Burgtheater verkündet Spielzeit 2020/21 mit Kampfansage

Lange hatte Österreichs Kulturszene auf eine Lockerung der Maßnahmen für die Veranstaltungsbranche gepocht, bis Staatssekretärin Ulrike Lunacek das Handtuch warf und der verantwortliche Kulturminister keine andere Wahl mehr hatte, als zuzuhören. das geschah bei einem Treffen von Kulturmanagern und dem Vizekanzler. Die Ergebnisse dieser Runde finden sich in den neuen Regeln wider, die von Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Neo-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer angekündigt wurden. “Menschen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben und vier erwachsene Menschen, die gemeinsam eine Veranstaltung besuchen, dürfen nebeneinander sitzen”, so Mayer. Wenn durch diese Regelungen der Abstand von einem Meter unterschritten wird, dann ist im Publikum der Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Burgtheater-Direktor wünscht präzisere Vorgaben von Regierung für Theaterarbeit

Burgtheater-Direktor forderte frühzeitig die Regierung zum Handeln auf | © APA / Georg Hochmuth

Die Leitung der Salzburger Festspiele hat gleich nach der Ankündigung ihren verkürzten Festspielplan in die Tat umgesetzt. Demnächst wird das Sommerprogramm bekanntgeben. Im Burgtheater ist man bereits einen Schritt weiter gekommen. Direktor Martin Kusej gab sechs Uraufführungen bekannt und eröffnet am 11. September mit Calderons „Das Leben ist ein Traum“.

Lockere Regeln bei kleinerem Publikum

Wer zwischen den Zeilen der neuen “Lockerungen” liest, kann nicht ernsthaft glauben, dass im August oder September die Leute noch Schutzvorrichtungen im Gesicht tragen werden, wenn sie ins Theater oder Kino gehen. Nach übermäßig langen vier Wochen des geduldigen Wartens, hat sich zum Glück heraus gestellt: Das Virus ist ziemlich harmlos im Vergleich zu den Einschränkungen, die noch immer unverdrossen von der Bevölkerung abverlangt werden, um die Fehleinschätzungen (“Tausende Tote”, “zweite Welle”, “schaut nach China”) zu legitimieren. Solange die Regierung die Zeche für den Schaden der letzen vier Wochen des viel zu langsamen Wiedereröffnens begleicht, ist sicher kein Mensch sauer, denn es ging ja um den Gesundheitsschutz. In echten Theatern sieht das jedoch anders aus.

Für die Risikogruppen gibt es die neuen Streaming-Angebote und virtuellen Kunsträume, die in den letzten zwei Monaten wie die Schwammerln aus dem Netz gesprossen sind. Ausgeschlossen scheint die Aussicht, oder auch nur Gedanke, dass Polizei ins Theater ausrückt und das Publikum kontrolliert, ob etwa das Schachbrettmuster im Zuschauerraum den Wünschen der Regierung entspricht oder nur Menschen aus einem Haushalt zusammensitzen. Sobald das Burgtheater und andere Kunststätten des Landes wieder ihre Tore öffnen, und auf der Bühne stehen, und ihrem Publikum fest in die Augen blicken, ist ohnehin Schluss mit der Maskerade.

Der nackte Wahnsinn (Noises Off) von Michael Frayn unter Regie von Martin Kušej

Der nackte Wahnsinn (Noises Off) von Michael Frayn bleibt im Burgtheater Repertoire | © Matthias Horn

Erste Burgtheater Premiere im September

Voller Zuversicht für eine Wiedereröffnung des Burgtheaters im September stellte die Direktion ihre Pläne für die Saison 2020/21 vor. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass es ohne Theater nicht geht und deshalb nimmt man ab sofort die Regierung beim Wort und wird wieder eigenverantwortlich. Geplant sind sechs Uraufführungen. Calderóns Komödie “Das Leben ist ein Traum” (Regie Martin Kušej) wird den Auftakt machen. Das Stück wird wohl den Auftakt für eine lange Serie an Inszenierungen bedeuten, die sich an der Corona-Politik der Mächtigen reiben. Entweder retrospektiv oder als Überlebenskampf um die eigene künstlerische Identität. Im Premierenstück stehen zwei junge Könige, beide ausgewiesen schlechte Amtsinhaber, und ihre Gegenspielerinnen im Mittelpunkt von grundsätzlichen Auseinandersetzungen um die Legitimität von Herrschaft.

Internationale Regisseure am Spielplan 2020/21

In der kommenden Saison arbeiten Regisseurinnen und Regisseure aus 14 Ländern am Burgtheater. Neuzugänge sind neben Adena Jacobs auch David Kramer („Pelleas und Melisande“), Antonio Latella (inszeniert „Bunbury“ von Oscar Wilde) und Lucia Bihler (Thomas Bernhard „Die Jagdgesellschaft“). Das Hamburger Trio „Kommando Himmelfahrt“ kommt erstmals mit einer Rock’n’Roll-Inszenierung der „Zauberflöte“ nach Wien. Mit sechs Uraufführungen und zehn Erstaufführungen im Spielplan sei zeitgenössisches Theater nach wie vor eine wichtige Säule des Burgtheaters, betonte Kusej. Übersicht der Burgtheater Premieren 2020/21 (Link)

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