Barbara Schuster übernimmt MeinBezirk Wien Chefredaktion
Die Trennung zwischen Print- und Onlineführung bei MeinBezirk Wien endet. Barbara Schuster, 36, übernimmt die gesamte Chefredaktion des Wiener Lokalmediums. Für Nicole Gretz-Blanckenstein bleibt in der neuen Konstellation keine Funktion: Sie scheidet aus dem Unternehmen aus. Gerhard Riedler, Geschäftsführer der RegionalMedien Wien, und die Vorstände der RegionalMedien Austria, Georg Doppelhofer und Andreas Eisendle, verabschieden sie mit Dank für ihre langjährige Arbeit. Einen Grund für den Abgang wird weder genannt noch angedeutet.
Vom Stadtfernsehen zur Bezirkszeitung
Als Gretz-Blanckensteins Bestellung am 13. Oktober 2016 bekannt wurde, hieß das Blatt noch bz-Wiener Bezirkszeitung. Die damals 39-Jährige übernahm Anfang November von Christoph Schwarz, der das Unternehmen Ende September verlassen hatte. Der damalige Geschäftsführer Maximilian Schulyok setzte auf ihre Erfahrung im Wiener Lokaljournalismus, ihr Netzwerk und ihre Fähigkeiten bei der strategischen Entwicklung der Produkte.
Die gebürtige Wienerin brachte bereits zwei Jahrzehnte Medienerfahrung mit. Nach einer Station beim Nachrichtenmagazin Format wechselte sie 2003 zum Wiener Stadtsender Puls TV. Dort baute sie die Sendungen „Stadtreport“ und „in action“ auf. 2012 wurde sie Senderchefin von schau TV; vier Jahre später folgte der Wechsel an die Spitze der Bezirkszeitung.
Ihre Vorstellung von Lokaljournalismus formulierte Gretz-Blanckenstein bei ihrem Amtsantritt mit einem Bild: Die bz solle eine „Gebrauchsanweisung für die Stadt“ bieten und „ein Navi durch die Grätzl“ sein. Die Zeitung erschien damals mit 23 wöchentlichen Bezirksausgaben. Ihr journalistischer Bezugspunkt war damit die unmittelbare Lebensumgebung der Wiener Bevölkerung.
Schusters Weg in die Chefredaktion
Die gebürtige Niederösterreicherin Schuster studierte Politikwissenschaft und absolvierte die Journalismus-Lehrredaktion des Österreichischen Journalisten Clubs. Dazu kamen Weiterbildungen an der Katholischen Medienakademie und beim Forum Journalismus und Medien Wien.
Seit 2018 arbeitet sie bei den RegionalMedien Wien, zunächst als Redakteurin. Gemeinsam mit der damaligen nationalen Chefredakteurin Maria Jelenko-Benedikt baute sie den Wiener Newsroom auf. Im Juli 2022 übernahm sie als Online-Chefredakteurin die Leitung der Digitalredaktion.
Zu ihren damaligen Schwerpunkten gehörten der Ausbau von Videoinhalten und die Ansprache jüngerer Zielgruppen über Social Media. Neben der Weiterentwicklung des Newsrooms ist Schuster auch als Trainerin für Digital- und Lokaljournalismus in der unternehmensinternen Akademie tätig.
Die einstige Symbiose endet
Mit Schusters Bestellung zur Online-Chefredakteurin erhielt die digitale Berichterstattung eine eigene Führung. Gretz-Blanckenstein blieb für die 23 gedruckten Bezirksausgaben verantwortlich. Den gemeinsamen Anspruch beschrieb die Printchefin damals als „perfekte Symbiose aus Print und Online“.
Schon im Vorjahr wurde die Führung auf nationaler Ebene umgebaut. Maria Jelenko-Benedikt, seit September 2019 nationale Chefredakteurin der RegionalMedien Austria, schied Mitte September 2025 nach sechs Jahren aus dem Unternehmen aus. Ihre Position wurde nicht direkt nachbesetzt. Stattdessen übernahmen die Bundesland-Chefredaktionen die nationale Printverantwortung und Redaktionskoordination im Halbjahresrhythmus, zunächst unter Roland Reischl aus der Steiermark.
Von dieser Neuordnung profitierte Schuster bereits: Der digitale Newsdesk für Österreich wurde mit dem Wiener Newsdesk zusammengeführt und ihrer Leitung unterstellt. Damit verantwortete sie neben Wien auch die digitale nationale Berichterstattung.
Nun endet nach gut vier Jahren auch die Wiener Arbeitsteilung. Schuster übernimmt jene Aufgaben, die bisher bei Gretz-Blanckenstein lagen. Nach Jelenko-Benedikts Abgang auf nationaler Ebene verlässt damit binnen gut eines Jahres eine weitere langjährige Chefredakteurin das Unternehmen. Schusters Zuständigkeit wächst ein zweites Mal.
Dank ohne Erklärung
Riedler begründet Schusters Aufstieg mit ihrer Erfahrung, ihrer Kenntnis der Redaktion und ihrer digitalen Kompetenz. Künftig soll die Verbindung zwischen regionaler Berichterstattung und digitalen Angeboten unter einer gemeinsamen Leitung weiterentwickelt werden.
Für Gretz-Blanckenstein endet die Amtszeit knapp vor ihrem zehnten Jubiläum. Zum Abschied würdigt Riedler ihren journalistischen Einsatz und ihre Impulse für das Medium. Was zur Trennung geführt hat, bleibt offen. Der organisatorische Schnitt ist dagegen eindeutig: Die Doppelspitze wird aufgelöst, Schuster erhält die alleinige Verantwortung, Riedler stellt sich neben sie.
(PA/red)


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