ÖFB-Abschlusszeugnis bringt WM auf den Punkt
Mit dem WM-Aus gegen Spanien endet auch die öffentliche Aufarbeitung der Weltmeisterschaft aus österreichischer Sicht. Der ORF hat seine Nutzer über die Leistungen der ÖFB-Spieler abstimmen lassen. Das daraus entstandene Abschlusszeugnis zeichnet das Bild einer Mannschaft, die ihr Potenzial nur phasenweise abrufen konnte. Zwei Mal „Sehr gut“, mehrere „Gut“, vor allem aber zahlreiche „Befriedigend“ und mehrere „Genügend“ ergeben eine Bilanz, die deutlich nüchterner wirkt als die Emotionen nach dem dramatischen 3:3 gegen Algerien.
Das Abschlusszeugnis beschränkt sich auf die Spieler. Teamchef Ralf Rangnick bleibt in der sportlichen Bilanz außen vor. Bis auf ihn wurden Lob und Kritik gleichermaßen verteilt.
Das sagt das Abschlusszeugnis
Mit Alexander Schlager und Marcel Sabitzer vergeben die ORF-Nutzer nur zwei Mal die Bestnote „Sehr gut“. David Alaba, Konrad Laimer, Marko Arnautovic und Sasa Kalajdzic erhalten ein „Gut“. Den größten Teil des Kaders ordnen die Teilnehmer der Abstimmung jedoch im Bereich „Befriedigend“ oder „Genügend“ ein. Spieler wie Nicolas Seiwald, Romano Schmid oder Kevin Danso bleiben ebenso im Mittelfeld wie mehrere weitere Stammkräfte, während Xaver Schlager, Phillipp Mwene und Florian Grillitsch schlechter beurteilt werden. Für Patrick Wimmer, Alexander Prass und Marco Friedl wurde wegen der kurzen Einsatzzeiten keine Note vergeben.
Das Zeugnis fällt insgesamt zurückhaltend aus. Zwei Mal „Sehr gut“, vier Mal „Gut“, sieben Mal „Befriedigend“, drei Mal „Genügend“ sowie drei Spieler ohne Benotung wegen kurzer Einsatzzeiten ergeben das Bild einer Mannschaft, die nach Einschätzung der abstimmenden ORF-Nutzer ihr Potenzial nur phasenweise ausschöpfen konnte. Die Bewertungen beruhen auf einer laufenden Nutzerabstimmung auf ORF.at und können sich durch weitere Stimmen noch verändern. Hier der Link zum Artikel.
Live-Moment und Gesamtbilanz
Zur Erinnerung an eine Fußball-Weltmeisterschaft tragen nicht nur Tore und Ergebnisse bei. Auch Fernsehbilder und Kommentare bleiben oft über Jahrzehnte im Gedächtnis. In Österreich teilten sich ORF und ServusTV die Live-Rechte der WM 2026. Moderatoren, Experten und Kommentatoren begleiteten das Turnier – und manchmal schreiben auch sie Fernsehgeschichte. Kaum ein Satz steht dafür so sehr wie Edi Fingers legendäres „I werd narrisch“.
Beim ORF gehörten Herbert Prohaska, Andreas Herzog, Viktoria Schnaderbeck, Roman Mählich und Peter Stöger zum Expertenteam. Die Spiele kommentierten Oliver Polzer, Thomas König, Anna-Theresa Lallitsch und Daniel Warmuth.
Besonders in Erinnerung blieb Daniel Warmuth beim dramatischen 3:3 gegen Algerien. Innerhalb weniger Minuten wechselte sein Kommentar von „Der Albtraum wird zur Realität“ zu „Bist du deppert!“ – zwei Sätze, zwischen denen sich das drohende WM-Aus in den ersten Einzug Österreichs in die K.-o.-Phase seit 44 Jahren verwandelte. Damit wurde nicht nur das Tor von Sasa Kalajdzic Teil der österreichischen Fußballgeschichte, sondern auch der Kommentar dazu.
Fußball von einer anderen Seite
Wenige Tage vor dem Ausscheiden Österreichs hatte sich der ORF im „ZiB Magazin Spezial – Verlieren verboten! Profis & Profit. Der Fußball am Limit?“ mit einer anderen Seite des Profifußballs beschäftigt. Im Mittelpunkt standen nicht Tore oder Tabellen, sondern der steigende wirtschaftliche Druck, immer dichtere Spielpläne, internationale Transfernetzwerke, KI-gestützte Leistungsanalysen und die Frage, wie lange das System Profifußball dieser Entwicklung standhalten kann.
Mit dem WM-Aus rückt nun wieder das Sportliche in den Vordergrund. Auf die Systemanalyse folgt die Bilanz des Turniers – diesmal anhand der Leistungen einzelner Spieler. Teamchef Ralf Rangnick bekommt demnächst ein eigenes Zeugnis ausgestellt.
Euphorie und Ernüchterung
So bleibt von dieser Weltmeisterschaft ein ungewöhnlicher Spannungsbogen. Das dramatische 3:3 gegen Algerien wird als einer der emotionalsten Momente der jüngeren ÖFB-Geschichte in Erinnerung bleiben. Das anschließende Ausscheiden gegen Spanien rückt die sportliche Bilanz jedoch wieder in ein anderes Licht.
Vier Jahrzehnte nach dem legendären „I werd narrisch“ hat Österreich mit „Bist du deppert!“ einen neuen Satz für die Fußballgeschichte gefunden. Der Vergleich zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Ausgangslagen waren. Damals stand ein Sieg gegen den amtierenden Europameister am Beginn eines historischen Erfolgs. Diesmal war es ein Last-Minute-Remis gegen Algerien, das den Einzug in die K.-o.-Phase sicherte, bevor Spanien die Reise der ÖFB-Elf beendete.
Das Zeugnis der ORF-Nutzer fällt insgesamt zurückhaltend aus. Zwei Mal „Sehr gut“, vier Mal „Gut“, sieben Mal „Befriedigend“, drei Mal „Genügend“ sowie drei Spieler ohne Benotung wegen kurzer Einsatzzeiten ergeben das Bild einer Mannschaft, die nach Einschätzung der abstimmenden ORF-Nutzer ihr Potenzial nur phasenweise ausschöpfen konnte.
(red)


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