Die Liga der Landesverteidiger ging Ali Rahimi ins Netz
Netzwerker Ali Rahimi brachte eine prominent besetzte Runde mit Gästen aus Wirtschaft, Medien und Kultur in sein Teppichhaus im Wiener Palais Széchényi zusammen. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie und ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz diskutierten über sicherheitspolitische Herausforderungen und stellten sich den Fragen eines interessierten Publikums. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Zustand des Bundesheers und die künftigen Anforderungen an die umfassende Landesverteidigung.
Zum Gespräch über Sicherheitspolitik brachte Wehrschütz ein Stück ukrainischer Kriegstechnik als Geschenk für das österreichische Bundesheer mit. Der ORF-Korrespondent, selbst Oberstleutnant der Miliz, überreichte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eine Anti-Drohnenpistole aus der Ukraine, die mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt wurde. Das Modell sei einsatzfähig und verschieße mit einer Gaspatrone Netze auf eine Entfernung von 25 bis 30 Metern, erklärte er bei der Präsentation.
Tanner merkte an, ein Gastgeschenk gebühre normalerweise dem Gastgeber und dankte Ali Rahimi für die Möglichkeit, sich in einem von Gastfreundschaft geprägten Umfeld über diese Themen auszutauschen.

Christian Wehrschütz erklärt Klaudia Tanner die Anti-Drohnenpistole, die nach seinen Angaben Netze auf eine Entfernung von 25 bis 30 Metern verschießt. | © leisure communications/Christian Jobst
Mit der grünen Pistole im schwarzen Köfferchen hatte Wehrschütz zugleich Anschauungsmaterial für ein zentrales Thema der Gesprächsrunde mitgebracht: die rasante Entwicklung von Drohnen und ihrer Abwehr.
Technologie verändert die Kriegsführung
Reisner berichtete von Entwicklungszyklen bei Drohnen in der Ukraine, die nur zwei Monate dauerten. Dem stellte er die langwierigen Beschaffungsprozesse in Westeuropa gegenüber. Technologisch könne die Theresianische Militärakademie bei der Entwicklung und beim Bau von Drohnen mithalten. Fehlende Luftfahrzeuggenehmigungen und bürokratische Abläufe würden jedoch den Weg von der Entwicklung zum Einsatz bremsen.

Oberst Markus Reisner erläuterte, welche Hürden den Weg neuer Drohnentechnologie von der Entwicklung zum Einsatz bremsen. | © leisure communications/Christian Jobst
Wehrschütz beschrieb die Veränderungen aus seiner Erfahrung als Korrespondent: „Wir erleben die Robotisierung als künftige Form der Kriegsführung. Technologie kämpft gegen Technologie, bevor der Mensch ins Spiel kommt.“
Reisner plädierte dafür, bestehende militärische Fähigkeiten um neue Technologien zu erweitern. Panzer würden weiterhin gebraucht, müssten aber gegen Drohnen geschützt werden. Als Beispiel nannte er Systeme wie Skyranger. Den Blick auf andere Schauplätze der Aufrüstung richtete er mit der Feststellung: „Elon Musk rüstet im Weltraum auf.“ Neben dem Cyberraum hob er besonders den Informationsraum als Kampffeld hervor. Dabei gehe es auch um das Vertrauen der Bevölkerung in das Bundesheer. „Die Republik muss wieder an ihr Bundesheer glauben“, betonte er.
Landesverteidigung als gesellschaftliche Aufgabe
Zu den Lehren aus dem Ukraine-Krieg gehört die wachsende Bedeutung des Schutzes kritischer Infrastruktur in Österreich. Im Gespräch ging es um die Zusammenarbeit von Verteidigungs- und Innenministerium sowie um notwendige gesetzliche Klärungen für die Drohnenabwehr durch die Exekutive. Reisner verwies außerdem auf die Risiken der Mobiltelefonnutzung im militärischen Einsatz. Die ausgesendeten Funksignale können Rückschlüsse auf den Standort von Soldaten und Einheiten ermöglichen.
Tanner erläuterte die Investitionen des Bundesheers in Luftverteidigung, Drohnen und deren Abwehr. Ihre Vorstellung von umfassender Landesverteidigung verband sie mit einem gesellschaftlichen Bekenntnis: „Wir haben in der Verfassung ein Konzept, das nennt sich umfassende Landesverteidigung. Nicht gegen etwas, sondern für unsere Werte, damit wir in Freiheit und Sicherheit leben können.“
Die anwesenden Wirtschaftstreibenden sprach sie als „Informationsoffiziere“ an und dankte ihnen für ihren Beitrag zur geistigen Landesverteidigung. Auch der göttliche Segen könne helfen, ergänzte Tanner. Dafür spendete Dompfarrer Toni Faber besonders kräftigen Applaus.
In der ersten Reihe wurde simultan übersetzt
In der ersten Reihe stand US-Botschafter Art Fisher und ließ sich die Wortmeldungen von einer Simultandolmetscherin ins Ohr übersetzen. Unter den Zuhörern waren zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Medien und Kultur.

US-Botschafter Art Fisher verfolgte neben Verteidigungsministerin Klaudia Tanner die Diskussion im Palais Széchényi. | © leisure communications/Christian Jobst
Aus der Medienbranche waren Johannes Bruckenberger (ORF), Richard Grasl (Kurier Medienhaus), Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 PULS 4), Inge Klingohr (Interspot) und Medienexperte Christian Rainer gekommen. Zu Rahimis Gästen zählten außerdem die Künstlerin Lidia Baich, Johanna und Karl Kolarik (Schweizerhaus), Martin Lenikus (Lenikus Unternehmensgruppe), Kurt Mann (Der Mann) und Ernst Minar (John Harris).
Mit dabei waren die Unternehmer Robert Glock und Sigi Wolf, Designer Atil Kutoglo, Dompfarrer Toni Faber und Bundesministerin a. D. Maria Rauch-Kallat. Den Austausch zwischen diesen unterschiedlichen Bereichen verstand Rahimi als Anliegen des Abends: „Der intensive Dialog von Wirtschaft, Politik und Bundesheer ist die Voraussetzung, um Landesverteidigung als Gesellschaft umfassend und partnerschaftlich als gemeinsames Ziel zu denken.“
(PA/red)














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