Österreichs Waldbrandjahr ist noch nicht vorbei

Während in Südeuropa jeden Sommer Waldbrände mit Tausenden Hektar Fläche auftreten, gelten in Österreich bereits Feuer ab zehn Hektar als Großbrände. Davon gab es heuer mehrere. Bereits Ende Juli waren in Österreich nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums mehr als 270 Waldbrände mit rund 230 Hektar betroffener Waldfläche dokumentiert. Seither vergrößerten vor allem zwei Großbrände im niederösterreichischen Föhrenwald die Schadensbilanz erheblich: Bei St. Egyden brannten im August innerhalb weniger Tage weitere rund 164 Hektar. Eine aktualisierte österreichweite Gesamtzahl für Ende August liegt bisher nicht vor.

Vor diesem Hintergrund steht die Bilanz des Bundesheeres: Seine Hubschrauber wurden heuer bereits 17-mal zur Waldbrandbekämpfung angefordert. Sie transportierten mehr als drei Millionen Liter Löschwasser und flogen knapp 340 Stunden. Im gesamten Jahr 2025 gab es nur einen derartigen Assistenzeinsatz.

24 Tage Einsatz im Lesachtal

Das erste außergewöhnliche Großfeuer brach am 23. April am Xaveriberg im Kärntner Lesachtal aus. Wind trieb die Flammen über eine ehemalige Windwurf- und Borkenkäferfläche. Rund 110 Hektar Wald wurden zerstört – damit zählt der Brand zu den größten in Österreich seit Jahrzehnten.

Zwei Hubschrauber des Bundesheeres transportieren Löschwasser über einem alpinen Einsatzgebiet.

Bundesheerhubschrauber beim Auffüllen ihrer Löschwasserbehälter. | © BMLV/Hörl

Zeitweise standen 28 Feuerwehren und sieben Hubschrauber im Einsatz, vier davon vom Bundesheer. Insgesamt wurden rund zehn Millionen Liter Wasser auf den Berg gebracht. Trotzdem dauerte es 24 Tage, bis endgültig „Brand aus“ gegeben werden konnte. Regen und Schnee halfen schließlich, die letzten Glutnester zu löschen. Die Schäden wurden mit mehreren Millionen Euro beziffert.

Auch der Großbrand bei Eisbach-Rein nördlich von Graz beschäftigte die Einsatzkräfte über Wochen. Rund 70 Hektar Wald verbrannten, mehr als 2.500 Einsatzkräfte waren beteiligt. Erst nach 17 Tagen endeten die Löscharbeiten.

Feuer entwickelte eigenes Windfeld

Im August verlagerte sich der Schwerpunkt nach Niederösterreich. Am 5. August verwandelte sich ein Brand im Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfeld innerhalb weniger Minuten in ein Kronenfeuer. Bei nur 15 Prozent Luftfeuchtigkeit bildete sich eine hohe Rauchsäule; nach Einschätzung der BOKU zeigte das Feuer sogar erste Anzeichen eines eigenen Windfeldes. Funken lösten vor der eigentlichen Feuerfront weitere Brände aus.

Rund 100 Hektar waren betroffen. Mehr als 500 Feuerwehrleute sowie sechs Hubschrauber – darunter zwei Maschinen des Bundesheeres – kämpften gegen die Flammen. Das Feuer war nach einem Tag unter Kontrolle, die Suche nach Glutnestern dauerte jedoch fünf Tage.

Nur wenige Tage später brannte es im selben Gebiet erneut. Dieses Mal erfasste das Feuer rund 64 Hektar und rückte in Richtung einer Siedlung vor. Etwa 250 Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Mehr als 830 Feuerwehrleute und elf Hubschrauber standen im Einsatz. Als wahrscheinlicher Auslöser beider Brände gelten phosphorhaltige Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg.

Hubschrauber nicht bei jedem Brand

Das Heer kam nicht bei allen Waldbränden zum Einsatz. Die meisten Feuer werden von den örtlichen Feuerwehren, teilweise unterstützt von Flugpolizei und privaten Hubschraubern, bewältigt. Militärmaschinen werden über die Landeswarnzentralen angefordert, wenn das Gelände schwer zugänglich ist oder die zivilen Kapazitäten nicht ausreichen. Einsätze im angrenzenden Ausland weist die bisherige Jahresbilanz des Heeres nicht aus.

Feuerwehrkräfte befestigen die Außenlast eines S-70 Black Hawk des Bundesheeres.

Ein S-70 „Black Hawk“ im Waldbrandeinsatz. Der US-amerikanische Transporthubschrauber kann rund 3.000 Liter Löschwasser aufnehmen. | © BMLV/Hörl

Eingesetzt wurden der neue italienische AW169 „Lion“, der amerikanische S-70 „Black Hawk“ und die seit 1980 beim Heer fliegende italienische Agusta-Bell 212. Ihre Löschbehälter fassen je nach Typ etwa 1.000 bis 3.000 Liter.

Kein fixes Ende der Waldbrandsaison

Eine klar abgegrenzte Waldbrandsaison gibt es in Österreich nicht. Statistisch ereignen sich die meisten Brände im Frühjahr, vor allem im April. Ein zweiter Höhepunkt folgt im Juli und August. Entscheidend sind Trockenheit, Luftfeuchtigkeit, Wind und Niederschlag.

Erst ergiebiger Regen über einen längeren Zeitraum kann die Gefahr nachhaltig senken. Nach trockenen Hochdruckphasen sind daher auch im Spätherbst und sogar im Winter Waldbrände möglich. Ob die Saison heuer im September endet oder nochmals aufflammt, entscheidet somit nicht der Kalender, sondern die Wetterentwicklung.

(PA/red)