am letzten Tag der Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion konkretisiert sich das Feld für die Nachfolge an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks deutlich. APA-CEO Clemens Pig hat am Donnerstag offiziell seine Kandidatur eingereicht. Gleichzeitig erklärte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, nicht für eine weitere Funktionsperiode kandidieren zu wollen.
Pig präsentierte seine Bewerbung unter dem Leitmotiv „Ein ORF, dem Österreich vertraut“. In seiner Aussendung positioniert sich der langjährige APA-Chef als Kandidat für Stabilität, digitale Transformation und publizistische Glaubwürdigkeit. Der ORF sei „eine zentrale demokratische Institution dieses Landes“, die angesichts geopolitischer, technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche weiterentwickelt werden müsse.
APA-Erfahrung zählt
Der 1974 geborene Medienmanager führt die APA seit 2016 und baute die Nachrichtenagentur in dieser Zeit strategisch zu einem technologieorientierten Medienunternehmen aus. In seiner Bewerbung verweist Pig auf Erfahrungen mit KI-Anwendungen, digitalen Plattformen, Datenservices und internationalen Medienkooperationen. Redaktionelle Qualität und technologische Innovation seien „kein Gegensatz“, sondern müssten gemeinsam gedacht werden.
Inhaltlich setzt Pig stark auf Vertrauen, Public Value, redaktionelle Unabhängigkeit, Transparenz und Publikumseinbindung. Gleichzeitig spricht er offen über organisatorische Veränderungen, wirtschaftliche Effizienz und eine stärkere Plattformlogik zwischen ORF ON, ORF.at, ORF Sound, linearen Angeboten und Landesstudios.
Breiten Raum nimmt auch der Medienstandort Österreich ein. Pig argumentiert, die eigentliche Konkurrenz österreichischer Medienhäuser komme längst von globalen Plattformen, die Aufmerksamkeit, Werbegelder und technische Standards kontrollieren. Der ORF müsse deshalb stark bleiben, aber kooperationsfähig auftreten.
Thurnher räumt auf
Parallel zur Bewerbungsphase machte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher zuletzt ungewöhnlich offen auf die wirtschaftliche Lage des ORF aufmerksam. Bei der Gala für „Österreichs Journalist:in des Jahres“ sprach sie über das bereits laufende Sparprogramm „von mehreren hundert Millionen Euro“ und warnte zusätzlich vor kolportierten weiteren Einsparungen von „fast 80 bis 90 Millionen Euro“ ab kommendem Jahr.
Eine Kürzung in dieser Größenordnung würde „an den Grundfesten rütteln“, sagte Thurnher wörtlich. Besonders deutlich war ihre Einschätzung, dass es den ORF „so wie wir ihn kennen“ in dieser Ausprägung künftig nicht mehr geben könnte. Veränderungen würden zwangsläufig auch das Publikum spüren.
Dass Thurnher nicht kandidiert, war keine Überraschung. Sie kündigte an, gemeinsam mit der neuen ORF-Führung einen „Planungs-Summit“ zur Umsetzung weiterer Einsparungen vorbereiten zu wollen.
Breites Bewerberfeld
Mit dem Donnerstag konkretisierte sich auch das Bewerberfeld für die ORF-Generaldirektion deutlich. Neben APA-CEO Clemens Pig und ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz wurden bis zum Ende der Frist weitere Kandidaturen bekannt. Als Bewerber gelten unter anderem Puls-4-Gründer Markus Breitenecker, ORF-Programmdirektorin Lisa Totzauer, Medienunternehmerin Eva Schütz sowie Kommunikationsberater Ernst Primosch. Auch Sonja Sagmeister wird im Umfeld des Bestellungsprozesses als Kandidatin genannt. Darüber hinaus wurde über eine mögliche Kandidatur von Ex-DAZN-Manager Johannes Larcher sowie Medienmanager Philipp König berichtet.
(PA/red)


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