Podcast „sicherheitsbewusst“ erreicht mehr als 50 Folgen

Mehr als 50 Folgen hat der niederösterreichische PR-Berater Thomas Goiser seit 2022 für seinen Podcast „sicherheitsbewusst“ veröffentlicht. Aus den Gesprächen mit Fachleuten aus Militär, Polizei, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien ist ein öffentlich zugängliches Archiv entstanden, das von persönlichem Schutz über Journalismus bis zur internationalen Sicherheitspolitik reicht.

Für die aktuelle, 53. Folge traf Goiser den Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, Georg Hoffmann, in der ehemaligen Bunkeranlage Ungerberg 3 bei Bruckneudorf. Sie sprechen über österreichische Verteidigungskonzepte nach 1955, die strategische Bedeutung des Raums zwischen Donau und Neusiedler See und die Frage, wie ein militärhistorischer Ort heute vermittelt werden kann.

Hoffmann gibt dabei auch Einblicke in die gegenwärtige Arbeit des HGM. Dazu zählt die Diskursreihe „Zeit der Monster“, deren zweites Kapitel am 24. September mit einer „Lagebesprechung“ über das Ende der liberalen Weltordnung beginnt. Die Folge aus Ungerberg zeigt exemplarisch, wie weit der Sicherheitsbegriff reicht, den Goiser seinem Podcast seit vier Jahren zugrunde legt.

HGM-Direktor Georg Hoffmann bei der ehemaligen Bunkeranlage Ungerberg

HGM-Direktor Georg Hoffmann im Außenbereich der „Festen Anlage Ungerberg 3“ bei Bruckneudorf.

Von persönlichem Schutz bis zur Weltordnung

Goiser stellt seinen Gästen zu Beginn jeder Folge dieselbe Frage: Wann waren sie zuletzt sicherheitsbewusst? Danach führen die Gespräche weit über klassische Vorstellungen von Polizei und Militär hinaus. Safety, Security und Strategy bilden den programmatischen Rahmen.

Unter den bisherigen Gästen finden sich Generalmajor Ronald Vartok aus dem Verteidigungsministerium, Militäranalyst Markus Reisner, der frühere Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager und Peter Vorhofer, Regierungsberater für nationale Sicherheit und Krisenvorsorge. Personenschützer Markus Schimpl sprach über Selbstschutz, Lisa Fellhofer von der Dokumentationsstelle Politischer Islam über Radikalisierung und Extremismus. Strafverteidigerin Anna Mair gab Einblicke in Verfahren mit Extremismusbezug.

Auch Wirtschaft und kritische Infrastruktur nehmen breiten Raum ein. A1-Manager Thomas Arnoldner diskutierte digitale Souveränität und Europas technologische Abhängigkeiten. Monika Schuh von der Industriellenvereinigung sprach über Österreichs Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, der in Kyjiw tätige Wirtschaftsdelegierte David Bachmann über Wiederaufbau und wirtschaftliche Arbeit unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges. Mit Eva-Maria Kern, Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, ging es um Forschung, Innovation und Dual-Use-Technologien.

So ist über mehr als 50 Folgen eine kuratierte Gesprächsbibliothek entstanden. Wer nach deutschsprachigen Stimmen zu Krisenvorsorge, Cybercrime, Desinformation, Verteidigungspolitik oder persönlicher Sicherheit sucht, findet einzelne Episoden in einem weit verzweigten Verzeichnis von Personen und Themen.

Wenn Journalisten zu Gästen werden

Bemerkenswert ist, dass Goiser auch bekannte Journalisten zu Sicherheitsthemen aus ihren jeweiligen Arbeitsgebieten interviewt. „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk gab Auskunft über Drohungen gegen Journalisten, ausländische Einflussnahme, Propaganda und die Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden. Die Technologiejournalistin Sarah Kriesche beschäftigte sich mit Cybercrime und künstlicher Intelligenz. Anja Wehler-Schöck aus der „Tagesspiegel“-Chefredaktion diskutierte Außenpolitik, Neutralität und die Zukunft Europas. ORF-Korrespondent Wehrschütz war in einer Spezialfolge zu Drohnen und moderner Verteidigung auskunftsbereit.

Fest steht, Journalisten bringen eigene Erfahrungen und Fachwissen in den Podcast ein. Mit jeder solchen Folge wächst zugleich ein öffentlich zugängliches Facharchiv, aus dem Informationen, Einordnungen und mögliche Ansprechpartner für eigene Recherchen ermittelt werden können.

Podcast-Cover von „sicherheitsbewusst“ mit einem Porträt von Thomas Goiser

Thomas Goiser veröffentlicht seit 2022 den Podcast „sicherheitsbewusst – Reden wir über Sicherheit“.

ThomasGoiser hat Rechtswissenschaften sowie Risk Management und Corporate Security studiert. Seit 2011 arbeitet er selbstständig als Unternehmens- und PR-Berater, mit einem Schwerpunkt auf Risiko-, Sicherheits- und Krisenkommunikation. Daneben ist er Lehrbeauftragter und vertritt in Wien das Grazer Forschungszentrum ACIPSS, das sich mit Nachrichtendiensten, Propaganda und Sicherheitspolitik beschäftigt. 2022 erhielt er für ein PR-Projekt den niederösterreichischen Werbepreis Goldener Hahn.

„Sicherheitsbewusst“ ist kostenlos über die Website des Podcasts, auf den gängigen Podcastplattformen und auf YouTube verfügbar. Unterstützt wird das Projekt von der Hochschule Campus Wien, Fachbereich Risiko- und Sicherheitsmanagement, sowie A1 Telekom Austria. Die aktuelle Folge mit Georg Hoffmann ist die 53. Veröffentlichung des Formats.

Ein Netzwerk wird zum Medium

Mit jeder neuen Episode wächst ein öffentlich abrufbarer Bestand an Wissen, Namen und Kontakten. Wie dauerhaft dieses Archiv verfügbar bleibt, ist eine Frage digitaler Resilienz: Podcasts, Videos und Social-Media-Beiträge liegen häufig auf Plattformen, deren Regeln und Sperrentscheidungen die Urheber nicht kontrollieren. Eine Sperre oder Abschaltung kann daher mehr treffen als nur einen Distributionskanal.

Nach vier Jahren stellt sich damit auch bei Goisers Projekt die Frage, was „sicherheitsbewusst“ inzwischen eigentlich ist: ein Fachmedium, ein kuratiertes Expertennetzwerk, ein öffentliches Podcastarchiv oder das zum Medium gewordene Netzwerk eines Beraters? Unabhängig von der Antwort bleibt der Podcast auf Plattformen und Dienstleister angewiesen.

Diese Abhängigkeit betrifft unabhängige Medien besonders. Hinzu kommt der wachsende Aufwand durch neue EU-Regelungen: Domain-Verifizierung, Consent-Management, Vorgaben zur KI-Kennzeichnung, wiederkehrende Identitäts- und Geschäftsnachweise oder neue Erklärungen gegenüber Big-Tech-Plattformen. Für kleine Medienportale kann bereits eine übersehene E-Mail oder ein falsch gesetztes Häkchen unerwünschte Folgen haben.

Somit gibt es noch allerhand zu besprechen. Gesetzliche Pflichten, technische Abhängigkeiten, Klagen wegen pointierter Kommentare und urheberrechtliche Auseinandersetzungen machen die publizistische Handlungsfähigkeit zunehmend zu einer Sicherheitsfrage.

(red)