Wiener Schulkinder blicken in Hagens Körperwelten

Der riesige Wirbel um Gunter von Hagens Körperwelten zur Zeit um die Jahrtausendwende ist für die jungen Besucher der Ausstellung Herzenssache wahrscheinlich nur mehr schwer nachvollziehbar. Das öffentliche Ausstellen von konservierten Leichen entsetzte das Feuilleton und warf viele ethische Fragen auf. Zweifellos kann man Gunter von Hagens zuschreiben, bahnbrechende Methoden entwickelt zu haben, die das Innere von Körpern detailgenau und auf plastische Weise zum Vorschein bringen. Es ging ihm aber nicht nur darum, seine anatomischen Präparate in einem medizinischen, rein wissenschaftlichen Kontext zu präsentieren. Die Arrangements der lebensnahen Exponate und Inszenierungen als Schauobjekte irritieren bis heute.

Herzenssache

In der Körperwelten Ausstellung Herzenssache zeigt sich die Arbeit von Gunter von Hagens von seiner besten Seite. Als informative Schau über die Funktionsweise und den Aufbau des menschlichen Körpers sind die gezeigten Werke sehr nützlich. Schwerpunkt der Ausstellung ist das Herz mit seinem weit verzweigten Gefäßsystem. Beginnend vom Skelett über das Zusammenwirken der Muskulatur bis hin zur Entwicklung im Mutterleib werden unterschiedliche Präparate ausgestellt. Darunter zwanzig Ganzkörperexponate sowie Teilplastinate, transparente Körperscheiben und einzelne Organe.

Schulbesuch

Wie sich schlechte Ernährung oder das Rauchen auf den menschlichen Körper auswirken, sieht man anhand von Organen, die typische Schädigungen aufweisen. Dabei kommen winzige Details zum Vorschein, die im großen Ganzen betrachtet, die Funktionen des eigenen Körpers verständlicher machen und zur Selbstreflexion anregen. Derart detailgenaue Eindrücke aus dem Inneren des Menschen erhält man nur in den Ausstellungen von Gunter von Hagens. Darüber hinaus bieten sie eine ideale Unterlage für den Unterrichtsplan an Wiener Schulen. Aus diesem Anlass überzeugte sich Wiens Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky bei einem Besuch der Körperwelten Ausstellung im Studio F der Wiener Stadthalle vom pädagogischen Nutzen der vielbesuchten Anatomieschau. Über 100.000 Besucherinnen und Besucher konnten sich seit dem Beginn bereits ein Bild davon machen.

Jürgen Czernohorszky und Wolfgang Fischer besuchten mit Schülern Körperwelten Ausstellung

Jürgen Czernohorszky und Wolfgang Fischer besuchten mit Schülern die Ausstellung

Keine Angst

Die Wiener Schulkinder aus der Mittelschule Kauergasse standen teilweise mit offenen Mündern vor den Exponaten, aber richtig schockierend oder ekelig fanden es die wenigsten. Statt schnell durch die Ausstellungsbereiche zu huschen, nutzten viele Schülergruppen die Sitzgelegenheiten bei den Mitmach-Stationen, um Experimente durchzuführen und Aufgaben zu lösen. Ausgestattet mit Unterrichtsmaterial der Pädagoginnen und Pädagogen, machten sich die Schüler ehrgeizig an die Erkundung der Plastinate.

Jürgen Czernohorszky vertraut den LehrerInnen auch wenn es um die altersgerechte Vermittlung des Stoffes geht aus dem die Plastinate gemacht sind. Die Aufregung um den Grenzgänger Hagens hat sich sowieso längst gelegt zugunsten einer aufgeklärten Sichtweise. Das Ausstellungskonzept von Herzenssache trägt sicher dazu bei, den künstlerische Anspruch Hagens’ auszublenden, und einen Blick unter die Haut zu riskieren. Die letzte Gelegenheit dafür ist am Schlusstag von Körperwelten Herzenssache, am 9. Februar 2020.

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