RTL zieht Journalismus direkt unter den CEO

RTL Deutschland ordnet seine journalistischen Aktivitäten neu und rückt diese näher an die Konzernspitze. Wie das Unternehmen mitteilte, werden die publizistischen Kräfte von RTL News, ntv sowie der stern-Gruppe ab Juni direkt im Verantwortungsbereich von CEO Stephan Schmitter gebündelt. RTL spricht von einer Stärkung der strategischen Bedeutung seiner journalistischen Angebote und einem Bekenntnis zu unabhängigem und gesellschaftlich verantwortungsvollem Journalismus.

An den personellen Zuständigkeiten in den Redaktionen ändert sich zunächst nichts. Martin Gradl bleibt Geschäftsführer von RTL News und ntv, Gerhard Kohlenbach Chefredakteur RTL, David Whigham Chefredakteur ntv und Gregor Peter Schmitz weiterhin Vorsitzender der Chefredaktionen von stern, GEO, Capital und art. Auch die digitale Führung der Nachrichtenangebote bleibt unverändert.

News-Bereich verlässt Zuständigkeit der CCO

Die eigentliche Veränderung liegt in der Organisationsstruktur. Bislang war der journalistische Bereich im Verantwortungsbereich von Chief Content Officer Inga Leschek angesiedelt. Künftig berichten die journalistischen Einheiten direkt an CEO Stephan Schmitter.

Martin Gradl, Geschäftsführer von RTL News und ntv.

Martin Gradl, Geschäftsführer RTL News GmbH. | © RTL / Boris Breuer

Damit entfällt eine Managementebene zwischen Unternehmensführung und den journalistischen Marken des Hauses. Während Leschek weiterhin die übrigen Content-Bereiche wie Unterhaltung, Fiction, Show und Sport verantwortet, werden Nachrichten, Magazine und publizistische Angebote organisatorisch von den übrigen Content-Sparten herausgelöst und direkt an die Konzernspitze angebunden.

Organigramm mit Signalwirkung

RTL wertet die Maßnahme als Aufwertung des Journalismus. In der Mitteilung bezeichnet Schmitter Journalismus als „Rückgrat von RTL Deutschland“ und kündigt weitere Investitionen in Qualität, digitale Transformation und Vertrauen an. Konkrete Angaben zu neuen journalistischen Projekten, zusätzlichen Redaktionen oder investigativen Initiativen machte das Unternehmen jedoch nicht.

Inga Leschek, Chief Content Officer von RTL Deutschland, bei einer Veranstaltung

Inga Leschek, Chief Content Officer (CCO) von RTL Deutschland, bei einem Auftritt vor Marken des Medienunternehmens. | © RTL Deutschland / Annette Riedl

Die Neuordnung deutet darauf hin, dass RTL seine publizistischen Angebote künftig stärker als eigenständigen strategischen Unternehmensbereich positionieren will. Dafür spricht auch die zunehmende Bedeutung von Nachrichten-, Magazin- und Digitalangeboten innerhalb des Konzerns seit der Integration der Gruner+Jahr-Marken.

Mehr Gewicht für Journalismus?

Ob die neue Struktur vor allem den Einfluss des Journalismus auf die Unternehmensstrategie stärkt oder die direkte Steuerungsmöglichkeit der Konzernführung erweitert, lässt sich derzeit nicht beantworten.

Der Satz „Journalismus rückt bei RTL Deutschland noch stärker in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie“ lässt zwei Lesarten zu: Entweder erhält der Journalismus mehr Einfluss auf die Unternehmensstrategie – oder die Unternehmensstrategie mehr Einfluss auf den Journalismus.

Welche davon sich in der Praxis durchsetzt, wird sich erst zeigen.

(PA/red)