Von Grün bis Schwarz: Die Looks am Wiener Opernball

Der Wiener Opernball ist Projektionsfläche und Brennglas zugleich. Wer kommt, wer fehlt, wer glänzt – all das entfaltet sich in der Erzählung eines Abends. Die Ballnacht 2026 setzte dabei weniger auf schrille Effekte als auf kontrollierte Auftritte. Die Farbpalette reichte von kräftigem Rubinrot bis zu viel klassischem Schwarz. Doch jenseits der Stoffe prägten vor allem die Stars aus Show und Politik das Geschehen. Mitten drin der ORF, der den Staatsball ausgiebiger denn je begleitete. Die neue Regie setzte dabei auf ruhigere Szenenwechsel und behielt redaktionell die Oberhand – was sich auszahlte.

Andi Knoll interviewt Sharon Stone – sichtlich aufgewühlt und unter Tränen – am Red Carpet.

Andi Knoll interviewt Sharon Stone am Red Carpet. | © ORF/Roman Zach-Kiesling

Mode als Kompass

Auf der Feststiege dominierte 2026 eine auffallend reduzierte Farbwahl. Schwarze Roben schienen vielen Damen die richtige Entscheidung – elegant, zurückhaltend, avantgardistisch, zeitlos. Erdfarben, glatte Stoffe, matter Schimmer und dezente Applikationen prägten das Bild vieler einfärbig gehaltener Kleider. Hochkarätiger Schmuck – teils geliehen, teils aus privatem Besitz – wurde ebenso aufmerksam registriert.

Sharon Stone wählte einen anderen Weg: ein von Gustav Klimt inspiriertes Printdesign von Valentino, getragen als weiter Rock, dazu ihr französischer Orden der Künste am Revers. Nadine Leopold trug eine scharlachrote Kreation der Austro-Designerin Eva Poleschinski. Leona König erschien in einer aufwendig gearbeiteten Jean-Paul-Gaultier-Robe. Sandy Meyer-Wölden wählte einen Prinzessinnen-Look in zartem Rosa, während Maria Angelini-Santner in einer Chiffon-Robe von Laskari erschien.

Internationale Designer waren ebenfalls stark vertreten: Amra Džeko entschied sich für Zuhair Murad, Iris Law für Lanvin mit Swarovski-Schmuck. Kristina Worseg setzte mit einer Hommage an Maria Theresia in einer Kreation von Luis Morales ein historisch inspiriertes Statement. Weitere Akzente setzten Fran Drescher im schwarzen Dolce-&-Gabbana-Smokingkleid und Adriana Karembeu in einer Kreation von Anelia Peschev.

Glitzerndes Medienumfeld

Auch aus dem ORF-Umfeld gab es modische Akzente: Teresa Vogl trug eine Robe mit Cut-outs und Federn von Eva Poleschinski, Mirjam Weichselbraun entschied sich für ein großes schwarzes Kleid mit Monroe-Referenz. Lilian Klebow erschien in einer blauen Kreation von MD Modedesign. Davina Geiss und Shania Geiss wählten schlichte Silhouetten von Silke Scholz, kombiniert mit Schmuck von Swarovski. Silvia Schneider erschien in einer rubinroten Maßanfertigung. Amelia Spencer und Eliza Spencer sorgten in Oscar de la Renta für internationalen Glanz.

  • ORF-Moderatorin Lilian Klebow in einer blauen Kreation von MD Modedesign.
    Lilian Klebow in einer blauen Kreation von MD Modedesign. | © ORF

Diskutiert wurden auch die Swarovski-Diademen der Debütantinnen. Handwerklich präzise gearbeitet, erinnerten sie in ihrer Silhouette deutlich an das Firmenemblem. Selbst im ORF-„Kammerl“ wurde diese Nähe zur Marke mit einem Augenzwinkern thematisiert.

Zwischen Grün, Blau, Gold und viel Schwarz erwies sich eine Robenfarbe am Opernball als besonders anspruchsvoll: Rot. Heuer schmückten Tausende rote Rosen die Staatsoper, dazu ein roter Teppich und roter Samt überall. Wer mit Pink oder kräftigen Rottönen antanzte, hatte es in diesem Setting schwer, visuell Akzente zu setzen. Für ein bewusst gesetztes politisches Statement sorgte EU-Abgeordnete Lena Schilling in einer grünen Robe, die ihren klimapolitischen Anspruch sichtbar machte.

Künstlerische Eröffnung

Die künstlerische Eröffnung setzte überwiegend internationale Akzente. Nach dem Einzug der Debütantinnen und der Fächerpolonaise erklangen neben Johann Strauss auch Kompositionen von Leonard Bernstein und Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Damit spannte das Programm einen Bogen von Wiener Walzertradition über Broadway bis zur russischen Romantik.

Die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende interpretierte gemeinsam mit dem französischen Tenor Benjamin Bernheim Auszüge aus West Side Story. Yende erschien in einer blau-metallischen Robe und schimmerte mit feinem Glitzer auf der Haut. Ihr Auftritt verband stimmliche Klarheit mit sichtbarer Bühnenpräsenz. Bernheim hielt dagegen mit klassischer Eleganz und kraftvoller Stimme.

Auch das Wiener Staatsballett setzte künstlerische wie modische Akzente. In einer eigens für den Abend erarbeiteten Choreografie tanzte das Ensemble in Kostümen von Giorgio Armani, deren klare Schnitte die Bewegung betonten. Die reduzierte Farbgebung hatte jedoch einen unerwarteten Nachteil: Es gab praktisch keinen Kontrast zum Tanzparkett, da sich die Farbtöne zu stark glichen. Dass dieser kein Fischgrätmuster aufweist, fiel in diesem Zusammenhang erstmals deutlicher auf.

Präsenz und Abwesenheit

Mindestens ebenso aufschlussreich wie die Modewahl war das Ausmaß an politischer Präsenz. Bundeskanzler Christian Stocker fehlte aufgrund eines EU-Termins in Brüssel, mehrere Regierungsmitglieder blieben fern. Auch Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck sagte krankheitsbedingt ab.

Andreas Babler in Begleitung seines Freundes Max Minichmayr im ORF-Interview.

Andreas Babler und Max Minichmayr im Interview. | © ORF/Roman Zach-Kiesling

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und First Lady Doris Schmidauer verfolgten das Geschehen aus der Loge. Ebenso Vizekanzler Andreas Babler, der erstmals am Opernball teilnahm. Er erschien in Begleitung seines langjährigen Freundes Max Minichmayr, eines Klienten der Lebenshilfe Niederösterreich. Der gemeinsame Besuch wurde als Zeichen für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe gewertet.

Daneben saßen Infrastrukturminister Peter Hanke sowie die Staatssekretäre Elisabeth Zehetner und Alexander Pröll, letzterer mit der deutschen Forschungsministerin Dorothee Bär als Gast. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger empfing ihre philippinische Amtskollegin in einer eigenen Loge. Ihre Robe mit goldenen Sternen zitierte europäische Symbolik in zurückhaltender Form.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig begrüßte den Hamburger Stadtchef, Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer war bei Politikberater Karl Jurka geladen. Überdies kam jede Menge Showprominenz zum Ball.

  • Sharon Stone, Laird Vonne Stone, Waltraud und Karl Guschlbauer beim 68. Wiener Opernball 2026 in der Staatsoper in Wien am 12.02.2026.
    Sharon Stone, Laird Vonne Stone, Waltraud und Karl Guschlbauer. | © Tinnefeld

Opernball 2026 im TV

Die ORF-Übertragung setzte in diesem Jahr auf eine spürbar ruhigere Bildregie. Statt hektischer Live-Einstiege dominierte eine kuratierte Szenenauswahl. Ob in Interviewsituationen, bei der Gästeankunft oder mitten im Ballgeschehen – unter der neuen Regie konnte sich nicht mehr jeder ins Bild drängen und die Gunst der Stunde im Live-Schatten anderer nutzen. Andi Knoll, Mirjam Weichselbraun und Teresa Vogl führten Interviews am Red Carpet teilweise zeitversetzt, wodurch mehr inhaltliche Tiefe möglich war.

Im sogenannten „Kammerl“ analysierten Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz die Auftritte, ohne den Abend in permanente Bewertung zu überführen. Traditionelle Logenbereiche erhielten wie gewohnt Aufmerksamkeit – ebenso alle Stargäste und ihre großzügigen Gastgeberinnen.

Alles in allem blieb der Opernball 2026 ein Abend der kontrollierten Töne. Die Mode bildete den Grundton, die Politik lieferte Zwischentöne, und die mediale Inszenierung hielt den Dirigentenstab.

(red)