Schwindender Segen für Dompfarrer Toni Faber
Der Wiener Dompfarrer Toni Faber wird 2027 nach 30 Jahren im Amt in den Ruhestand gehen. Das bestätigte Erzbischof Josef Grünwidl am Samstag im ORF-Radio. Damit endet eine der öffentlich sichtbarsten und ungewöhnlichsten Priesterkarrieren Wiens.
Kaum ein katholischer Geistlicher prägte das öffentliche Wien der vergangenen Jahrzehnte so sichtbar wie Toni Faber. Ob Opernball, Society-Empfang, Promi-Hochzeit oder Staatsakt im Stephansdom: Der Wiener Dompfarrer wurde längst selbst zur fixen Größe im gesellschaftlichen Leben der Stadt — weit über traditionelle Kirchenbezüge hinaus.
Zwischen Stephansdom und Society
Unter Kardinal Christoph Schönborn galt Faber als weitgehend immun. Der 64-Jährige bewegte sich wie kaum ein anderer Priester zwischen Kirche, Medienwelt und Wiener Gesellschaft. Seine Auftritte bei Empfängen, Charity-Abenden, Kulturveranstaltungen, Promi-Trauungen und Segnungen aller Art machten ihn zu einer der bekanntesten religiösen Persönlichkeiten Österreichs.

Clemens Unterreiner und Toni Faber bei der Cirque du Soleil LUZIA Wien Premiere| © Andreas Lepsi
Gleichzeitig begleiteten den Dompfarrer seit Jahren Diskussionen über seine Haltung zum Pflichtzölibat und seinen privaten Lebensstil. Vieles davon blieb lange ein Tratsch-Thema – eher belächelt als kritisiert. Erst ein ausführliches Porträt der „Süddeutschen Zeitung“ brachte die Debatte Ende vergangenen Jahres breiter in die Öffentlichkeit und stellte offen die Frage, wie weit die Kirche bei prominenten Geistlichen informelle Sonderwege duldet.
Grünwidl setzt neue Maßstäbe
Besonders aufmerksam verfolgt wurden zuletzt Aussagen von Erzbischof Grünwidl. Dieser hatte im Frühjahr ungewöhnlich offen erklärt, dass ihn Fabers „Weg“ beschäftige und er sich damit teilweise schwertue. Für kirchliche Verhältnisse galt das bereits als bemerkenswert deutliche Distanzierung.
Nun bestätigte Grünwidl im ORF-Radio erstmals offiziell, dass Faber 2027 nach 30 Jahren als Dompfarrer in den Ruhestand gehen wird. Mit Sommer 2027 werde die Dompfarre neu besetzt, erklärte der Wiener Erzbischof. Zuvor war in mehreren Medien bereits über einen möglichen vorzeitigen Abschied Fabers spekuliert worden.
Faber selbst betonte im ORF, auch künftig weiterhin im kirchlichen Dienst bleiben zu wollen. Seine „Brückenfunktion zwischen Kirche, Glaube, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur“ wolle er fortsetzen. Als mögliche künftige Aufgabe brachte der Dompfarrer etwa die Cityseelsorge ins Spiel. Derzeit führe er intensive Gespräche mit Grünwidl über seine Zukunft.
(red)
Date: 15.5./23.5.


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