Wie Schüler bei campus a college Journalismus lernen
Wer Journalist werden möchte, muss irgendwann damit beginnen. Eine klassische Schülerzeitung braucht es dazu nicht mehr, sehr wohl aber digitale Plattformen und redaktionelle Begleitung. Genau diese ersten Schritte können junge Menschen bei campus a college vollziehen. Die Plattform lädt Schüler direkt zur Teilnahme ein und wendet sich zugleich an Schulen, wo das Angebot auf reges Interesse stößt.
Die österreichweite Online-Schülerzeitung ist aus der campus a Akademie für Journalismus und dem Studentenmagazin campus a hervorgegangen. Gegründet wurde die Akademie vom Journalisten und Buchverleger Bernhard Salomon. Zu den ersten fünf Volontären gehörte Max Langer. Er lernte dort, Beiträge zu recherchieren und zu schreiben, und betreut heute als Projektleiter die jungen Autoren.
Eine Redaktion für Österreichs Schulen
Bereits in der Anfangsphase arbeitete das Team mit einzelnen Schulen zusammen. Darunter war auch das Gymnasium Sacré Coeur Wien am Rennweg. Weil die Kooperationen gut funktionierten, entstand die Idee, das Angebot auszuweiten. Mit Beginn des Schuljahres 2025/26 positionierte sich campus a college als österreichweite Schülerzeitung.
Heute beteiligen sich nach Angaben der Redaktion mehr als 110 Schulen. Rund 2.000 Schülerinnen und Schüler verfügen über einen Autorenaccount; weitere Nutzer sind als Leser registriert. Gedruckt wird die Zeitung nicht – und das aus gutem Grund: Viele junge Menschen greifen kaum noch zu gedruckten Zeitungen, sondern nutzen vor allem ihr Smartphone.
Langer hat sich davon persönlich ein Bild gemacht. Bei Schulworkshops frage er regelmäßig, wer noch eine gedruckte Zeitung lese. Häufig hebe sich nur eine einzige Hand. Die Entscheidung für eine reine Onlineplattform sei deshalb bewusst gefallen.
Doch das allein reicht nicht, um junge Menschen dauerhaft für journalistische Arbeit zu gewinnen. Wer sich vom Volontär zum Redakteur entwickeln möchte, muss ein gewisses Pensum in entsprechender Qualität leisten. Die Schüler können eigene Geschichten, Meinungsbeiträge, Interviews, Gedichte und Kurzgeschichten einreichen. Für journalistische Veröffentlichungen erhalten sie Sterne. Besonders aufwendige oder nach Ansicht der Redaktion besonders gelungene Beiträge werden zusätzlich mit Goldsternen ausgezeichnet. Wer genug davon sammelt, steigt vom Volontär zum Redakteur und schließlich zum Chefredakteur auf.

Simon Prinz und Elias Pell (von links) schreiben als Nachwuchsredakteure für campus a college.
Einer, der sich besonders intensiv in die Plattform hineingearbeitet hat, ist Simon Prinz. Der Schüler des Gymnasiums Sacré Coeur am Rennweg schreibt über aktuelle Themen und Sport und ist inzwischen selbst Schüler-Chefredakteur. Auch seinen Schulkollegen Elias Pell hat das Journalistenfieber gepackt. Er interessiert sich unter anderem für künstliche Intelligenz, Recht und Wirtschaft. Beide kamen durch einen Workshop zu campus a college.
Das Sternesystem allein reicht freilich nicht, um junge Menschen langfristig für die zeitintensive journalistische Arbeit zu motivieren – noch dazu, wenn ihre wichtigste Aufgabe darin besteht, gute Noten nach Hause zu bringen und einen Schulabschluss zu erreichen. Deshalb gibt es auch finanzielle Anreize. Für bestimmte ausgeschriebene Beiträge werden Honorare bezahlt; daneben locken Sachpreise und besondere Interviewmöglichkeiten.
Aus dem anfänglichen Interesse an einem zusätzlichen Taschengeld entwickelte sich bei beiden nach eigener Aussage echte Freude an Recherche, Schreiben und redaktionellem Feedback.
Elias und Simon geben beispielhaft Einblick in die Schülerredaktion. Das Spektrum unterschiedlicher Zugänge ist freilich erheblich größer: Sie stehen für zwei von rund 2.000 registrierten Schülerinnen und Schülern, die aus unterschiedlichen Gründen teilnehmen und ihrer Stimme Ausdruck verleihen wollen.
Besonders sichtbar wurde das Potenzial der Plattform durch einen Artikel über den Wiener Gastronomen Ferhat Yildirim. Einer Schülerin war aufgefallen, dass sein Restaurant Kulu wegen einer Baustelle geschlossen war. Sie recherchierte, sprach mit Yildirim und veröffentlichte die Information auf der Plattform. Kurz darauf griffen oe24 und Heute die Geschichte auf und nannten campus a college als Quelle.
Zwischen Lernplattform und öffentlichem Medium
Doch mit der Veröffentlichung entstehen auch Fragen: Wer bestimmt, welche Themen relevant sind? Wie stark greift die professionelle Redaktion ein? Welchen Einfluss haben Sterne und Honorare auf die Themenwahl? Und was passiert, wenn ein Minderjähriger später nicht mehr mit seinem Namen unter einem Artikel stehen möchte? Darüber sprechen Max Langer, Elias Pell und Simon Prinz bemerkenswert offen.
keymedia traf Projektleiter Max Langer sowie die Nachwuchsredakteure Elias Pell und Simon Prinz in den Redaktionsräumen von campus a in der Wiener Stiftgasse zum Gespräch.
Wie wurde aus einer Journalismusakademie eine österreichweite Schülerzeitung?
Max Langer: Angefangen hat alles mit der campus a Akademie für Journalismus und dem Studentenmagazin, bei dem zunächst fünf Volontäre mitgearbeitet haben. Ich war einer davon. Schon damals gab es Kooperationen mit einzelnen Schulen. Weil das sehr gut funktioniert hat, wollten wir das Angebot ausweiten. Seit dem vergangenen Schuljahr gibt es campus a college, inzwischen mit mehr als 110 Schulen und rund 2.000 Schülerinnen und Schülern mit Autorenaccount.
Welche Themen beschäftigen junge Menschen und welche Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz?
Elias Pell: Besonders präsent ist künstliche Intelligenz. Darüber wird in der Klasse, im Unterricht und bei Schularbeitsthemen gesprochen. Ich sehe darin sowohl eine gewisse Bedrohung als auch eine Chance. Sie könnte zu viel von unserer Arbeit übernehmen und uns dadurch faul machen. Gleichzeitig kann sie Arbeit erleichtern und dabei helfen, schneller und einfacher zu einem gewissen Ziel zu kommen.
Simon Prinz: Es ist nicht so, dass die KI die ganze Arbeit übernimmt. Wenn ich einen Artikel ohne KI in zwei Stunden schreiben würde, brauche ich mit ihrer Unterstützung vielleicht eine Stunde. Sie macht das Schreiben effizienter. Es gibt viele Themen, über die wir schreiben wollen, und KI ermöglicht es uns, schneller daran zu arbeiten und uns dabei auch zu verbessern.
Max Langer: Auf unserer Plattform ist es ausdrücklich erlaubt, KI zum Schreiben zu verwenden. Wir unterscheiden aber zwischen dem Schreiben „von KI“ und dem Schreiben „mit KI“. Wenn jemand einen Artikel komplett von der KI schreiben lässt, akzeptieren wir das nicht. Der Beitrag wird dann nicht endgültig abgelehnt, sondern mit dem Hinweis zurückgeschickt, dass er auch eigene Gedanken beeinhalten muss. Elias und Simon sind gute Beispiele dafür, wie man die Chancen der KI nutzen kann, um die eigenen Beiträge weiterzuentwickeln.
Entstehen die Themen aus eigenen Ideen oder werden sie von der Redaktion vorgeschlagen?
Max Langer: Sowohl als auch. Schüler beobachten sehr viel, haben anfangs aber oft noch nicht dieses journalistische Denken, dass aus einer Beobachtung eine Geschichte werden könnte. Wenn sie an einem unserer Workshops teilgenommen haben, nehmen viele ihre Umgebung anders wahr und entwickeln eigene Ideen. Gleichzeitig stellen wir Themenvorschläge zur Verfügung und schreiben bestimmte Beiträge aus. Wenn wir die Autoren besser kennen, können wir ihnen auch Themen anbieten, die zu ihren Interessen passen.
Elias Pell: Wichtig sind Themen, die Jugendliche wirklich betreffen. Wenn sich beispielsweise etwas in der Schule ändert, Schulen stärker gefördert werden, Klimaanlagen bekommen oder sich Regeln ändern, sind solche Themen für uns wertvoll. Ich habe anfangs auch über persönliche Dinge wie Dankbarkeit und Spiritualität geschrieben. Persönliche Einblicke können spannend sein, ohne dass man gleich einen Seelenstriptease hinlegen muss.

Das journalistische Handwerk betrachtet Elias Pell auch als gute Vorbereitung auf ein späteres Jusstudium.
Wie entstehen gesponserte Schwerpunkte wie jener über jüdisches Leben und Antisemitismus?
Max Langer: Dieser Schwerpunkt ist eine Kooperation mit einer Stiftung. Es wurde vereinbart, dass eine gewisse Anzahl von Schülerinnen und Schülern Beiträge über jüdisches Leben schreibt. Dafür erhalten sie ein Honorar. Grundsätzlich bekommen sie dafür 15 Euro, besonders gute Texte erhalten 50 Euro. Außerdem gibt es Preise und am 27. Jänner eine Abschlussveranstaltung.
Bei solchen Themen besteht ein relativ großes Interesse von Sponsoren, bestimmte Schwerpunkte zu fördern. Die Themen müssen aber zu uns passen und wir müssen hinter dem Sinn stehen. Wir würden beispielsweise keinen Beitrag mit der Vorgabe ausschreiben, Energydrinks als gesund für Jugendliche darzustellen. Wenn es um einen sinnvollen und guten Zweck geht, machen wir das gerne.
Elias Pell: Wir waren im vergangenen Jahr mit unserer Klasse in Auschwitz. Ich habe außerdem über die Erinnerungssteine in der Straße geschrieben, in der ich wohne. Dafür bin ich ins Bezirksmuseum gefahren und habe im Archiv recherchiert, welche Menschen früher in den Häusern gelebt haben.
Max Langer: Gerade bei sensiblen Themen fließt wirklich viel Arbeit ein. Sie sind nicht für jeden geeignet, aber man merkt an den Texten, wenn jemandem ein Thema nahegeht.
Wie wird aus einem Schülerautor schließlich ein Schüler-Chefredakteur?
Simon Prinz: Ich bin erst seit Kurzem Schüler-Chefredakteur und prüfe in dieser Funktion auch die Entwürfe anderer Schüler. Bei meinen ersten Texten habe ich meine Verbesserungsvorschläge und das Feedback noch an Bernhard geschickt, bevor sie an den jeweiligen Autor gingen.
Wichtig ist, dass man nicht wie bei einer Schulnote nur aufzählt, was jemand falsch gemacht hat. Das Feedback muss konstruktiv und persönlich sein. Man beginnt mit dem, was gut gelungen ist, und sagt danach, was noch verbessert werden könnte. Die Person soll anschließend mehr Lust auf das Schreiben haben und nicht weniger. Ich bin erst seit kurzer Zeit in dieser Rolle und muss noch hineinwachsen – aber genau das ist das Ziel.

Als Schüler-Chefredakteur übernimmt Simon Prinz inzwischen auch Verantwortung für die Beiträge anderer Jugendlicher.
Welche Rolle spielen Sterne, Honorare und Preise für eure Motivation?
Elias Pell: Ich habe auch deshalb angefangen, bei campus a college zu schreiben, weil es die Möglichkeit gab, Honorare zu bekommen und am Ende des Monats etwas mehr Taschengeld übrig zu haben. Das hat sich dann weiterentwickelt. Ich habe mich immer stärker für die Themen interessiert und bin in Bereiche eingetaucht, die ich mir vorher nicht zugetraut hätte. Zuletzt habe ich beispielsweise über Shrinkflation recherchiert. Natürlich motivieren auch Sonderpreise wie eine PlayStation 5.
Simon Prinz: Bei mir war es ähnlich. Wir sind durch einen Workshop auf campus a college gekommen und haben dann gesehen, dass man hier auch Geld verdienen kann. Später habe ich mich immer mehr auf das Feedback gefreut und wollte mich verbessern. Das Geld wurde eher zu einem angenehmen Nebeneffekt als zur Hauptmotivation. Durch die Sterne sieht man außerdem, wie man aufsteigen und mehr Verantwortung übernehmen kann.
Max Langer: Für jeden veröffentlichten journalistischen Beitrag gibt es Sterne, für besonders gute und aufwendig recherchierte Beiträge Goldsterne. Man startet als Volontär und kann zum Redakteur und später zum Chefredakteur aufsteigen. Daneben schreiben wir Beiträge aus für die Schüler eine Anerkennungsprämie erhalten. Bei manchen aktuellen Themen können beispielsweise nur zwei Schüler mitmachen, weil die Geschichte rasch veröffentlicht werden muss.
Wie wurde aus der Beobachtung vor Ferhats Restaurant eine Geschichte für große Medien?
Max Langer: Die Idee und die Arbeit stammten zu 100 Prozent von Sura Kara. Ihr war die Situation vor dem Lokal aufgefallen und sie schrieb uns, dass sie eine Idee für eine Exklusivgeschichte habe. Natürlich haben wir ihr anschließend bei dem Beitrag geholfen. Auch der Kontakt zu Ferhat wurde mit Unterstützung der Redaktion hergestellt. Die Idee und die Arbeit gehörten aber ihr.
Wir haben auch bei der Überschrift ein wenig unterstützt, damit die Geschichte mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das gehört zur Ausbildung dazu. Für eine Exklusivgeschichte, die andere Medien aufgreifen, gibt es eine eigene Prämie. In diesem Fall waren es 120 Euro. Es war das erste Mal, dass eine solche Geschichte von uns tatsächlich von anderen Medien übernommen wurde.

Projektleiter Max Langer mit Schüler-Chefredakteur Simon Prinz und Elias Pell (von links). Bei campus a college sollen junge Autoren schrittweise redaktionelle Verantwortung übernehmen.
Schreiben mit Verantwortung
Nach dem Gespräch bleibt der Eindruck einer jungen Redaktion, in der Begeisterung und Verantwortung eng zusammenliegen. Denn sobald Beiträge öffentlich erscheinen und mit Namen verbunden sind, stellen sich Fragen, die über das Schreiben allein hinausgehen.
Eine davon betrifft die redaktionellen Regeln. Auf die Frage nach einem eigenen Redaktionsstatut verwies Langer nicht auf ein förmliches Dokument, sondern beschrieb die internen Abläufe und Vorgaben für konstruktives Feedback. Auf der Plattform ist zudem der Ehrenkodex des Österreichischen Presserates verlinkt. Die Beiträge werden zunächst von einem kleinen professionellen Team betreut; erfahrene Schüler können schrittweise selbst redaktionelle Aufgaben übernehmen. Simon steht noch am Anfang dieses Weges und ließ seine ersten Rückmeldungen von Bernhard Salomon gegenlesen.
Ebenso wichtig ist die Frage, was mit einem einmal veröffentlichten Artikel geschieht. Minderjährige bestätigen bei der Registrierung, dass das Einverständnis ihrer Eltern vorliegt. Bei jüngeren Teilnehmern werde teilweise zusätzlich über die Schule oder eine Lehrkraft nachgefragt. Möchten Schüler oder Eltern einen Beitrag später nicht mehr unter dem eigenen Namen im Netz sehen, können sie sich an die Redaktion wenden. Änderungs- und Löschwünsche würden nach Auskunft der Gesprächspartner unkompliziert umgesetzt.
Die Schulen finden auf unterschiedlichen Wegen zu campus a college. Manchmal kommt die Initiative von einer Direktion, häufig entsteht der Kontakt über Deutschlehrer oder ein bestehendes Freifach für Journalismus. Die Workshops sind ein Angebot; niemand muss anschließend Beiträge verfassen. Auch die laufende Kontrolle der Texte soll nicht bei den Lehrkräften liegen, sondern bei der Redaktion von campus a college.
Begeisterung für Journalismus wecken
Wie unterschiedlich die Wege in den Journalismus verlaufen können, zeigen Elias und Simon. Simon kann sich eine Zukunft als Sportjournalist oder Sportmoderator vorstellen. Elias möchte Jus studieren und möglicherweise Anwalt werden. Recherche, Quellenprüfung und ein Bewusstsein dafür, was man selbst und andere dürfen, kann er auch dort gebrauchen.
Journalistisches Talent zeigt sich nicht unbedingt schon im perfekten Aufbau der ersten Artikel. Es beginnt mit der Bereitschaft, genau hinzusehen, einer Beobachtung nachzugehen und Fragen zu stellen. Eine Baustelle vor einem Restaurant kann ebenso der Anfang einer Geschichte sein wie ein Stolperstein auf dem täglichen Schulweg. campus a college bietet jungen Menschen einen Ort, an dem aus solchen Beobachtungen öffentlich sichtbare Beiträge werden können.
Mitmachen und Erfahrungen sammeln
Teilnehmen können Schüler, die an einer Schule in Österreich angemeldet sind und das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Registrierung und Nutzung sind kostenlos; Minderjährige benötigen die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten. Beiträge werden über die Onlineplattform eingereicht, eine Veröffentlichung oder Bezahlung ist nicht automatisch garantiert. Sterne, Goldsterne, Honorare und Sachpreise richten sich nach dem jeweiligen Beitrag, dem erreichten Status und den verfügbaren Angeboten. Darüber hinaus veranstaltet campus a college Schulworkshops, Webinare und Redaktionsbesuche; besonders aktive Teilnehmer können sich für die Meisterklasse der campus a Akademie für Journalismus qualifizieren.
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