Wien sucht dringend Lehrer für das kommende Schuljahr
Die Bildungsdirektion für Wien startet die zentrale Bewerbungsphase für das Schuljahr 2026/27. Seit heute können sich Interessierte für Lehrerstellen an allen Schultypen bewerben, die Frist läuft bis zum 8. Mai. Bereits im vergangenen Jahr fehlten rund 240 Lehrkräfte allein an Wiener Pflichtschulen – eine Lücke, die zunehmend mit Quereinsteigern und Studierenden geschlossen werden muss. Seit einigen Jahren schon hat Wien mit einem spürbaren Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zu kämpfen.
Lehrerbedarf bleibt hoch – besonders an Volksschulen
Die Bildungsdirektion für Wien hat die Hauptbewerbungsphase für das Schuljahr 2026/27 gestartet. Bis zum 8. Mai können sich Interessierte für offene Lehrerstellen an Wiener Schulen bewerben. Besonders groß ist der Bedarf weiterhin an Volksschulen und im sonderpädagogischen Bereich.
Bereits im vergangenen Jahr fehlten rund 240 Lehrkräfte an Wiener Pflichtschulen. Um den Unterricht dennoch aufrechterhalten zu können, wurden verstärkt Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie Studierende eingesetzt. Neben den Volksschulen sind vor allem Lehrkräfte in Mathematik, Naturwissenschaften sowie im Fach Bewegung und Sport gefragt. Im Bereich Sport betrifft der Mangel insbesondere Angebote für Mädchen.
Bewerbungen sind für eine oder mehrere Schulen möglich. Die endgültige Zuteilung erfolgt laut Bildungsdirektion nach Bedarf und Dringlichkeit. Nach Ende der Bewerbungsfrist werden die Unterlagen an die jeweiligen Wunschschulen weitergeleitet, wo Direktorinnen und Direktoren die Auswahlgespräche führen.
Quereinsteiger sollen Lücken schließen
Grundsätzlich ist für eine fixe Anstellung ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorgesehen. Wenn nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber vorhanden sind, können jedoch auch Personen mit anderen Studienabschlüssen oder Studierende eingesetzt werden.
Dieses Modell wird bereits seit mehreren Jahren genutzt, um Engpässe kurzfristig zu überbrücken. Gerade in Bereichen mit besonders hoher Nachfrage, etwa in Volksschulen oder in Förderklassen, wird diese Form der Personalgewinnung zunehmend wichtiger.
Für das Unterrichten an Berufsschulen gelten eigene Voraussetzungen: Dort ist eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie mehrjährige Berufspraxis erforderlich. Wer Religion unterrichten möchte, benötigt zusätzlich eine Bewerbung beim zuständigen kirchlichen Schulamt.
Förderprogramme erhöhen Bedarf an Personal
Der steigende Lehrerbedarf steht auch im Zusammenhang mit wachsenden Fördermaßnahmen im Bildungssystem. Programme wie Sprachförderklassen, verpflichtende Sommerschulen oder kommunale Angebote wie die Wiener Sommerdeutschkurse benötigen zusätzliche pädagogische Ressourcen.
Mit der verpflichtenden Bundessommerschule für außerordentliche Schüler ab 2026 entsteht ein zusätzlicher Personalbedarf in den Wochen unmittelbar vor Schulbeginn. Gleichzeitig bauen Städte wie Wien ihre eigenen Förderangebote weiter aus – etwa durch Sommerdeutschkurse für Kinder vor dem Schuleintritt.
Diese Programme dienen dazu, Sprachdefizite frühzeitig auszugleichen und den Übergang in die Schule zu erleichtern. Für Schulen bedeutet das jedoch auch einen erhöhten organisatorischen Aufwand und zusätzliche Anforderungen an Lehrpersonal.
Vorbereitungskurse und Förderangebote
Neben dem regulären Unterricht gewinnen Fördermaßnahmen vor und während des Schuljahres zunehmend an Bedeutung. Besonders beim Übergang vom Kindergarten in die Volksschule spielt Sprachförderung eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wächst der Bedarf an pädagogischer Unterstützung für Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen.

Kinder vor einer Volksschule: Sommerdeutschkurse sollen den Schuleinstieg erleichtern. | © Shutterstock
Die Suche nach neuen Lehrkräften ist daher nicht nur eine kurzfristige Maßnahme zur Besetzung offener Stellen. Sie steht auch im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen im Bildungssystem, in dem zusätzliche Förderprogramme und Vorbereitungskurse immer stärker Teil des schulischen Alltags werden.
Dass Wien erneut eine groß angelegte Bewerbungsphase startet, zeigt, wie angespannt die Personalsituation weiterhin ist. Für Schulen bedeutet das, Unterricht, Fördermaßnahmen und zusätzliche Programme gleichzeitig organisieren zu müssen – eine Herausforderung, die voraussichtlich auch in den kommenden Jahren bestehen bleibt.
(PA/red)


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