Kärntens Seen wecken die Neugier auf das Kaltbaden
Zwischen goldenem Herbst, nasskalten Tagen und Glatteissaison geht das Badeleben an Kärntens Seen normalerweise in die Winterpause. Schon der Gedanke, jetzt ins Wasser zu steigen, lässt einen frösteln. Wo sich zur Scheu die Neugier gesellt, bieten vier neue Kaltbadeplätze am Wörthersee Gelegenheit zum Ausprobieren. Damit stehen in Kärnten elf ausgewiesene Einstiegsstellen zur Verfügung. Begleitete Workshops führen an die ungewohnte Erfahrung heran und vermitteln, worauf es bei Vorbereitung, Kältereiz und den eigenen Grenzen ankommt.
Zwischen Seeufer und Berglandschaft
Zu den Kaltbadeplätzen in Kärnten gehören der panoramabeach in Drobollach am Faaker See und der Fischerpark in Döbriach am Millstätter See. Am Wörthersee ergänzen Reifnitz, die Teixlbucht West und Ost sowie der Seezugang Auen bei Velden das Angebot.
Am Faaker See bleiben die Berge auch dann ein Anreisegrund, wenn der Aufenthalt im kalten Wasser nur kurz ausfällt. Spaziergänge auf der Uferpromenade und Lokalbesuche lassen die Zeit vergehen. Rund um den Millstätter See kommen die Nockberge und die Thermalbäder in Bad Kleinkirchheim hinzu. So lässt sich ein Bad im kalten See oder ein Eisbad nah am Ufer mit einigen Tagen zwischen See, Bergen und warmem Thermalwasser verbinden.
Kaltbaden am Faaker See verbindet den kurzen Kältereiz mit dem Landschaftserlebnis. | © Kärnten Werbung / Michael Stabentheiner
Ausgewählte Hotels und Trainer bieten Kaltbade-Workshops in Kärnten an, teilweise auch für externe Gäste. Vorbereitung und der Umgang mit den eigenen Grenzen gehören dabei ebenso dazu wie der Einstieg ins Wasser.
Die Faszination der Kälte
Für Kaltbadetrainer Bernhard Friedrich begann das Interesse mit Bildern aus Finnland: Menschen, die nach der Sauna in einen zugefrorenen See steigen. Seinen ersten eigenen Versuch unternahm er 2018 in einem Badeteich nahe Graz. Daraus entwickelte sich später seine berufliche Tätigkeit als Trainer und Ausbildner.
Im Podcast „Woman Balance“ aus dem Jahr 2024, entstanden in Kooperation mit Kärnten Werbung, beschreibt Friedrich die Neugier und die Gemeinschaft beim Baden als wesentliche Antriebe. Auch die eindrucksvollen Bilder in sozialen Medien tragen aus seiner Sicht zur Verbreitung bei. Leistungsdruck soll im Wasser jedoch keinen Platz haben. „Es gibt keine objektiven Ziele, die es zu erreichen gibt“, sagt er.
Was der Kältereiz bewirkt
Friedrich beschreibt die Kälte als Stressimpuls: Die Atmung wird schneller, der Körper schaltet auf erhöhte Aufmerksamkeit. Sich diesem Reiz schrittweise auszusetzen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und ruhig zu bleiben, versteht er als Übung, die auch im Alltag beim Umgang mit Stress helfen kann.
Kaltes Wasser aktiviert das sympathische Nervensystem, das den Organismus auf Belastung vorbereitet. Die Hautgefäße verengen sich, der Körper versucht, Wärme zu bewahren. Untersuchungen zeigen außerdem eine verstärkte Ausschüttung von Botenstoffen wie Noradrenalin. Diese Aktivierung kann zum Gefühl von Wachheit nach dem Bad beitragen. Bei wiederholter, dosierter Kälteexposition kann sich die anfängliche Kälteschockreaktion abschwächen.
Auch die medizinische Kältetherapie nutzt körperliche Reaktionen auf niedrige Temperaturen. Örtliche Kühlung wird etwa bei bestimmten Verletzungen eingesetzt, um Schmerzen und Schwellungen zu lindern. Behandlungsziel und Dosierung bestimmen die Anwendung; ein Bad im winterlichen See findet unter anderen Bedingungen statt.
Elf ausgewiesene Kaltbadeplätze verteilen sich über Kärnten. | © Kärnten Werbung / Michael Stabentheiner
Mit Vorsicht ins kalte Wasser
Die Kärntner Verhaltensregeln wurden gemeinsam mit der Wasserrettung und Bernhard Friedrich entwickelt. Sie empfehlen gemeinsames Baden, kontrolliertes Hineingehen, den Verzicht auf Untertauchen und den Aufenthalt in Ufernähe. Die ausgewiesenen Plätze sind nicht betreut.
Gerade zu Beginn kann die Kälte unwillkürliches Luftschnappen und eine beschleunigte Atmung auslösen. Ein gut erreichbarer Ausstieg und Begleitung sind deshalb wesentlich. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gesundheitlichen Unsicherheiten sollte die Eignung vorher ärztlich geklärt werden.
Eine feste Minutenzahl ersetzt keine Rücksicht auf Tagesverfassung, Erfahrung und Bedingungen vor Ort. Trockene Kleidung, Windschutz und Zeit zum Aufwärmen gehören zur Vorbereitung. Die Vorsicht, die uns am winterlichen Ufer zögern lässt, darf auch beim neugierigen Schritt ins Wasser bleiben.
(PA/red)