Drei Viertel der Wege in Wien erfolgen ohne eigenes Auto

Während die Debatten rund um Verkehrspolitik in Wien oft von Stau, Parkplätzen oder Baustellen geprägt sind, zeigt der neue „Modal Split 2025“ vor allem eines: Der Alltag der Wienerinnen und Wiener funktioniert längst überwiegend ohne privaten Pkw. Laut der aktuellen Erhebung der Stadt Wien werden rund drei Viertel aller Alltagswege mit Öffis, zu Fuß oder dem Fahrrad zurückgelegt.

Grafik zum Modal Split 2025 mit Anteilen von Öffis, Fußverkehr, Radverkehr und Pkw-Nutzung in Wien

Laut Modal Split 2025 werden rund drei Viertel aller Alltagswege in Wien mit Öffis, zu Fuß oder dem Fahrrad zurückgelegt. | © Stadt Wien/MA 18 und Wiener Linien

Die neuen Zahlen zeigen keine plötzliche Veränderung sondern den fortschreitenden Paradigmenwechsel. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs liegt aktuell bei 33,6 Prozent, der Fußverkehr erreicht 30 Prozent und der Radverkehr 10,5 Prozent. Der Pkw-Anteil liegt bei 24,9 Prozent und hat sich damit seit 1993 deutlich reduziert.

Wien verändert seinen Mobilitätsmix

Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem eine langfristige Verschiebung im Mobilitätsverhalten der Wiener Bevölkerung. Große Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gab es laut Stadt nicht, der Modal Split blieb 2025 weitgehend stabil. Gleichzeitig bestätigt die Erhebung, dass sich der Alltag in Wien zunehmend ohne eigenes Auto organisiert.

Nach den Öffis ist das Zu-Fuß-Gehen inzwischen die zweitwichtigste Fortbewegungsform der Stadt. Insgesamt werden mehr als 40 Prozent aller Alltagswege ohne motorisierten Verkehr zurückgelegt. Öffis, Fuß- und Radverkehr bilden damit die Grundlage jener „umweltfreundlichen Mobilität“, auf die Wien seine Verkehrspolitik zunehmend ausrichtet.

Vor allem der hohe Anteil von Fuß- und Radverkehr gilt dabei als relevant für Emissionen, Energieverbrauch und Flächennutzung. Beide Mobilitätsformen verursachen im Alltag kaum direkte Emissionen und benötigen deutlich weniger Platz als motorisierter Individualverkehr.

Außenbezirke bleiben autoabhängig

Die Zahlen zeigen zudem auch Unterschiede innerhalb der Stadt. In den äußeren Bezirken ist die Autonutzung weiterhin höher als in den Innenbezirken. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung dort besonders stark. Das stellt die Stadtplanung vor eine doppelte Herausforderung: Mehr Menschen benötigen Mobilität, gleichzeitig sollen Verkehr und Emissionen reduziert werden.

Die Stadt verweist deshalb auf den Ausbau von Radwegen, neuen Straßenbahnverbindungen und die laufende Erweiterung des U-Bahn-Netzes. Gerade in den Außenbezirken sollen zusätzliche Öffi- und Radverbindungen langfristig die Abhängigkeit vom Auto verringern.

Auch die Generationenfrage spielt eine Rolle. Laut Stadt Wien nutzen Menschen zwischen 21 und 30 Jahren deutlich seltener Auto oder Motorrad als ältere Altersgruppen. Gleichzeitig leben mittlerweile rund 60 Prozent der jüngeren Wienerinnen und Wiener ohne eigenes Auto.

Autofrei oft auch eine Kostenfrage

Die Zahlen lassen sich allerdings nicht ausschließlich als Ausdruck eines ökologischen Bewusstseins lesen. In einer Stadt mit steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten wird der Besitz eines eigenen Fahrzeugs für viele Haushalte zunehmend zur finanziellen Belastung. Versicherung, Stellplatz, Treibstoff und laufende Erhaltungskosten übersteigen oft das Budget einfacher Angestellter oder jüngerer Stadtbewohner.

Dass viele Wiener ohne eigenes Auto auskommen, ist damit nicht nur Ergebnis städtischer Mobilitätspolitik, sondern auch Ausdruck von Wohlstand. Vor diesem Hintergrund wird ein leistungsfähiger und leistbarer öffentlicher Verkehr weniger als Zusatzleistung empfunden, sondern als eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe am urbanen Leben.

(PA/red)