Vienna Art Week startet im „House of Navigating Angst“
Mit über 100 Veranstaltungen bei freiem Eintritt beginnt am 6. November die 22. Vienna Art Week. Museen, Galerien, Kunstuniversitäten und unabhängige Kunsträume gestalten das Programm, das bis 13. November über die Stadt verteilt stattfindet. Unter dem Motto „Navigating Angst“ beschäftigen sich die beteiligten Künstlerinnen und Künstler damit, wie sich persönliche und gesellschaftliche Verunsicherung in Bilder, Filme, Objekte und Handlungen übersetzen lässt.
Vom Keller bis ins oberste Geschoß wird das Gründerzeithaus für eine Woche zum Ausstellungsraum. | © Vienna Art Week
Ein zentraler Schauplatz liegt in Rudolfsheim-Fünfhaus: In der Goldschlagstraße 1 wird ein Gründerzeithaus vor seiner Renovierung zur Festivalzentrale. Die Merlin Real Estate Group stellt das Gebäude für die Zwischennutzung zur Verfügung. Im „House of Navigating Angst“ verteilen sich die Arbeiten auf vier Ebenen. Historische Fliesen, verzierte Geländer und Gebrauchsspuren bilden den räumlichen Rahmen für die zeitgenössische Kunst.
Angst in Bildern und Räumen
Die von Robert Punkenhofer und Anne Zühlke kuratierte Ausstellung führt internationale Positionen mit Arbeiten aus Wien zusammen. Vertreten sind unter anderem Kara Walker, Tony Oursler, Sophie Hirsch, Alfred Kubin und Thilo Jenssen. Der zeitliche Bogen reicht von Kubins Zeichnung „Der Tod holt den Zeichner“ aus dem Jahr 1930 bis zu Werken von 2026. Die Auswahl verbindet damit historische Darstellungen von Bedrohung und Tod mit gegenwärtigen künstlerischen Zugängen.
Zu den aktuellen Arbeiten gehören Jenssens „Paranoia“ und „Paranoia II“. Spiegelnde Flächen treffen darin auf orangefarbene und blaue Partien. Ourslers Videoarbeiten stellen dem Publikum dagegen stark vergrößerte menschliche Augen gegenüber. Kara Walker ist mit dem Digitalvideo „Prince McVeigh and the Turner Blasphemies“ von 2021 vertreten, Sophie Hirsch mit „Stimulation“ von 2025. Die Eröffnung am 6. November um 20.30 Uhr ist bereits ausgebucht. Regulär ist die Ausstellung vom 7. bis 13. November täglich zwischen 13 und 19 Uhr zugänglich.
Thilo Jenssens Arbeiten „Paranoia“ und „Paranoia II“ von 2026 sind Teil der zentralen Ausstellung. | © Vienna Art Week / Wolfgang Thaler
Ein temporäres Atelier im Ausstellungshaus
Im selben Gebäude arbeitet während des Festivals Marco-Augusto Basso. Der 1995 in Genua geborene Künstler und Kurator wurde in Zusammenarbeit mit dem Hotel am Brillantengrund für einen dreiwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Wien eingeladen. Er beschäftigt sich mit Publikumsbeteiligung und damit, wie der Kontext und die Präsentation eines Werkes dessen Wahrnehmung prägen. Neben seiner Rauminstallation „LONER“ in der Ausstellung ermöglicht er bei den Open Studio Days auch einen Besuch seines temporären Ateliers.
„Eye-scifi“, „Sakshi-eye“ und „Trash eye“: Tony Ourslers Digitalvideoarbeiten stammen aus dem Jahr 1996. | © Vienna Art Week / Wolfgang Thaler
Begegnungen mit den Kunstschaffenden
Die Open Studio Days am 7. und 8. November gehören zu den Hauptprogrammpunkten der Kunstwoche. Jeweils von 13 bis 18 Uhr öffnen ausgewählte Ateliers für Gespräche über fertige Werke, laufende Projekte und Arbeitsweisen. Mit dabei sind unter anderem Anita Fricek, Liddy Scheffknecht, Brishty Alam sowie das Atelier Hörl & Kozek. Geführte Rundgänge erschließen zusätzlich die Praterateliers, die Bundesateliers in der Wattgasse und Westbahnstraße sowie die PART International Art Residency Austria.
Wovor die Macht Angst hat
Weitere Touren verbinden Kunst und Wiener Stadträume. Gerald Straub führt am 7. November durch Ateliers im 15. Bezirk. Einen politischen Blick wählt Simon Nagy für seinen Rundgang „Wovor hat die Macht Angst?“ am 7. und 13. November. Ausgehend von Hieronymus Boschs Weltgerichts-Triptychon in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste führt der Weg zur Benko-Baustelle in der Mariahilfer Straße, zur Kapuzinergruft und zum Lueger-Denkmal. Nagy fragt nach den Ängsten, die rechte Politik und Ausgrenzung antreiben. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.
Zum Festival gehört außerdem „Vienna Art Week für alle“ mit Tast-, Hör- und ÖGS-Führungen, barrierefreien Rundgängen sowie Angeboten für Menschen mit Demenz. Führungen in Einfacher Sprache finden etwa im Architekturzentrum Wien und im Belvedere 21 statt. Das Festivalprogramm bündelt die Veranstaltungen, Anmeldemöglichkeiten und Besuchsinformationen. Hinter der seit 2005 veranstalteten Kunstwoche steht der gemeinnützige Verein Art Cluster Vienna, in dem Wiener Kunst- und Ausbildungsinstitutionen zusammenarbeiten.
(PA/red)