Neue WKW-Präsidentin macht Reformen zur Stilfrage

Margarete Kriz-Zwittkovits steht seit 5. August an der Spitze der Wirtschaftskammer Wien. Als designierte Nachfolgerin Walter Rucks stand sie bereits seit Ende Juli fest, nachdem dieser sich aus der Funktion zurückgezogen hatte. Ihre erste direkte Botschaft an die Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer folgte Tags darauf. Die WKW veröffentlichte eine knapp vierminütige Videobotschaft, worin Kriz-Zwittkovits einen „neuen Stil“ ankündigt und erklärt, den bisherigen „Reformkurs“ fortsetzen zu wollen.

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Auslöser des Führungswechsels waren die Kontroversen um Walter Ruck. Kriz-Zwittkovits spricht von verspieltem Vertrauen, enttäuschten Menschen und einem gesellschaftlichen Bild, für das weder sie noch die Wirtschaftskammer stehen würden. Ihre erste eigene Maßnahme soll deshalb ein Verhaltenskodex sein.

Gleichzeitig setzt die neue Präsidentin auf Kontinuität. Die unter Ruck vereinbarte Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und die gemeinsamen Zukunftsprojekte sollen fortgeführt werden. Auch innerhalb der Kammer kündigt Kriz-Zwittkovits zunächst keinen grundlegenden Umbau an.

Die neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien: Margarete Kriz-Zwittkovits

Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der WK Wien. | © WKW /Schmitz

Verhaltenskodex als erste eigene Maßnahme

In ihrer Videobotschaft kündigt Kriz-Zwittkovits an, den bisherigen Reformkurs fortzusetzen und für einen „neuen Stil“ in der Kammer zu sorgen. Dabei geht sie auch auf die Kontroversen der vergangenen Wochen ein. Diese hätten der Wirtschaftskammer geschadet, Vertrauen verspielt und Menschen enttäuscht. Welche Vorgänge sie konkret meint, führt sie nicht näher aus.

Als erste eigene Maßnahme habe sie die Ausarbeitung eines Verhaltenskodex angeordnet. Die Kammer solle künftig für „mehr Miteinander, mehr Respekt, mehr Offenheit“ stehen.

 

In diesem Zusammenhang verweist Kriz-Zwittkovits auf ihre persönlichen Erfahrungen. In mehreren Organisationen sei sie häufig die einzige Frau gewesen und habe sich mit ihren Ideen durchsetzen müssen. Bei Gleichstellung und Frauenrechten verstehe sie daher „wenig Spaß“.

„Reformkurs“ ohne erkennbare Richtung

Kriz-Zwittkovits verwendet den Begriff „Reformkurs“ und erklärt im Video, die Wirtschaftskammer müsse selbst zu Veränderungen bereit sein, wenn sie Reformen von der Politik verlange. Welche Strukturen, Aufgaben oder Ausgaben sie verändern will, lässt sie in dieser Botschaft an die einfachen Mitglieder offen.

Als konkreten Reformschritt nennt Kriz-Zwittkovits die bereits unter ihrem Vorgänger beschlossene Senkung der Kammerumlage 2. Sie entlastet Unternehmen mit Beschäftigten, weil die Umlage anhand der Lohnsumme berechnet wird. Ein-Personen-Unternehmen ohne Beschäftigte profitieren davon nicht.

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien.

Walter Ruck, ehemaliger Präsident der Wirtschaftskammer Wien. | © Florian Wieser/WKW

Ein weiteres Reformvorhaben ist die Steigerung der Effizienz. Bereits im Juni hatte die WKW erklärt, künftig nicht jede frei werdende Stelle automatisch nachzubesetzen. Wie viele Arbeitsplätze dadurch entfallen könnten, gab sie auch auf Nachfrage nicht bekannt.

Kriz-Zwittkovits erwähnt diese Personalplanung in ihrer Videobotschaft nicht. Sie verspricht vielmehr, das Serviceangebot vor Ort und digital auszubauen. Die Kammer will ihre bisherigen Leistungen demnach mit perspektivisch weniger Personal erbringen und zugleich rund um die Uhr digital erreichbar werden.

Keine strukturellen Maßnahmen genannt

Neue Maßnahmen zur Finanzierung der Kammer, zur Höhe weiterer Pflichtbeiträge oder zum Einsatz von Mitgliedsmitteln für Informations- und Kommunikationsarbeit nennt Kriz-Zwittkovits nicht.

Stattdessen stellt sie die bestehenden Leistungen der WKW in den Vordergrund. Die Kammer sei der größte private Bildungsanbieter und erbringe jährlich 220.000 Beratungen. Die Unternehmen sollten die Beratungen, Netzwerke und Veranstaltungen ihrer Interessenvertretung stärker nutzen. Insbesondere Unternehmerinnen ruft Kriz-Zwittkovits dazu auf, sich in der Kammer zu engagieren.

Kontinuität bei Projekten und Partnern

Die ersten Wortmeldungen der neuen Präsidentin per Video stehen wohl vor allem für den Wunsch nach Kontinuität. Gegenüber dem Rathaus bekannte sie sich schnurstracks zur Umsetzung der unter Ruck vereinbarten Projekte. Den Mitgliedern verspricht sie einen veränderten Ton, mehr Effizienz und einen Ausbau der bestehenden Angebote.

WKW-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits zu Gast bei Bügermeister Michael Ludwig

Margarete Kriz-Zwittkovits im Rathaus neben Bürgermeister Michael Ludwig. | © Stadt Wien / Bubu Dujmic

Ob auf den angekündigten Kulturwandel über den Verhaltenskodex und die bereits erfolgte KU2-Senkung hinaus auch strukturelle Reformen folgen, bleibt vorerst offen.

(PA/red)