Alf Poier brachte Buch und Bühnenfigur zu Thalia
Der Gang musste frei bleiben, damit die positive Energie im Raum bleibt: Bevor Alf Poier bei Thalia Wien Mitte erschien, hatte Moderatorin Rozalija Gregurek einige Anweisungen für das Publikum. Ein weißes Wollknäuel war im Slalom durch die Sitzreihen weiterzureichen und dessen Faden bis zum Veranstaltungsende festzuhalten. Dann folgte der Auftritt im Mönchsgewand. Zur Präsentation seiner Biografie „Extrem ‚normal‘“ hatte Poier neben dem Buch auch seine Bühnenfigur und das Gemälde „Muku Muku“ mitgebracht.
Klemens Hruska von Thalia übernahm die Begrüßung zur Buchpräsentation. | © keymedia
Ein Faden führt durch die Reihen
Begleitet von Mai Van und thailändischen Mönchsgesängen trat Poier als Thitamedho auf. Das Schnurritual erklärte er als buddhistische Tradition. Zwei weiße Fäden führten von seiner Schreibmaschine ins Publikum; über sie sollte sich die Kraft des Großmeisters und seines „Muku Muku“ auf die Besucher übertragen. Ein Stück Faden durfte anschließend mit nach Hause.
Das Gemälde gehört zu Poiers bekanntem Bühneninventar und zugleich zu jenen Arbeiten, die er zum Verkauf anbietet. Bereits im Mai hatte er es bei einer Performance in der Galerie Kaiblinger zu seiner „Mona Lisa“ und seiner „Sixtinischen Kapelle“ erklärt. Bei der Buchpräsentation war es nun Teil der rituellen Anordnung. Zwei Werke hatte die Galerie für den Abend zur Verfügung gestellt.
Rozalija Gregurek, Alf Poier als Thitamedho, Mai Van und Mario Rossori (v. l.) beim Auftakt des Abends.
Nach der Performance wechselte Poier in Sakko und T-Shirt. Gregurek moderierte das Gespräch und las ausgewählte Passagen. Der Autor selbst übernahm die Antworten.
Fünf Jahre Pause mit Auftritten dazwischen
Poier bezeichnete den Abend als seinen ersten Bühnenauftritt nach fünf Jahren. Kunstperformances in kleinerem Rahmen hatte es aber schon gegeben, so auch bei der Ausstellungseröffnung im Frühjahr, wo er an seine ESC-Teilnahme erinnerte. Sein letzter Kabarettauftritt mit „Humor im Hemd“ lag hingegen im Juli 2021.
Alf Poier als Thitamedho während der Performance zur Präsentation seiner Biografie. | © Andy Dobersberger
Als Gründe für seine Bühnenpause nannte Poier Magenbeschwerden und „Stagefright“, also Auftrittsangst. Zugleich erklärte er, weshalb er sein früheres Kabarett heute nicht mehr fortsetzen könne: „So wie ich früher Kabarett gemacht habe ist das heute nicht mehr möglich“, sagte er. Viele Themen könne man nicht mehr ansprechen.
Dazu passte eine Buchpassage, aus der Gregurek vorlas: Im Abschnitt über Cancel Culture schildert Poier eine Ausladung, die ihn heute noch beschäftigt. Sich selbst beschrieb er im Gespräch als „hardcore kasperl“, der kein normaler Kabarettist gewesen sei.
Seinen heutigen Konflikt mit der Bühne fasste er so zusammen: „Des was i sogen will, derf i net sagen. Und des was i sagen derf, wüll i net sagen.“ Neben der Auftrittsangst steht für ihn damit die Frage, ob sein Stil heute noch bekömmlich ist. Bei den Besuchern im Thalia auf der Landstraße hinterließ er einen normalen Eindruck. Poier blieb ruhig am Stuhl, betonte seine Mitte und ließ den Schelm in ihm nur kurz hervorblitzen.
Mario Rossori, Alf Poier und Gerhard Kosel (v. l.): der aktuelle Manager, der Künstler und sein erster Manager. |© Andy Dobersberger
Ein Update vor dem Sechziger
Warum gerade jetzt eine Biografie? „Bio ist angesagt“, antwortete Poier. Außerdem stehe im kommenden Jahr sein 60. Geburtstag vor der Tür. Heutzutage sei es üblich, ein Update zu geben.
Seines erschien im Seifert Verlag und führt auf 250 Seiten vom Kabarett über die Malerei bis nach Thailand und schließlich in eine Höhle. Beim Gespräch blieb Zeit für verschiedene Abschnitte, bevor Poier noch fast eine Stunde Bücher signierte.
Unter den fast 200 Gästen waren Vera Russwurm, Stella Jones mit Tochter Naima, Alle-Achtung-Sänger Christian Stani, Rudi Dolezal und Clemens Trischler. Auch Galerist Siegfried Kaiblinger, Verlegerin Maria Seifert sowie Poiers erster Manager Gerhard Kosel und sein aktueller Manager Mario Rossori kamen zur Präsentation.
(PA/red)