Lockere Krawatte für Männergesundheit und Früherkennung

m Gesicht wächst ein Schnauzbart, im Büro sitzt die Krawatte locker: Im November werben zwei sichtbare Symbole dafür, sich Zeit für die eigene Gesundheit zu nehmen. Mit ihrer Loose-Tie-Aktion ruft die Österreichische Krebshilfe Männer ab 50 zur Prostatakrebs-Früherkennung auf, bei familiärer Vorbelastung bereits ab 45. Als Testimonial steht heuer Musiker Georgij Makazaria vor der Kamera.

Loose Tie ist eine österreichische Initiative

Die gelockerte Krawatte steht dafür, zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen auch den Arzttermin einzuplanen. Gestartet wurde Loose Tie 2015 von der Österreichischen Krebshilfe gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie sowie dem Berufsverband der Urologen.

Parallel dazu setzt die internationale Movember-Bewegung auf den Schnauzbart als Gesprächsanlass. Die beiden eigenständigen Initiativen verbindet ein gemeinsames Anliegen: Männer zu motivieren, auf ihre Gesundheit zu achten und Vorsorgeangebote wahrzunehmen.

Krebshilfe-Geschäftsführerin Martina Löwe, Musiker Georgij Makazaria und Fotografin Sabine Hauswirth begleiten die diesjährige Loose-Tie-Aktion.

Krebshilfe-Geschäftsführerin Martina Löwe, Musiker Georgij Makazaria und Fotografin Sabine Hauswirth begleiten die diesjährige Loose-Tie-Aktion. | © Ninon Hauswirth

Warum im November Schnauzbärte wachsen

Movember begann 2003 in Melbourne mit 30 Männern, die den damals aus der Mode gekommenen Schnauzbart zurückbringen wollten. Aus der Idee entstand eine internationale Spendenbewegung. Der Name verbindet „Mo“, die australische Kurzform für Moustache, mit November.

Die Spielregel ist einfach: Teilnehmer starten am 1. November glatt rasiert und lassen anschließend den ganzen Monat über einen Schnauzbart wachsen. Die Veränderung im Gesicht soll Fragen auslösen und Gelegenheit geben, über Gesundheit zu sprechen und Spenden zu sammeln. Wer keinen Bart wachsen lassen möchte, kann mit Bewegungsaktionen oder Veranstaltungen teilnehmen.

Aus Australien verbreitete sich die Bewegung unter anderem nach Großbritannien, Kanada, in die USA, nach Deutschland und Österreich. Heute unterstützt Movember neben Projekten zu Prostata- und Hodenkrebs auch psychische Gesundheit und Suizidprävention.

Muss ich auf erste Beschwerden achten?

Auf Veränderungen zu achten ist sinnvoll. Auf sie zu warten, bevor man Früherkennung erwägt, dagegen nicht: Prostatakrebs verursacht im Frühstadium meist keine Beschwerden.

Häufiger Harndrang, Probleme beim Wasserlassen oder Blut im Urin beziehungsweise in der Samenflüssigkeit gehören ärztlich abgeklärt. Solche Beschwerden bedeuten nicht zwangsläufig Krebs; dahinter können auch gutartige Veränderungen stecken. Bei Symptomen geht es um die Abklärung einer konkreten Ursache – unabhängig vom Einstiegsalter für Früherkennung.

Was passiert beim ersten Check?

Der erste Check umfasst nach den Empfehlungen der Krebshilfe ein Gespräch über Krankengeschichte und familiäre Belastung sowie eine Blutabnahme zur Bestimmung des PSA-Werts. PSA steht für prostataspezifisches Antigen, ein von der Prostata gebildetes Eiweiß.

Die Tastuntersuchung gehört nach dem Früherkennungskonzept der Krebshilfe nicht mehr routinemäßig zu diesem ersten Check. Bei Beschwerden oder auffälligen Befunden kann sie zur weiteren Abklärung gehören.

Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?

Ein erhöhter Wert ist keine Krebsdiagnose. Auch eine gutartige Prostatavergrößerung oder Entzündung kann PSA ansteigen lassen. Je nach Befund kommen eine Kontrollmessung, eine Magnetresonanztomografie (MRT) und gegebenenfalls eine Gewebeprobe infrage.

Die europäischen urologischen Leitlinien empfehlen eine individuelle Abwägung: Früherkennung kann gefährliche Tumoren rechtzeitig entdecken, aber auch langsam wachsende Tumoren, die nie Beschwerden verursacht hätten. Daraus können unnötige Behandlungen entstehen. Die Abstände weiterer Tests richten sich nach dem persönlichen Risiko und dem PSA-Ausgangswert.

Welche Altersgruppe sollte früher beginnen?

Bei Prostatakrebs in der Familie empfiehlt die Krebshilfe den Einstieg ab 45 statt ab 50. Erkrankungen von Vater oder Bruder sollten deshalb beim Gespräch ausdrücklich angesprochen werden. Bei einer bekannten Veränderung des BRCA2-Gens, die das Prostatakrebsrisiko erhöht, sehen die europäischen Leitlinien einen Beginn bereits ab 40 vor.

Erster Check ohne Terminvereinbarung

Einen zusätzlichen Zugang bietet die zweite Lange Nacht der Urologie am 9. November 2026: Von 17 bis 21 Uhr können Männer ab 50, die noch nie bei der Prostatakrebs-Früherkennung waren, teilnehmende Ordinationen und Kliniken ohne Terminvereinbarung aufsuchen. Die Veranstaltungsseite führt die Standorte nach Bundesländern an.

Es gelten die jeweiligen Abrechnungsbedingungen der Kassen- und Wahlarztordinationen; auch die Kostenübernahme für den PSA-Test hängt vom Versicherungsträger ab. Kosten daher vorab klären und die e-card mitbringen.

(PA/red)