Väter nutzen Karenz besonders in den Sommermonaten

Elternkarenz ist in Österreich weiterhin überwiegend Frauensache. Dennoch zeigt eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts ein bemerkenswertes Muster: Männer nehmen ihre Karenz besonders häufig in den Sommermonaten in Anspruch.

Ausgewertet wurden Daten des Sozialministeriums für den Zeitraum von 2008 bis 2025. Demnach befanden sich in den Monaten Juni, Juli und August durchschnittlich rund 3.450 Väter in Karenz. In den übrigen Monaten lag der Durchschnitt bei rund 2.800 Personen. Besonders beliebt ist der Juli mit durchschnittlich 3.620 Karenzvätern. Die niedrigsten Werte wurden regelmäßig im Herbst und Frühwinter verzeichnet.

Bei Frauen zeigt sich ein vergleichbarer saisonaler Effekt nicht. Die Zahl der Mütter in Karenz bleibt über das Jahr hinweg weitgehend konstant.

Karenz bleibt überwiegend Frauensache

Trotz steigender Beteiligung von Männern liegt ihr Anteil an allen Karenzbeziehenden laut Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer weiterhin unter 20 Prozent. Zuletzt lag der Wert bei 18,8 Prozent. Zudem bleibt die Dauer der Väterkarenz meist überschaubar. Nur ein kleiner Teil der Männer bleibt länger als sechs Monate in Karenz.

Für Unternehmen und Arbeitnehmer gewinnt die Frage der Karenzverteilung zunehmend an Bedeutung. Karenzzeiten beeinflussen Erwerbsverläufe, Karrierechancen und langfristig auch die Höhe späterer Pensionsansprüche. Gleichzeitig wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Arbeitgeber zu einem wichtigen Faktor bei Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung.

Sommerferien als organisatorische Herausforderung

Momentum-Ökonomin Sophie Achleitner verwies gegenüber der APA auf verschiedene mögliche Erklärungen für das saisonale Muster. So könnten manche Väter die Karenz nutzen, um ihren Sommerurlaub zu verlängern. Ebenso verwies sie auf mögliche Betreuungslücken während der Ferienzeit.

Tatsächlich fallen die Monate mit den höchsten Karenzzahlen genau in jene Zeit, in der viele Familien vor besonderen organisatorischen Herausforderungen stehen. Neun Wochen Sommerferien, eingeschränkte Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen und regionale Schließzeiten von Kindergärten sorgen Jahr für Jahr für zusätzlichen Betreuungsbedarf. Besonders außerhalb der Ballungsräume schließen manche Einrichtungen mehrere Wochen während des Sommers.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Entwicklung auch als Hinweis darauf lesen, dass Väter verstärkt jene Zeiträume übernehmen, in denen Familien bei der Kinderbetreuung besonders gefordert sind. Ebenso denkbar ist, dass Familien die Sommermonate bewusst für gemeinsame Zeit nutzen.

Welche Motive tatsächlich hinter den höheren Karenzzahlen stehen, lässt sich aus den vorliegenden Daten jedoch nicht ableiten. Die Statistik zeigt das Muster, nicht dessen Ursachen.

Betriebliche Maßnahmen oft entscheidend

Die Debatte darüber, welcher Elternteil wann Karenz nimmt, wird häufig entlang von Geschlechterrollen geführt. In der Praxis entscheiden jedoch oft die Rahmenbedingungen im Betrieb darüber, welche Lösungen Familien überhaupt offenstehen. Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Homeoffice-Möglichkeiten oder betrieblicher Kinderbetreuung schaffen Voraussetzungen, die eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit erleichtern können. Die Arbeiterkammer verweist selbst seit Jahren auf die Bedeutung solcher Maßnahmen und zählt mit ihren familienfreundlichen Angeboten zu jenen Arbeitgebern, die entsprechende Modelle bereits praktizieren.

(PA/red)