Quiz-Auflösung rund um das ORF-Programm 2027

Neue heimische Serien, mehr True Crime und Abschiede von vertrauten Quizformaten: Das ORF-Programm für die Saison 2026/27 zeigt, wo der Sender unter Spardruck seine Prioritäten setzt. Es verbindet neue Angebote für jüngere Zielgruppen mit bewährten Blockbustern. Das im Vorjahr formulierte Ziel, trotz Einsparungen möglichst viel Programm zu erhalten, bekommt damit konkrete Konturen. Publikumslieblinge können aufatmen: Der angespitzte Rotstift zeichnet bei den ORF-Stars in der Hall of Fame statt eines X ein freundliches Herz.

Dass für bekannte Gesichter das Ende einer Sendung noch lange keinen Bildschirmabschied bedeutet, führt Barbara Karlich nach dem Aus ihres Nachmittagstalks vor Augen. Mit „Studio 2“, „Barbara Karlich unterwegs“ und „9 Plätze – 9 Schätze“ ist sie gefühlt präsenter denn je. Ihr Kollege Armin Assinger dürfte ähnlich weich fallen. Er darf die „Millionenshow“ vorerst bis zur Sommerpause 2027 weiterführen.

Gemeinsam suchen die beiden am kommenden Nationalfeiertag wieder Österreichs schönste Plätze. Für Juni 2027 steht für Assinger bereits „Ein Sommer in Österreich“ mit Silvia Schneider im Plan. Sein Gesicht wird er beim ORF so schnell nicht verlieren – weder im Programm noch in der hauseigenen Ahnengalerie.

Gerahmte Plakate mit Porträts von ORF-Persönlichkeiten an einer dunklen Wand im ORF-Zentrum.

Zwischen „Hall of Fame“ und Ahnengalerie feiert der Küniglberg seine ORF-Stars. | © keymedia

Wo das Sparen sichtbar wird

Im September 2025 hatte der damalige Generaldirektor Roland Weißmann für die Jahre 2027 bis 2029 Einsparungen von rund 130 bis 140 Millionen Euro angekündigt. Das Programmangebot sollte möglichst wenig eingeschränkt werden. Nun bekommen die Prioritäten konkrete Sendungsnamen.

Die Programmdirektion spart gegenüber dem Vorjahr 25 bis 30 Millionen Euro ein. Stefanie Groiss-Horowitz begründet die Auswahl mit einer Abwägung zugunsten österreichischer Fiction, Kultur und Dokumentationen. Die Quizformate „Smart 10“ und „Q1“ ziehen dabei den Kürzeren. Ihr Publikum könnte sich künftig wieder stärker der Rätsel-Krone widmen und abhanden kommen.

Johannes B. Kerner vor dem Schriftzug „Der Quiz-Champion – Das Österreich-Deutschland-Special“.

Johannes B. Kerner moderiert das Österreich-Deutschland-Special von „Der Quiz-Champion“. | © ORF/ZDF/Thomas Kierok

Ganz auf Rätselraten verzichten muss man nicht. Am 21. und 24. Oktober bringt die ZDF/ORF-Koproduktion „Der Quiz-Champion – Das Österreich-Deutschland-Special“ mit Johannes B. Kerner gemischte Kandidaten- und Expertenpaare zusammen. Im Finale geht es um 100.000 Euro. Für das große Quizereignis mit den deutschen Nachbarn reicht das Budget, während die heimische Eigenproduktion ausgedünnt wird.

Junge Serien und neue Ermittler

Zu den neuen Fiction-Angeboten zählt „Pflegeleicht“, das 2027 in ORF 1 und auf ORF ON zu sehen sein soll. Im Mittelpunkt stehen Nachwuchskräfte im Elisabeth Krankenhaus, die zwischen Personalmangel, Ausbildung und privaten Verwicklungen ihren Platz im Berufsleben suchen. Zum Ensemble gehören unter anderem Elif Duygu, Annalena Hochgruber und Nils Arztmann.

Mit weiteren Staffeln von „School of Champions“ und „Biester“ hält der ORF auch an seinen Geschichten über junge Lebenswelten fest. Ob sich das angestrebte Publikum darin wiederfindet, bleibt abzuwarten. Die erwachsenen Serienmacher dürfen sich jedenfalls weiterhin jugendlich austoben.

Beim österreichischen „Tatort“ steht ein Generationenwechsel bevor: Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser verabschieden sich am 27. Dezember mit „Dann sind wir Helden“. 2027 übernehmen Miriam Fussenegger und Laurence Rupp als Charlie Hahn und Alex Maleky. Ihre ersten Fälle führen sie in den Wiener Gemeindebau und in die Kunstszene. Weitere neue Thrillerstoffe liefern „Das Vergessen“ und „Gnadenlos – Gegen das Gesetz“.

Echte Verbrechen, sanfte Erscheinung

Ab November widmet sich die neue True-Crime-Reihe „TATsache“ Verbrechen der jüngeren Vergangenheit. Zu den angekündigten Themen zählen der Fall um den „Bierwirt“ und die Mordserie an obdachlosen Menschen. Die Reihe soll auch nach den gesellschaftlichen Zusammenhängen hinter den Taten fragen.

Stefan Lenglinger übernimmt den begleitenden Podcast. Dort spricht er mit Gästen über die Fälle und vertieft Hintergründe, die über die Rekonstruktion des Tatgeschehens hinausreichen. Das Zusammenspiel von Fernsehsendung und Podcast bietet damit Gelegenheit, den oft auf spektakuläre Einzelheiten verkürzten Geschichten mehr Raum zu geben.

Stefan Lenglinger neben einem Fingerabdruckmotiv und dem Schriftzug „TATsache – Der Podcast“.

Stefan Lenglinger vertieft im begleitenden Podcast zur neuen True-Crime-Reihe „TATsache“ die Fälle und ihre gesellschaftlichen Hintergründe. | © ORF/Hans Leitner

Lenglingers adrettes Auftreten trifft auf Fingerabdruck und Tatort-Symbolik. Der junge Mann wirkt beinahe zu wohlerzogen für die menschlichen Abgründe, die hier behandelt werden. Ob dieser Kontrast trägt, muss sich erst zeigen. An düsteren Stoffen mangelt es dem Format jedenfalls nicht.

Herrschaftliche Nähe

Ein deutlich stimmigeres Casting bringt Johann-Philipp Spiegelfeld zu Gesicht. Für 2027 sind drei neue Ausgaben von „Herrschaftszeiten! – Johann-Philipps Schlossbesuche“ angekündigt. Hinzu kommen weitere Klosterbesuche unter dem Titel „Herrgottszeiten!“.

Spiegelfeld stammt selbst aus einer ehemals adeligen Familie. Wenn er bei Schlossbesitzern anklopft, hat das entsprechend etwas von einem Familienbesuch. Die gepflegte Nähe gehört zum Charme des Formats – lässt aber genauso die Grenze zwischen Fernsehporträt und touristischer Imagepflege verschwimmen. So freundlich ins Bild gerückte Anwesen könnten sich den einen oder anderen Werbeprospekt beinahe sparen. Während andernorts im Programm gespart wird, bleiben die Schlosstüren und herrschaftliche Anwesen geöffnet.

Johann-Philipp Spiegelfeld mit verschränkten Armen vor einem Schloss.

Johann-Philipp Spiegelfeld setzt seine Schlossbesuche fort. Für 2027 sind drei neue Ausgaben von „Herrschaftszeiten!“ angekündigt. | © ORF/Interspot/Carlo

Neue Wege zum Publikum

Für jüngere Zielgruppen soll noch 2026 ein Creator- und Talent-Netzwerk starten. Gemeinsam mit jungen Menschen will der ORF Inhalte für soziale Plattformen entwickeln. Angebote wie „SAFE SO!“ zu Konsum- und Alltagsfragen oder die funk-Kooperation „SAG MAL!“ über junge Lebenswelten außerhalb der Großstadt zeigen die Richtung mit deutlichen Ausrufezeichen.

Auch im linearen Programm werden Plätze neu verteilt. An die Stelle des werktäglichen „ZIB Magazins“ soll ein Sportformat unter dem Arbeitstitel „Sport 20“ treten, das auch dem Breitensport Raum gibt. Für das Magazin sind künftig zehn bis zwölf längere Ausgaben pro Jahr vorgesehen.

Große Publikumstermine bleiben erhalten: „Dancing Stars“ kehrt im Frühjahr zurück, die Alpine Ski-WM zählt zu den Sporthöhepunkten, und die Kultur setzt unter anderem einen Beethoven-Schwerpunkt. Neue Zugänge versprechen außerdem die Tonspur „Klare Sprache“, die Hintergrundgeräusche reduziert, und das Slow-TV-Angebot „Schau-Fenster“ für Menschen mit Demenz.

Beim Sport wird geteilt

Bei den Sportrechten setzt der ORF weiterhin auf Zusammenarbeit mit privaten Mitbewerbern. Die Formel-1-Kooperation mit ServusTV wird bis einschließlich 2029 fortgesetzt. Gemeinsam decken die beiden Sender alle Rennen im Free-TV ab. Auf den ORF entfallen künftig elf Grands Prix pro Saison, darunter 2027 auch das Heimrennen in Spielberg. Die Königsklasse bleibt damit erhalten, wenn auch mit einem Rennen weniger pro Jahr im öffentlich-rechtlichen Programm.

Auch mit ProSiebenSat.1 PULS 4 wird kooperiert: Beim ÖFB-Cup zeigen PULS 4 und Joyn ab der Saison 2026/27 vier ausgewählte Spiele pro Saison exklusiv, verteilt auf die Runden bis einschließlich Viertelfinale. Die Vereinbarung läuft über vier Spielzeiten. Im Wettbewerb um Zuschauer darf man sich also durchaus gegenseitig den Ball zuspielen.

ORF-AWARDS 2026

Beim Branchenabend am Donnerstag, 24. September, werden schließlich auch jene ausgezeichnet, die das ORF-Umfeld für Werbung nutzen. Die ORF-Enterprise verleiht die ORF-AWARDS 2026 in den Kategorien „GESEHEN“, „GEHÖRT“ und „GEKLICKT“. Prämiert wird die Zusammenarbeit von Auftraggebern, Kreativ- und Mediaagenturen sowie Produktionsfirmen.

Goldene ORF-AWARDS-Trophäen für die Kategorien „GESEHEN“, „GEHÖRT“ und „GEKLICKT“.

ORF-AWARDS-Trophäen: „GESEHEN“, „GEHÖRT“ und „GEKLICKT“ in Gold. | © ORF/Klaus Titzer

30 Arbeiten stehen auf den Shortlists. McDonald’s ist in allen drei Kategorien vertreten, DMB. führt unter den Kreativagenturen mit sechs Platzierungen. Welche Teams die Auszeichnungen mitnehmen, zeigt sich am Donnerstag am ORF-Mediencampus.

(PA/red)