Schwindender Segen für Dompfarrer Toni Faber

Der Wiener Dompfarrer Toni Faber steht zunehmend im Zentrum kirchlicher Debatten. Laufende Gespräche mit Erzbischof Josef Grünwidl nähren Spekulationen über die Zukunft der langjährigen Wiener Kirchenfigur. Nachdem zuletzt mehrere Medien über einen möglichen Abschied Fabers berichtet hatten, bestätigte die Erzdiözese Wien gegenüber Kathpress zumindest laufende Gespräche. „Dass Dompfarrer und Erzbischof miteinander im Gespräch sind, hat der Erzbischof ja schon immer wieder bestätigt“, erklärte Diözesansprecher Michael Prüller. Solange kein Ergebnis vorliege, könne man dazu aber nichts weiter sagen.

Kaum ein katholischer Geistlicher prägte das öffentliche Wien der vergangenen Jahrzehnte so sichtbar wie Toni Faber. Ob Opernball, Society-Empfang, Promi-Hochzeit oder Staatsakt im Stephansdom: Der Wiener Dompfarrer wurde längst selbst zur fixen Größe im gesellschaftlichen Leben der Stadt — weit über klassische Kirchenmilieus hinaus.

Zwischen Stephansdom und Society

Diese vorsichtige Formulierung sorgt nicht nur in Kirchenkreisen für Aufmerksamkeit. Denn über Jahre galt Faber unter Kardinal Christoph Schönborn als weitgehend immun. Der 64-Jährige bewegte sich wie kaum ein anderer Priester zwischen Kirche, Medienwelt und Wiener Gesellschaft. Seine Auftritte bei Empfängen, Charity-Abenden, Kulturveranstaltungen, Promi-Trauungen und Segnungen aller Art machten ihn zu einer der bekanntesten religiösen Persönlichkeiten Österreichs.

Clemens Unterreiner und Toni Faber.

Clemens Unterreiner und Toni Faber bei der Cirque du Soleil LUZIA Wien Premiere| ©  Andreas Lepsi

Gleichzeitig begleiteten den Dompfarrer seit Jahren Diskussionen über seine Haltung zum Pflichtzölibat und seinen privaten Lebensstil. Vieles davon blieb lange ein Tratsch-Thema – eher belächelt als kritisiert. Erst ein ausführliches Porträt der „Süddeutschen Zeitung“ brachte die Debatte Ende vergangenen Jahres breiter in die Öffentlichkeit und stellte offen die Frage, wie weit die Kirche bei prominenten Geistlichen informelle Sonderwege duldet.

Grünwidl setzt neue Maßstäbe

Besonders aufmerksam verfolgt wurden zuletzt Aussagen von Erzbischof Grünwidl. Dieser hatte im Frühjahr ungewöhnlich offen erklärt, dass ihn Fabers „Weg“ beschäftige und er sich damit teilweise schwertue. Für kirchliche Verhältnisse galt das bereits als bemerkenswert deutliche Distanzierung.

Im Raum steht nun ein möglicher Rückzug rund um Fabers 30-jähriges Jubiläum als Dompfarrer. Offiziell bestätigt ist das bisher nicht. Dennoch verdichten sich die Zeichen, dass sich mit dem Wechsel von Schönborn zu Grünwidl auch der Stil innerhalb der Erzdiözese Wien verändert.

(red)