Austrian Airlines stellt Flugverbindung Wien–Graz ein
Austrian Airlines nimmt die seit Jahren defizitäre Flugverbindung zwischen Wien und Graz mit Beginn des Winterflugplans aus dem Programm. Vorläufig ausgesetzt werden außerdem die Strecken nach Tiflis, Keflavik und Porto. Damit reagiert die Fluggesellschaft auf die schwierige wirtschaftliche Lage und die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten.
Auch mehrere sogenannte Nightstops werden gestrichen. Dabei bleiben Flugzeug und Besatzung nach einer späten Abendverbindung am Zielort und starten am folgenden Morgen zum Drehkreuz Wien. Betroffen sind Klagenfurt, Kopenhagen, Warschau und Krakau. In Klagenfurt gab es bereits im Sommer 2026 aus Kostengründen zeitweise keine Übernachtung von Flugzeug und Crew.
Graz bleibt an Lufthansa-Drehkreuze angebunden
Nach der Einstellung der Wien-Graz-Verbindung bleibt die Hauptstadt der Steiermark über die Drehkreuze Frankfurt, München und Zürich an das Streckennetz der Lufthansa Group angeschlossen. Insgesamt sind 46 Flüge pro Woche vorgesehen. Auf einzelnen Verbindungen nach Frankfurt und München will die Gruppe im Winter größeres Fluggerät einsetzen. Nach Zürich jedoch sollen zwei Flüge pro Woche mehr angeboten werden als im Winterflugplan 2025/26.

Austrian Airlines Maschinen am Boden. | © Austrian Airlines / Michèle Pauty
Darüber hinaus bleibt die AIRail-Verbindung zwischen Graz und dem Flughafen Wien bestehen. Dabei werden Bahnreise und Austrian-Flug in einer gemeinsamen Buchung kombiniert. Die Einstellung der Flugstrecke Wien-Graz sei nach sorgfältiger Abwägung der Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Graz beschlossen worden, betont die Airline.
Nahost-Krise belastet das Ergebnis
Hintergrund des Sparkurses ist ein deutlich schlechteres Halbjahresergebnis. Austrian Airlines schloss die ersten sechs Monate 2026 mit einem bereinigten EBIT von minus 93 Millionen Euro ab. Das Ergebnis lag damit um 50 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Besonders stark belasteten die Fluggesellschaft die gestiegenen Kerosinpreise laut Aussendung. Trotz umfangreicher Preisabsicherungen lagen die Treibstoffkosten nach Unternehmensangaben um mehr als 60 Millionen Euro über dem Vergleichswert des Vorjahres. Hinzu kamen Ergebnisausfälle im zweistelligen Millionenbereich durch die aus Sicherheitsgründen gestrichenen Verbindungen nach Amman, Erbil, Tel Aviv und Teheran.
Höhere Ticketpreise hätten die finanziellen Auswirkungen bis Juni nur teilweise kompensieren können, erklärte Austrian-CEO Annette Mann. Das Unternehmen reagiere unter anderem mit Anpassungen im Projektportfolio und beschleunigten Effizienzmaßnahmen in der Verwaltung. In Flugbetrieb, Technik und Ground Operations soll dagegen weiterhin dort Personal aufgenommen werden, wo dies zur Sicherung eines zuverlässigen Betriebs notwendig ist.
Knapp sieben Millionen Fluggäste
Trotz der wirtschaftlichen Belastungen entwickelte sich die Nachfrage positiv. Im ersten Halbjahr flogen 6,96 Millionen Passagiere mit Austrian Airlines. Das waren sechs Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Auslastung verbesserte sich von 77,2 auf 80,6 Prozent.
Nach anfänglicher Zurückhaltung seien viele Sommerreisen vergleichsweise kurzfristig gebucht worden. Austrian verlagerte zudem Kapazitäten, die durch die ausgesetzten Nahost-Verbindungen frei geworden waren, auf stark nachgefragte europäische Ferienziele. Dadurch wurden im Sommer rund 800 zusätzliche Flüge unter anderem nach Palma de Mallorca, Dubrovnik, Barcelona, Nizza und Málaga angeboten.
Der Flugplan umfasst aktuell mehr als 120 Destinationen. Neu angeflogen werden im Sommer Ponta Delgada auf den Azoren, Ohrid in Nordmazedonien, Bergen, Mytilini auf Lesbos, Bastia auf Korsika sowie Bilbao und Alicante.

Austrian-CEO Annette Mann sieht die Airline durch höhere Kerosinkosten und notwendige Streckenstreichungen stark belastet. | © Austrian Airlines
Flottenerneuerung läuft weiter
Ungeachtet der Sparmaßnahmen setzt die zur Lufthansa Group gehörende Austrian Airlines ihre Investitionen fort. Im Zuge der konzernweiten Flottenplanung sollen noch 2026 zwei weitere Boeing 787-9 Dreamliner zur Austrian-Flotte stoßen. Damit wären fünf Maschinen dieses Typs für die Fluggesellschaft im Einsatz. Für den Herbst ist außerdem ein fabrikneuer Airbus A320neo angekündigt, der erstmals mit Starlink-Internetzugang abheben soll.
Parallel wird die Ausflottung der Embraer-Maschinen fortgesetzt. Ab 2029 soll die in Wien beheimatete Lufthansa-Tochter auf der Kurz- und Mittelstrecke ausschließlich Flugzeuge der Airbus-A320-Familie und auf der Langstrecke Boeing 787-9 einsetzen.
Weitergeführt werden auch die Arbeiten an mehr als 5.000 Quadratmetern neuen Loungeflächen am Flughafen Wien. Die Eröffnung ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Trotz der aktuellen Belastungen strebt Austrian Airlines für das Gesamtjahr 2026 weiterhin ein positives Ergebnis an.
(PA/red)


© Österreich Werbung/Popp-Hackner
© Katka Arnoldová
© Hermann Erber
© Lebensraum Tirol Gruppe / Hetfleisch
© Financial Life Park
© Stefan Joham