Lukas Resetarits nimmt seinen Bühnenabschied
Eine letzte Tournee wird es nicht geben. Lukas Resetarits beendet seine Bühnenlaufbahn mit sofortiger Wirkung. Die Auftritte seien körperlich zunehmend fordernd geworden, der Stress gestiegen, erklärte sein Management am Mittwoch. „Der Abschied fällt ihm schwer und uns auch.“ Mit 79 Jahren zieht sich damit ein Künstler zurück, dessen Arbeit über Jahrzehnte zum österreichischen Kabarett und Fernsehen gehörte.
Ein Major für die Fernsehgeschichte
Für viele bleibt Resetarits zuerst einmal Kottan. Ab 1980 spielte er den Polizeimajor Adolf Kottan in der von Helmut Zenker geschriebenen und Peter Patzak inszenierten Serie „Kottan ermittelt“. Polizeialltag, österreichische Amtsautorität und absurder Humor fanden darin eine Form, die weit über die ursprüngliche Ausstrahlung hinaus Bestand hatte. 2010 kehrte er für den Kinofilm „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“ noch einmal in die Rolle zurück. Resetarits wurde zum Urvater heutiger Memes.
Auch abseits des Majors hinterließ er Figuren, an die sich das Publikum erinnert: Burschi Leitner im „Kaisermühlenblues“ etwa oder den Schlagersänger Roland Pokorny an der Seite Alfred Dorfers in „Freispiel“. Dazu kamen Auftritte in „Tohuwabohu“, „D.O.R.F.“ und Filmen wie „Schwarzfahrer“. Sein Humor funktionierte im Ensemble ebenso wie allein vor einem Saal.
Bürgermeister Ludwig ehrte Lukas Resetarits mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. | © Stadt Wien/Christian Jobst
Dreißig Programme und ein eigener Ton
Die Solobühne blieb über all diese Jahre ein Raum für Lesungen, Diskussionen und Kabarett. 1977 präsentierte Resetarits im Wiener Konzerthauskeller „Rechts Mitte Links“. Es war der Beginn einer Laufbahn, die 30 Soloprogramme hervorbrachte. „Heimspiel“, „Ich tanze nicht“, „Niemandsland“, „Schmäh“ und „Wurscht“ gehören zu ihren Stationen.
Mit „Ich tanze nicht“ veränderte Resetarits 1999 seine Bühnenarbeit. Statt einzelner Kabarettnummern und Kostümwechsel rückte das Erzählen von Geschichten in den Mittelpunkt. Den Anstoß gab seine Tochter Kathrin: Sie hatte ihn ermuntert, das vorbereitete Material beiseitezulegen und einfach zu erzählen. Die Schauspielerin und Regisseurin arbeitete seither an seinen Programmen mit, zuletzt als Co-Autorin und Regisseurin von „Glück“.
Der Weg dorthin verlief über andere Berufe und Bühnen. Der 1947 im burgenländischen Stinatz geborene Erich Lukas Resetarits wuchs in Wien auf, begann ein Studium, arbeitete am Bau, sang in einer Beatband und war acht Jahre am Flughafen Schwechat beschäftigt. Kabarettistische Erfahrungen sammelte er im Umfeld der Schmetterlinge und bei der Gruppe Keif. Weil dort bereits ein Erich mitwirkte, wurde sein zweiter Vorname zum Künstlernamen.
Bis zuletzt neue Geschichten
Auch die letzten Jahre waren produktiv. 2021 kam „Das Letzte. Kein Abschied“, im Oktober 2022 folgte „Über Leben“. Zugleich begann Resetarits, seine Erinnerungen in Buchform zu erzählen: „Krowod“ widmete sich seiner Jugend, „Kabarett und Kottan“ führte 2023 durch das Berufsleben. Beide Bücher entstanden gemeinsam mit Fritz Schindlecker.
Sein 30. Programm „Glück“ feierte am 3. April 2025 im Wiener Stadtsaal Premiere. Eine Bronchitis hatte zuvor zwei Verschiebungen notwendig gemacht. Gemeinsam mit Kathrin Resetarits nahm er darin die Suche nach dem Glück zum Ausgangspunkt für Erinnerungen, Wortspiele und Gegenwartsbeobachtungen. Bis ins laufende Jahr standen weitere Vorstellungen auf dem Spielplan.
Noch am 9. Oktober wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Peter im Wiener Rathaus mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet. Wenige Wochen später steht nun der Abschied von der Bühne fest. Nach fast einem halben Jahrhundert Solokabarett bleibt ein umfangreiches Werk: dreißig Programme, Bücher, Filme und ein Major, der seinen Platz in der österreichischen Fernsehgeschichte längst gefunden hat.
(red)