Vienna Design Week macht Wien zur offenen Werkstatt
Die Vienna Design Week ist am Freitag in ihre 20. Ausgabe gestartet. Bis 4. Oktober zeigt das Festival neue Arbeiten aus Österreich und dem Ausland, bringt Design in den Stadtraum und öffnet Orte, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Festivalzentrale ist heuer ein ehemaliges Bürohochhaus am Hietzinger Kai.
Design im Alltag und im Stadtraum
Ein Schwerpunkt bleibt das Format „Stadtarbeit“. Dabei werden Projekte umgesetzt, die sich mit dem öffentlichen Raum und dem gesellschaftlichen Zusammenleben beschäftigen. Die Arbeiten sollen ohne spezielles Vorwissen verständlich sein und ein möglichst breites Publikum erreichen.
Auch „Design Everyday“ richtet den Blick auf Dinge, die den Alltag prägen. In einer Gruppenausstellung werden unter anderem vertraute Gebrauchsgegenstände wie Mülleimer neu gedacht. Das Festival zeigt Design damit nicht nur als Frage von Form und Material, sondern auch als Auseinandersetzung mit Routinen und öffentlichen Strukturen.

Für die „Passionswege“ entwickeln das Designstudio Groovido und die Hietzinger. | © Christoph Wimmer, Vienna Design Week
Beim Format „Passionswege“ arbeiten internationale Designerinnen und Designer mit Wiener Handwerksbetrieben zusammen. Heuer trifft etwa die Hietzinger Friedhofsgärtnerei Blumen Weisz auf das niederländisch-italienische Designstudio Groovido. Gemeinsam entwickelten sie eine neue Interpretation des traditionellen Trauerkranzes. Die Ergebnisse sind großteils direkt in den Werkstätten zu sehen.
Federn, Seile und eine Ausstellung ohne Bilder
Nachhaltigkeit zieht sich durch mehrere Bereiche des Programms. Das Projekt „Global Feathers“ verarbeitet Hühnerfedern, die in Schlachtbetrieben als Abfall anfallen, zu Textilien, Papier und Designobjekten. Im Bereich „Moving Materials“ werden Materialien und ihre möglichen neuen Anwendungen untersucht. Auch Seile werden zu überdimensionalen Objekten, die zum Sitzen einladen.

Luxemburg ist mit „Two-O-Eight – Designing Voices“ bei der Vienna Design Week vertreten. Die Ausstellung widmet sich Design über das Hören. | © Eric Muzipov, Vienna Design Week
Mit „Two-O-Eight“ gastiert außerdem eine Ausstellung aus Luxemburg in Wien, die ohne klassische Ausstellungsobjekte auskommt. Statt etwas anzusehen, hören die Besucherinnen und Besucher verschiedene Beiträge. Der Titel verweist auf die frühere Radiofrequenz von Radio Luxembourg.
Workshops, Familienangebote und Führungen ergänzen das Programm. In der Klimt-Villa können Besucherinnen und Besucher auch Räume besichtigen, die normalerweise nicht zugänglich sind. Dazu gehört die Kegelbahn im Keller.
Jubiläum mit Blick zurück
Die Festivalzentrale befindet sich in einem von Harry Glück geplanten Bürohochhaus am Hietzinger Kai 101. Der Bau aus den Jahren 1974 bis 1976 war früher Sitz der Versicherung Allianz. Neben ehemaligen Büroräumen nutzt das Festival auch die frühere Mensa, einen Garten, ein Kindergartengebäude und die Kegelbahn. Der Eintritt in die Zentrale ist frei.
Gegründet wurde die Vienna Design Week 2006 von Lilli Hollein, Tulga Beyerle und Thomas Geisler. Ihr Anspruch war, Wien neben internationalen Designstädten wie Mailand und London zu positionieren und Design stärker mit nützlichen Dingen und gesellschaftlichen Fragen zu verbinden.

Das MAK blickt zum Festivaljubiläum auf die Plakatkampagnen der Vienna Design Week zurück. Zu den vertretenen Grafikstudios gehört Bueronardin. | © Bueronardin, Vienna Design Week
Zum Jubiläum zeigt das Museum für angewandte Kunst ab 29. September eine Auswahl der Plakatkampagnen aus zwei Jahrzehnten. Darunter sind Arbeiten von Bia Grabner und Rudolf Zündel, Bueronardin, Fredmansky und Studio Sirene. Mehrere Kampagnen wurden ausgezeichnet, darunter jene von Christof Nardin und Pascal Magino aus dem Jahr 2020.
Alle Infos zum Programm:
www.viennadesignweek.at
(PA/red)


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