Politiktrafik erklärt Politik seit drei Jahren auf Social Media

Seit Herbst 2023 produziert Politiktrafik Erklärvideos, Infoposts und Interviews mit Politikerinnen und Politikern. Das Wiener Projekt wurde von Studierenden gegründet und versteht sich als unabhängiges Medien- und Bildungsprojekt. Zum dreijährigen Bestehen verweist die Redaktion auf ein wachsendes Team und journalistische Kooperationen. Bei der Berichterstattung über die ORF-Sommergespräche erreichte sie nach eigenen Angaben mehr als 180.000 Userinnen und User.

Politik in Jugendsprache

Die Redaktion will österreichische Innenpolitik und EU-Themen verständlich erklären. Dafür setzt sie auf kurze Videos, Straßeninterviews und Gespräche mit Politikerinnen und Politikern. Das Format orientiert sich an der Funktionsweise sozialer Netzwerke: Inhalte werden stark verdichtet, visuell aufbereitet und über junge Moderatorinnen und Moderatoren vermittelt.

Auf dem Instagram-Profil weist Politiktrafik derzeit 290 Beiträge, 3.224 Follower und 86 abonnierte Accounts aus. Die Website dient vor allem der Vorstellung des Projekts und seines Teams. Die laufenden journalistischen Beiträge erscheinen auf Instagram und TikTok.

Julia Hanusch hält ein Mikrofon vor einem violetten Hintergrund mit Politiktrafik-Logo und der Aufschrift „Graz-Wahl: FPÖ am Land, KPÖ in der Stadt?“.

Julia Hanusch, Host und Redakteurin bei Politiktrafik, vermittelt politische Themen auf Instagram. | © Politiktrafik

Politiktrafik bezeichnet seine Arbeit als Beitrag zur politischen Bildung. Im Mittelpunkt steht die Idee, junge Menschen dort zu erreichen, wo politische Meinungsbildung längst stattfindet. „Richtig genutzt, ist Social Media so viel mehr als Unterhaltung“, sagt Vorstandsmitglied Jakob Gartner.

Der Satz fasst das Selbstverständnis des Projekts zusammen: Social Media wird primär als Unterhaltungsmedium betrachtet, das durch Projekte wie Politiktrafik als pädagogischer und demokratischer Raum aufgewertet werden soll. „Wir wollen ein Gegengewicht zu Fake News auf Social Media sein“, lautete die Gründungsidee. Beide Aussagen unterstreichen den Anspruch, sich als journalistisches Angebot auf den Plattformen zu positionieren.

FJUM als Ausbildungs- und Vernetzungsstelle

Begleitet wird Politiktrafik seit Beginn vom FJUM – forum journalismus und medien Wien. Der Verein versteht sich als Weiterbildungseinrichtung für Journalistinnen, Journalisten und Medienschaffende. Angeboten werden Workshops, Lehrgänge und Programme zu Digitaljournalismus, Smartphone-Video, Social Media und Medieninnovation.

Das FJUM wird unter anderem durch öffentliche Mittel, darunter die österreichische Presseförderung und Unterstützung der Stadt Wien, finanziert. Als Ausbildungs- und Vernetzungsstelle bietet der Verein Zugang zu journalistischem Wissen, Kontakten und professionellen Produktionsformen. Diese Begleitung gehört zum Umfeld, in dem Politiktrafik sein Angebot entwickelt.

Drei Mitglieder des Politiktrafik-Teams betrachten gemeinsam ein Smartphone im Freien

Obmann Jakob Gartner, Vorstand und Host Konstantin Schinagl und ein weiteres Mitglied des Politiktrafik-Teams. | © Karo Pernegger

Richtig genutzt

Die 86 gefolgten Accounts auf Instagram geben einen weiteren Einblick in die Orientierung des Projekts. Dazu gehören die Weiterbildungseinrichtung FJUM sowie die journalistischen Nachwuchsprogramme Ressort Z und das 360° Journalist:innen Traineeship. Im Bereich politischer Bildung und demokratischer Beteiligung finden sich PolEdu, die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik und mehr Demokratie! Österreich. Politiktrafik folgt außerdem dem Europäischen Parlament in Österreich und dem Presseclub Concordia sowie Medien wie ORF, profil, Der Standard, Falter, DOSSIER, Wiener Zeitung, DIE ZEIT und an.schläge.

Für die Verbreitung seiner Inhalte bleibt Politiktrafik zugleich auf die Regeln der Plattformen angewiesen. Instagram und TikTok bestimmen über Moderation, Empfehlungen und algorithmische Sichtbarkeit, unter welchen Bedingungen politische Inhalte ihr Publikum erreichen. Der Anspruch auf ein unabhängiges Medienangebot trifft damit auf eine kommerzielle Infrastruktur: Über deren Regeln und die Verteilung von Aufmerksamkeit entscheiden die Plattformbetreiber.

(PA/red)