
Studie für neue Journalismusförderung liegt am Tisch
Eine umfassende Studie zur Zukunft der Medienförderung in Österreich skizziert einen grundlegenden Umbau des Systems. Vorgesehen ist eine stärkere Ausrichtung auf journalistische Qualität, Infrastruktur und digitale Entwicklungen. Mit der Präsentation der Studie „Journalismusförderung in Österreich“ hat das Medienministerium einen möglichen Fahrplan für die Neuordnung der staatlichen Förderpolitik ab 2028 vorgelegt. Die Untersuchung wurde vom Medienhaus Wien unter Leitung des Medienforschers Andy Kaltenbrunner erstellt. Medienminister Andreas Babler bezeichnete die Vorschläge als Grundlage für politische Verhandlungen mit den Regierungsparteien.
Die Studie diagnostiziert eine angespannte wirtschaftliche Lage der Branche. Internationale Plattformen und Social-Media-Anbieter hätten zu massiven Verschiebungen im Werbemarkt geführt. Gleichzeitig sei die Zahl der Journalistinnen und Journalisten in Österreich seit Mitte der 2000er-Jahre deutlich gesunken. Der Bericht spricht in diesem Zusammenhang von „dramatischen ökonomischen Verwerfungen“ und verweist auf eine strukturelle Gefährdung journalistischer Angebote.
Derzeit werden jährlich rund 89 bis 90 Millionen Euro an unterschiedlichen Förderinstrumenten vergeben. Diese sind auf zahlreiche Töpfe verteilt und in ihrer Wirkung begrenzt. Eine grundlegende Neuordnung gelte daher als notwendig.
Neues Modell für Journalismusförderung
Das vorgeschlagene Reformmodell sieht ein jährliches Gesamtvolumen von rund 110 Millionen Euro vor. Zentrale Förderbereiche sollen künftig journalistische Arbeitsplätze, redaktionelle Infrastruktur sowie digitale Geschäftsmodelle sein.
Jeweils rund 30 Millionen Euro sind laut Konzept für journalistische Beschäftigung und Infrastruktur vorgesehen. Weitere 20 Millionen Euro sollen in die Förderung digitaler Abonnements fließen. Ziel sei es, stabile Einnahmequellen für redaktionelle Arbeit zu stärken und direkte Beziehungen zwischen Medien und Publikum zu fördern.
Die Vergabe der Mittel soll weiterhin über die KommAustria erfolgen, ergänzt um eine eigenständige Förderkommission mit unabhängigen Fachleuten. Diese soll die Förderwürdigkeit anhand transparenter Kriterien prüfen.
Während Vertreter der Journalistinnen- und Journalistengewerkschaft den Reformansatz begrüßten, äußerte der Verband Österreichischer Zeitungen Skepsis gegenüber einem vollständigen Umbau des bestehenden Systems und warnte vor zusätzlicher Unsicherheit in einer wirtschaftlich angespannten Phase.

Grafik: Modell konvergente Journalismusförderung – Detail der Studie „Journalismusförderung in Österreich“
Digitale Angebote und Lokaljournalismus
Auffällig an der Studie ist, dass digitale Medien erstmals ausdrücklich als eigenständige Zielgruppe beschrieben werden. Während frühere Förderinstrumente vielfach auf bestehende Strukturen ausgerichtet waren, sieht das neue Modell verstärkt Maßnahmen für Medienangebote in der Aufbauphase vor. Insbesondere digitale Abonnementmodelle werden als zentraler Baustein für die langfristige Finanzierung journalistischer Inhalte genannt.
Besondere Bedeutung misst das Konzept dem Lokaljournalismus bei. Regionale Berichterstattung wird darin als wesentlicher Bestandteil demokratischer Öffentlichkeit bezeichnet. Initiativen zur Stärkung lokaler Informationsangebote sollten demnach gezielt unterstützt werden, um politische Teilhabe und gesellschaftliche Kommunikation auf regionaler Ebene zu sichern.
Darüber hinaus erweitert die Studie den Blick auf mögliche Geschäftsmodelle. Neben klassischen Werbeeinnahmen werden ausdrücklich auch community-basierte Finanzierungsformen wie Membership-Modelle oder andere direkte Unterstützungsmodelle berücksichtigt. Diese könnten künftig als stabilisierende Faktoren für journalistische Projekte bewertet werden.
Offene Fragen bei Zugangskriterien
Viele der vorgeschlagenen Instrumente befinden sich noch im politischen Abstimmungsprozess, und die konkreten Zugangskriterien sind bislang nicht final definiert. Die Studie verweist zudem darauf, dass bestehende Einstiegshürden für kleinere Medienangebote bisher eine Teilnahme an Förderprogrammen erschwert hätten – ob diese nun erleichtert werden, bleibt offen.
Auch das Verhältnis zwischen etablierten Medienhäusern und neuen Anbietern dürfte weiterhin ein strukturelles Thema bleiben. Große Unternehmen verfügen bereits über gewachsene Strukturen und Ressourcen, während neue Projekte stärker von Anschubfinanzierungen abhängig sind.
Ob und in welchem Umfang die vorgeschlagenen Änderungen umgesetzt werden, hängt daher maßgeblich von den kommenden politischen Verhandlungen ab. Klar ist jedoch, dass die Studie eine stärkere Ausrichtung auf Innovation, digitale Entwicklungen und regionale Berichterstattung als zentrale Elemente der zukünftigen Förderpolitik skizziert.
(red)

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