Berufene Auskunft zu schädlichen Sonnencremes
Weiß, cremig und mitunter recht schlüpfrig: So fühlt sich Sonnencreme an. Kaum steigen die Temperaturen, kehrt auch eine Diskussion zurück, die mittlerweile fast so verlässlich zum Sommer gehört wie überfüllte Freibäder und die Suche nach dem letzten Schattenplatz am Badesee.
Sind die Inhaltsstoffe moderner Sonnencremes eigentlich gesund? Gelangen chemische Filter in den Körper? Und wäre es vielleicht besser, ganz auf Sonnenschutz zu verzichten?
Wer solche Fragen heute stellt, erhält binnen Minuten Antworten. Tausende Antworten. In sozialen Netzwerken, Foren und Kommentarspalten finden sich Menschen, die sich zu Auskünften berufen fühlen. Manche verweisen auf persönliche Erfahrungen, andere auf Studien, wieder andere auf Videos, die sie irgendwo gesehen haben. Die Anzahl der Antworten sagt allerdings wenig über deren Qualität aus.
Dabei ist die wichtigste Erkenntnis erstaunlich unspektakulär: Die wissenschaftliche Diskussion dreht sich heute meist nicht um die Frage, ob Sonnenschutz sinnvoll ist, sondern welcher Sonnenschutz für welchen Zweck geeignet ist.
Was bedeutet SPF überhaupt?
Ein häufiger Irrtum betrifft den Sonnenschutzfaktor selbst. Viele Menschen gehen davon aus, dass SPF 50 doppelt so wirksam sei wie SPF 25. Tatsächlich steigt die Schutzwirkung deutlich langsamer an.
Während SPF 15 bereits rund 93 Prozent der UVB-Strahlen blockiert, erreicht SPF 30 etwa 97 Prozent. SPF 50 kommt auf rund 98 Prozent, SPF 100 auf etwa 99 Prozent. Der Unterschied ist vorhanden, fällt aber deutlich kleiner aus, als die Zahl vermuten lässt.
Der Vorteil höherer Schutzfaktoren liegt deshalb oft weniger in der Theorie als in der Praxis. Viele Menschen tragen zu wenig Sonnencreme auf und erreichen den auf der Verpackung angegebenen Wert gar nicht. Ein höherer Schutzfaktor schafft hier zusätzliche Reserven.
Wenn Sonnencreme an ihre Grenzen stößt
Sonnencreme schützt nur dort, wo sie aufgetragen wurde – und zwar ausreichend dick. Genau daran scheitert der Sonnenschutz im Alltag häufig. Studien zeigen seit Jahren, dass viele Menschen deutlich weniger Creme verwenden als für den angegebenen Schutzfaktor erforderlich wäre. Hinzu kommen Stellen wie Rücken, Schultern oder Nacken, die allein nur schwer zu erreichen sind. Gerade bei längeren Aufenthalten im Freien empfehlen Fachleute deshalb zusätzlich textilen Sonnenschutz.
UV-Kleidung als Alternative
Spezielle UV-Schutzkleidung wird mit einem UV-Schutzfaktor (UPF) ausgezeichnet. Ein UPF von 50 bedeutet, dass nur ein Fünfzigstel der UV-Strahlung den Stoff durchdringt. Anders als Sonnencreme verliert dieser Schutz weder durch ungleichmäßiges Auftragen noch durch kleine Auslassungen auf der Haut an Wirkung.
Besonders bei Kindern, Wassersportlern, Wanderern oder Menschen mit empfindlicher Haut gelten UV-Shirts, leichte Langarmbekleidung und breitkrempige Hüte als wirksame Ergänzung zum klassischen Sonnenschutz.
Auch normale Kleidung schützt – allerdings sehr unterschiedlich. Ein dicht gewebtes Hemd bietet deutlich mehr Schutz als ein dünnes weißes T-Shirt, das bei Nässe einen Teil seiner Schutzwirkung verliert.
Die einfachste Antwort
Bleibt die Frage, die jeden Sommer wieder gestellt wird: Gelangen Inhaltsstoffe von Sonnencremes in die Blutbahn – und sind sie schädlich?
Die erste Frage lässt sich vergleichsweise sicher beantworten. Bei bestimmten UV-Filtern konnten Forscher nachweisen, dass sie nach dem Auftragen im Körper beziehungsweise im Blut messbar sind.
Die zweite Frage ist deutlich wichtiger. Aus dem bloßen Nachweis eines Stoffes folgt noch kein gesundheitliches Risiko. Nach aktuellem Wissensstand sehen Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften keinen Grund, auf Sonnenschutz zu verzichten. Gleichzeitig gelten die Folgen ungeschützter UV-Strahlung – von Sonnenbrand bis Hautkrebs – als wissenschaftlich gut dokumentiert.
Wer Unsicherheiten vermeiden möchte, muss sich allerdings nicht zwischen SPF 25, SPF 50, chemischen oder mineralischen Filtern entscheiden. Oft hilft bereits eine deutlich einfachere Maßnahme: Schatten aufsuchen, einen Hut aufsetzen oder ein UV-Shirt tragen.
Und damit schließt sich der Kreis zum Anfang. Über Sonnencremes, Inhaltsstoffe und Schutzfaktoren wird jeden Sommer diskutiert. Der wirksamste Sonnenschutz besteht jedoch oft darin, weniger Haut der Sonne auszusetzen und einen kühlen Kopf zu bewahren.
(red)


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