„Donated with Love“ eröffnet in der Albertina Klosterneuburg
Die Albertina Klosterneuburg stellt mit „Donated with Love“ jene Schenkungen in den Mittelpunkt, die ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erweitert haben. Die Neupräsentation zum 250-jährigen Bestehen des Museums vereint größere Werkgruppen mit einzelnen Neuerwerbungen. Das Künstler:innenfest im Rahmen der Ausstellung war zugleich ein Dank an die beteiligten Künstler, Sammler, Galerien und Förderer.

Die Eröffnungsreden zu „Donated with Love“ fanden unter freiem Himmel statt, ehe sich das Fest in die Ausstellungsräume verlagerte.
Schenkungen bilden für Museen eine wesentliche Ergänzung ihrer Ankäufe. Sie schließen Lücken, ermöglichen neue Schwerpunkte und bringen Positionen in die Sammlung, die aus dem laufenden Budget nicht oder nicht mehr finanzierbar wären. Gerade für die Gegenwartskunst entscheidet diese Form des Zugangs mit darüber, welche Werke dauerhaft bewahrt, erforscht und öffentlich gezeigt werden.
Konvolute und einzelne Neuerwerbungen
Angela Stief, Direktorin der Albertina Modern, verantwortet die Ausstellung gemeinsam mit Constanze Malissa. Rund 3.000 Quadratmeter stehen in Klosterneuburg zur Verfügung. Dennoch kann „Donated with Love“ nur einen kuratierten Ausschnitt der Zugänge zeigen, weil der Bestand zu ergiebig ist.

Angela Stief, Direktorin der Albertina Modern stellte die Schenkungen und ihre Bedeutung für die zeitgenössische Sammlung vor.
Zu den größeren Konvoluten gehören Arbeiten von Roy Lichtenstein und Sean Scully. Lichtensteins „Modern Tapestry“ von 1967 überträgt die für seine Pop-Art typische Bildsprache in einen gewebten Wandteppich. Rasterpunkte, schwarze Konturen und stark voneinander abgegrenzte Farbflächen verbinden sich zu einer Komposition zwischen antikem Bildmotiv, Comic und dekorativer Kunst. Das Werk gelangte 2024 als Schenkung des Estate of Roy Lichtenstein in die Albertina.
Sean Scully ist mit mehreren Arbeiten vertreten. Seine Malerei entwickelt sich aus horizontalen und vertikalen Farbbahnen, deren strenge Ordnung durch sichtbare Pinselspuren und unregelmäßige Übergänge aufgebrochen wird. Der irisch-amerikanische Künstler war gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Malerin Liliane Tomasko, in Klosterneuburg anwesend.

Liliane Tomasko und Sean Scully vor einer großformatigen Arbeit des irisch-amerikanischen Künstlers in der Ausstellung „Donated with Love“.
Liliane Tomasko ist in „Donated with Love“ mit „a dream of: A Coil that unfurled“ von 2018 vertreten. Das Werk gehört zur Familiensammlung Haselsteiner und befindet sich als Dauerleihgabe in der Albertina. Die 1967 in Zürich geborene Malerin studierte am Chelsea College of Art and Design und an der Royal Academy of Arts in London.
Die Sammlung Essl als Grundlage
Unter den Gästen waren Agnes und Karlheinz Essl, die an den Ort des von ihnen gegründeten Museums zurückkehrten. Sie gehören zu den prägenden Sammlerpersönlichkeiten der österreichischen Gegenwartskunst. Seit den frühen 1970er-Jahren bauten sie einen Bestand auf, der österreichische Kunst nach 1945 mit internationalen Positionen verband. Ihr 1999 eröffnetes Essl Museum musste 2016 schließen.

Agnes und Karlheinz Essl haben ihre bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst über Jahrzehnte gemeinsam aufgebaut. | © Keywan Rezaei
Die Sammlung wurde 2017 zunächst als Dauerleihgabe an die Albertina übergeben. Die 2018 angekündigte Schenkung der Familie Essl umfasste 1.323 Kunstwerke mit insgesamt 2.134 Einzelobjekten. Zahlreiche Werke blieben danach jahrelang im Depot, bevor das sanierte Gebäude als Albertina Klosterneuburg im April 2024 wiedereröffnet wurde.
Im Gespräch mit keymedia erklärten Agnes und Karlheinz Essl, ihre gemeinsam aufgebaute Sammlung sei in der Albertina gut aufgehoben. Die Übergabe habe sich für sie als richtige Entscheidung erwiesen. Karlheinz Essl sagte, er freue sich, sie auf diese Weise neuen Generationen überlassen zu können. Agnes Essl teilte seine Einschätzung. Die Verbindung mit späteren Schenkungen und jüngeren künstlerischen Positionen empfinden beide als stimmige Fortsetzung ihrer Sammlung.
Vom Comic bis zur Seilskulptur
Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich zeitgenössische Schenkungen ausfallen können. Michaela Konrads Serie „The Vacuum Cleaner“ verbindet die Ästhetik amerikanischer Science-Fiction-Comics mit philosophischen Fragen. Ihre Kosmonautin Olga reist durch Raum und Zeit und betrachtet die menschliche Existenz aus größtmöglicher Entfernung. Die handgedruckten Offsetlithografien aus dem Jahr 2005 arbeiten mit klaren Konturen, kräftigen Farben und kurzen Textpassagen.
Soli Kiani setzt dagegen auf die unmittelbare Präsenz des Materials. Ihre monumentalen Figuren bestehen aus dicken, vielfach geknoteten Schiffsseilen. Inhaltlich stellt die Künstlerin diese Werkgruppe in einen Zusammenhang mit staatlicher Gewalt und Hinrichtungen im Iran. Die Skulpturen behandeln Unterdrückung, Zwang, weibliche Identität und die Verletzung von Menschenrechten.

Soli Kianis monumentale Seilskulpturen verbinden eine poetische Formensprache mit Themen wie Unterdrückung, Zwang und Menschenrechten.
Nicht alle gezeigten Werke befinden sich bereits im Eigentum der Albertina. Neben abgeschlossenen Schenkungen präsentiert das Museum versprochene Schenkungen und langfristige Leihgaben. Vier Arbeiten Anton Hennings sind als versprochene Schenkung ausgewiesen und werden mit einem älteren, vierseitigen Bildobjekt des Künstlers gezeigt. Arbeiten von Eddie Martinez wurden von Richard Presutti an Myriad USA geschenkt und befinden sich als Leihgabe im Museum.
Schenken zwischen Bewahrung und Markt
Nicht jede Schenkung entsteht allein aus ideeller Verbundenheit zur Albertina. Für private Eigentümer und Nachlässe kann die Übergabe an ein Museum die fachgerechte Lagerung und konservatorische Betreuung eines gefährdeten Werks sichern. Restaurierungen verursachen mitunter Kosten, die privat kaum noch getragen werden können.
Die Aufnahme in die Sammlung eines international bekannten Museums kann zugleich die institutionelle Stellung eines Künstlers stärken. Ausstellung, wissenschaftliche Bearbeitung und museale Provenienz können auch den Wert jener Werke beeinflussen, die weiterhin am Kunstmarkt gehandelt werden. Liebe zur Kunst, Sorge um ihren Erhalt und wirtschaftliche Interessen schließen einander dabei nicht aus.
„Donated with Love“ ist bis 15. November 2026 in der Albertina Klosterneuburg zu sehen. Ob ein Werk geschenkt, als Schenkung zugesagt oder langfristig überlassen wurde, tritt beim Rundgang rasch in den Hintergrund. Für das Publikum zählt, was öffentlich zugänglich ist – und damit auch, welche Kunst durch solche Übergaben für kommende Generationen bewahrt wird.
(key)















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