„ORF fragt“-Ergebnis: 77 Prozent mit ihrem Leben zufrieden

Mehr als 60.000 Menschen haben sich an der diesjährigen Onlineumfrage „ORF fragt“ beteiligt. Zwischen dem 24. Juni und dem 15. Juli beantworteten sie Fragen zu verschiedenen „alltagsrelevanten Themen“. Inhaltlich begleitet und ausgewertet wurde die Erhebung vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Integral. Das Ergebnis fällt zunächst ausgesprochen positiv aus: 77 Prozent sind mit ihrer aktuellen Lebenssituation sehr oder eher zufrieden.

Doch hinter dem zufriedenen Blick auf die Gegenwart beginnt die Sorge vor der Zukunft. 56 Prozent blicken pessimistisch auf ihre persönliche Zukunft. Hinsichtlich der Entwicklung Österreichs sind es 69 Prozent, hinsichtlich der Welt sogar 84 Prozent. Halt und Hoffnung finden die Menschen vor allem in ihrem unmittelbaren Umfeld: Für 78 Prozent sind Familie und soziale Beziehungen eine Quelle der Zuversicht.

Bemerkenswert ist eine zahlenmäßige Entsprechung: Ebenso viele Menschen, wie mit ihrem eigenen Leben zufrieden sind, sorgen sich vor Kriegen und internationalen Konflikten – jeweils 77 Prozent. Die beiden Werte verdichten das Stimmungsbild: Persönliches Wohlbefinden und die Sorge über gesellschaftliche und globale Entwicklungen bestehen gleichzeitig nebeneinander.

Grafik der ORF-Umfrage 2026: 31 Prozent sind mit ihrer Lebenssituation sehr und 46 Prozent eher zufrieden.

77 Prozent sind mit ihrer aktuellen Lebenssituation sehr oder eher zufrieden. Bei den Befragten ab 50 Jahren erreicht der Anteil 80 Prozent, bei den jüngeren Altersgruppen jeweils 74 Prozent.

Der ORF weist darauf hin, dass bei der offenen Umfrage keine Stichprobe nach wissenschaftlichen Kriterien gezogen wurde und die Ergebnisse daher nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung sind.

Sorge um Zusammenhalt und gesellschaftliche Spaltung

Neben Kriegen prägt vor allem die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt das Ergebnis. 60 Prozent sorgen sich um den Zustand der Demokratie weltweit. Jeweils 56 Prozent nennen den Klimawandel und den fehlenden Zusammenhalt in der Gesellschaft. Dahinter folgen die Inflation mit 53 Prozent sowie die Gesundheitsversorgung, soziale Ungleichheit und Armut mit jeweils 51 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen damit keine Verengung auf ein einzelnes politisches Thema. Vielmehr verteilen sich die Sorgen auf internationale, demokratische, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen. Deutlich heraus ragt lediglich die Angst vor Kriegen und Konflikten.

Besonders klar wird der Wunsch nach mehr gesellschaftlichem Miteinander bei der Bewertung sozialer Medien. 55 Prozent sind der Ansicht, dass soziale Medien die Gesellschaft spalten. 68 Prozent meinen, Kinder sollten möglichst lange davon ferngehalten werden. Sogar 78 Prozent wünschen sich, dass Menschen wieder öfter unmittelbar miteinander sprechen.

Nur elf Prozent empfinden soziale Medien als Bereicherung für das eigene Leben. 14 Prozent sehen für die Gesellschaft mehr Vor- als Nachteile. Das Smartphone bleibt dennoch allgegenwärtig: 32 Prozent verbringen regelmäßig mehr Zeit damit als geplant, weitere 48 Prozent zumindest gelegentlich. Bei den unter 30-Jährigen sind es 59 Prozent, die regelmäßig länger als beabsichtigt am Smartphone bleiben.

Das ergibt ein widersprüchliches Bild: Die digitalen Plattformen werden intensiv genutzt, ihre gesellschaftliche Wirkung wird aber überwiegend kritisch beurteilt. Die Menschen sehen das Problem nicht nur außerhalb ihres eigenen Alltags. Viele erkennen auch beim eigenen Verhalten Nutzungsmuster, die sie offenbar nur schwer durchbrechen können.

Hohes Vertrauen – große Sorge vor Falschinformationen

Während soziale Netzwerke kritisch gesehen werden, genießen österreichische Nachrichtenmedien großes Vertrauen. 80 Prozent vertrauen den Nachrichten und Informationen österreichischer Medien sehr oder eher. 15 Prozent tun dies eher nicht, fünf Prozent gar nicht.

Dieses Vertrauen trifft auf eine ausgeprägte Verunsicherung durch Falschinformationen. 83 Prozent sind überzeugt, dass Fake News für die Mehrheit der Bevölkerung nur schwer zu erkennen sind. 65 Prozent geben an, selbst zumindest einmal einer Falschinformation geglaubt zu haben. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 80 Prozent.

Die Ergebnisse sprechen weniger für ein selbstsicheres Medienpublikum als für ein verbreitetes Bewusstsein der eigenen Anfälligkeit. Gerade jüngere Menschen, die sich selbstverständlich in digitalen Informationsräumen bewegen, scheinen deren Risiken besonders deutlich wahrzunehmen.

Die Verantwortung im Kampf gegen Falschinformationen wird auf mehrere Beteiligte verteilt. 30 Prozent sehen in erster Linie die Nutzerinnen und Nutzer selbst gefordert, 28 Prozent die Medien und 26 Prozent die sozialen Netzwerke. Nur 16 Prozent betrachten Politik und Staat als hauptverantwortlich.

Damit erwartet die Bevölkerung von den Medien nicht bloß die Verbreitung von Nachrichten. Sie schreibt ihnen eine wesentliche Rolle bei der Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Informationslandschaft zu.

Publikum verlangt Recherche und Sachlichkeit

Der Wunsch nach verlässlicher Orientierung zeigt sich auch in den Antworten zum ORF. Als wichtigste Eigenschaften der Nachrichtenberichterstattung nennen 67 Prozent genaue Recherche und die Überprüfung von Fakten. Für 54 Prozent gehören Neutralität und Sachlichkeit zu den zentralen Anforderungen, für 45 Prozent kompetente Journalistinnen und Journalisten.

Das Interesse am ORF-Programm konzentriert sich mit 74 Prozent besonders auf Information. Wissenschaft und Bildung folgen mit 50 Prozent, Sport mit 42 Prozent, Unterhaltung mit 40 Prozent und Kultur mit 29 Prozent.

Auf der Ebene der Formate ergibt sich ein ableitbarerer Wunsch nach Vertiefung. 64 Prozent möchten mehr Dokumentationen und Reportagen sehen, 48 Prozent mehr ausführliche Berichte und Analysen. Zusätzliche Kurzinformationen wünschen sich dagegen nur 26 Prozent.

Auch Nähe spielt eine wichtige Rolle. 48 Prozent sprechen sich für den Ausbau lokaler und regionaler Inhalte aus. 41 Prozent wünschen sich mehr österreichische Filme und Serien, 36 Prozent zusätzliche Angebote für junge Zielgruppen. Von den Jüngeren wünschen sich 29 Prozent mehr ORF-Inhalte auf sozialen Plattformen – also gerade dort, wo die gesellschaftlichen Auswirkungen besonders kritisch gesehen werden.

Persönlich zufrieden, gesellschaftlich verunsichert

Auch in anderen Lebensbereichen zeigt sich die Trennung zwischen persönlicher Lage und allgemeiner Entwicklung. Österreich wird von 91 Prozent weiterhin als vergleichsweise sicheres Land betrachtet. Gleichzeitig glauben 60 Prozent, dass die Kriminalität in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Mit dem Gesundheitssystem sind 61 Prozent zufrieden, 65 Prozent meinen jedoch, es habe sich zuletzt verschlechtert. Drei Viertel fühlen sich in ihrem Bundesland medizinisch zumindest eher gut versorgt.

Ähnlich ist die wirtschaftliche Wahrnehmung derjenigen, die an der ORF-Umfrage teilnehmen konnten: Für 79 Prozent reicht das Einkommen problemlos oder weitgehend zur Deckung der laufenden Kosten. Dennoch erwarten nur elf Prozent im kommenden Jahr einen wirtschaftlichen Aufschwung. 38 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, die Hälfte mit keiner Veränderung.

Ein Auftrag für die Medien lässt sich daraus nicht ableiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, wonach ihr Publikum verlangt: genaue Recherche, überprüfte Fakten, sachliche Einordnung und ausführliche Formate.

Sendungshinweis: „ORF fragt: Wie geht’s Österreich?“ wird am Sonntag, dem 2. August 2026, um 11.55 Uhr in ORF 2 wiederholt. Mariella Gittler präsentiert darin die zentralen Ergebnisse der Onlineumfrage und ergänzt sie um Reportagen und Stimmungsbilder aus ganz Österreich.

(PA/red)