Timeshift kehrt mit neuem Album auf die Bühne zurück

Mehr als vier Jahrzehnte nach ihren ersten Auftritten in der Wiener Undergroundszene steht Timeshift wieder auf einer Konzertbühne. Sänger Ivan Miksovic präsentierte Ende Juni im Chelsea gemeinsam mit Walter Cikan, Uli Binder, Gitarrist Julez Gerbasits sowie seinen Töchtern Lara und Ivana das neue Album „Libor“.

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Mit dem Album erinnert die Band an den 1990 verstorbenen Gitarristen und Songwriter Libor Miksovic. Veröffentlicht wurde die Platte auf dem Wiener Label monkey. von Walter Gröbchen. Parallel erschien mit „Timeshift 1984–88“ erstmals eine Sammlung der historischen Aufnahmen der Band.

Zwischen Garagenrock und Wiener Underground

Als Timeshift 1981 entstand, war die Jugendszene mehr oder weniger in Gruppen aufgeteilt. Mods, Popper, Punks, Rocker, Skins und später die Grufties hatten ihre eigenen Treffpunkte, Lokale und Clubs – mit Überschneidungen. Man erkannte sich an der Kleidung, den Haaren und am Moped. Der Donnerbrunnen wurde zum dabei Treffpunkt der Mods. Konzerte, Fotokopierte Flyer, Fanzines und spezialisierte Plattenläden verbanden eine Szene, die sich weitgehend selbst organisierte.

Historisches Konzertplakat von Timeshift und Paranoid Fears für ein Konzert im Amerlinghaus in Wien am 27. Juni 1985.

Historisches Konzertplakat aus dem Jahr 1985. | © Sammlung KMW

Die Bandgründer Ivan und Libor Miksovic kamen 1969 als Kinder aus der damaligen Tschechoslowakei nach Wien. 1981 gründeten die Brüder Timeshift. Ihr erstes Konzert spielte die Band Anfang 1982 im Jugendzentrum Alt Erlaa. Mit Auftritten in Kellerklubs und kleineren Bühnen entwickelten sich die Newcomer rasch zu einer festen Größe der Wiener Beat-, Garage- und Psychotrash-Szene.

Im Herbst 1982 stieß Bassist Walter Cikan zur Band. Seither wirkte er neben Sänger Ivan Miksovic an sämtlichen Vinyl-Veröffentlichungen von Timeshift mit und gehört bis heute zum festen Kern der Formation.

Das Start Magazine brachte die Szene zusammen

Zu den ersten Unterstützern gehörte Manfred “DJ Elk” Breiner, Herausgeber des legendären Start-Magazins. Das zwischen 1982 und 1987 erschienene Fanzine verstand sich als Sprachrohr der Mod-, Beat- und 60er-Jahre-Szene und war in Plattenläden, Boutiquen und Jugendlokalen erhältlich. Breiner wurde zugleich erster Manager der Band und organisierte Konzerte, bei denen Timeshift gemeinsam mit anderen österreichischen und internationalen Undergroundbands auftrat.

Historisches Konzertplakat des von Manfred „DJ Elk“ Breiner herausgegebenen Start Magazine für ein Konzert von Timeshift in der Szene Wien am 23. März 1985.

Veranstaltungsplakat des von Manfred „DJ Elk“ Breiner herausgegebenen Start Magazine aus dem Jahr 1985. | © Sammlung KMW

Das Magazin berichtete regelmäßig über deren Auftritte und machte allerlei Promoaktionen. Auch wenn sich die Wiener Mod-Szene früh mit dem Sound identifizierte und zu den Konzerten der Band erschien, verstand sich Timeshift nie als Mod-Band. Beat, Garage Rock und psychedelische Einflüsse prägten den eigenen Stil.

Erste Singles und die Reise nach Amerika

1984 erschien mit „Dance The Beat“ ihre erste Single. Veröffentlicht wurde sie über TUT, das mit dem Wiener Plattenladen Ton um Ton in der Lindengasse verbunden war. Das Geschäft galt damals als Treffpunkt für Liebhaber seltener Beat- und Psychedelic-Schallplatten und unterstützte heimische Bands, die ins Genre passten.

Es folgten weitere Veröffentlichungen, Konzerte in Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie der Versuch, auch in Los Angeles Fuß zu fassen. Der internationale Durchbruch blieb jedoch aus. Nach der Rückkehr nach Österreich endete die erste Phase der Band 1990 mit dem Tod von Libor Miksovic.

Gröbchen holt Timeshift zurück auf Vinyl

Hinter der nunmehrigen Veröffentlichungen steht Walter Gröbchen, der seit Jahrzehnten in der österreichischen Independent-Musikszene als Labelbetreiber und Musikjournalist aktiv ist. Auf seinem Label monkey. erschienen sowohl das neue Album „Libor“ als auch die Compilation „Timeshift 1984–88“, die das historische Schaffen der Band dokumentiert.

Albumcover und Vinyl-Ausgabe von „Libor“, dem neuen Studioalbum der Wiener Band Timeshift.

Das Album „Libor“ und die Compilation „Timeshift 1984–88“ sind auf dem Independent-Label monkey. von Walter Gröbchen erschienen. | © monkey.

Gröbchen, der kürzlich in den Vorstand der IFPI Austria gewählt wurde, macht damit ein Kapitel der Wiener Undergroundgeschichte wieder zugänglich. Das Album und die CD sind unter anderem bei HHV und Juno Records erhältlich sowie auf verschiedenen Streaming-Plattformen verfügbar.

Neue Besetzung, vertraute Songs

Die Grundlage von „Libor“ bilden Songs aus den 1980er-Jahren. Gemeinsam mit Gitarrist Julez Gerbasits nahm Timeshift die Kompositionen von Libor Miksovic neu auf und führte sie in die heutige Besetzung über.

Die aktuelle Besetzung der Wiener Garage- und Beat-Rock-Band Timeshift mit Ivan Miksovic, Julez Gerbasits, Uli Binder und Walter Cikan.

Die aktuelle Besetzung von Timeshift (von links): Ivan Miksovic (Gesang), Julez Gerbasits (Gitarre), Uli Binder (Schlagzeug) und Walter Cikan (Bass). | © Timeshift

Beim Release-Konzert im Chelsea präsentierte sich die Band als eingespielte Liveformation. Ivan Miksovic überzeugte mit ungebrochener Bühnenpräsenz, das Zusammenspiel der Musiker war präzise und druckvoll. Selbst unter den akustisch anspruchsvollen Bedingungen des Chelsea drang der grungy Garagerock-Sound facettenreich durch.

Für zusätzliche Dynamik sorgten Lara und Ivana Miksovic mit ihren Background-Vocals. Die mehrstimmigen Chöre verliehen den Songs frische Akzente und ergänzten den klassischen Timeshift-Sound um eine junge Note.

Ivan Miksovic: “Mehr als ein Revival”

Für Timeshift ist die Geschichte noch lange nicht abgeschlossen. Nach dem Comeback im Chelsea richtet sich der Blick bereits nach vorne. „Für die meisten jungen Leute sind wir eigentlich eine neue Band. Die kennen uns nicht aus den Achtzigerjahren. Für sie beginnt das alles jetzt – und genau so wollen wir auch auftreten“, sagt Sänger Ivan Miksovic im Gespräch mit keymedia.at.

Ivan Miksovic singt beim Timeshift-Chelsea-Konzert gemeinsam mit Lara und Ivana Miksovic.

Ivan Miksovic mit seinen Töchtern Lara und Ivana beim Release-Konzert im Chelsea. | © keymedia.at

Die aktuelle Besetzung unterstreicht diesen Anspruch. Dass Timeshift heute nicht als Nostalgieprojekt auftreten will, zeigt sich auch in der Arbeit am neuen Album. Die alten Songs wurden bewusst neu interpretiert statt einfach nachgespielt. „Du kannst die besten Produzenten und das teuerste Studio haben. Wenn die Songs nicht funktionieren, hilft das alles nichts. Die Songs müssen stimmen – alles andere kommt danach.“

Timeshift springt in die Gegenwart

Für die Musiker beginnt das Projekt erst jetzt so richtig. Weitere Konzerte sind geplant, neues Material entsteht bereits. Die Band versteht das Album als Auftakt für eine neue Phase.

Die aktuelle Besetzung von Timeshift beim Schlussapplaus nach dem Konzert im Chelsea.

Schlussapplaus im Chelsea – Timeshift nach dem Konzert. | © keymedia.at

Im Chelsea Musikclub standen langjährige Wegbegleiter neben Konzertbesuchern, die Timeshift zum ersten Mal live erlebten. Das Revival richtet sich damit nicht nur an jene, die die Band von früher kennen, sondern vor allem an ein Publikum, das die Wiener Undergroundszene der 1980er-Jahre erst jetzt entdeckt.

(key)