World Press Photo zeigt Weltgeschehen und Wiener Sorgen

WestLicht feiert sein 25-jähriges Bestehen und ebenso viele Ausgaben der World-Press-Photo-Ausstellung im Haus. Bis zum 22. November sind in der Westbahnstraße rund 150 prämierte Arbeiten aus sechs Weltregionen zu sehen. Krieg, Gewalt und menschliche Not prägen den Rundgang, daneben erzählen die Bilder auch von Alltag und kulturellen Traditionen.

Zu den einprägsamen Motiven gehört Chantal Pinzis Aufnahme einer Reiterin auf einem Pferd, das sich im Wasser aufbäumt. Die Fotografin war bei der Eröffnung am 10. September selbst zu Gast. Eine Wand mit den Jahresbildern von 1955 bis 2026 ergänzt die aktuelle Auswahl um einen Blick in die Geschichte des Wettbewerbs.

Jubiläum mit Finanzierungsfragen

Das Jubiläum gab bei der Eröffnung allerdings auch Anlass, über die wirtschaftliche Lage des Hauses zu sprechen. Peter Coeln beklagte, dass die Finanzierung des gemeinnützigen Vereins zunehmend schwieriger werde. Die Stadt Wien habe ihre Subvention stark reduziert – in einer Form, die er als „eigentlich nicht verständlich“ bezeichnete. Als kleine Organisation müsse man sich entsprechend nach der Decke strecken.

Zugleich benannte Coeln die Bedeutung der jährlichen Ausstellung für den Betrieb. World Press Photo sei ein „sehr wichtiger wirtschaftlicher Faktor“ für WestLicht. Welche Einnahmen oder Finanzierungsformen damit konkret gemeint sind, führte er nicht aus.

Peter Coeln am Rednerpult im WestLicht, hinter ihm hängen Schwarz-Weiß-Fotografien.

Peter Coeln sprach bei der Eröffnung auch über die schwieriger werdende Finanzierung des gemeinnützigen Vereins.

Mit der Schau verbindet das Haus auch einen Bildungsauftrag. Rund 200 Schulklassen würden durch die Ausstellung geführt, sagte Coeln. Die gerahmten Fotografien und ihre Begleittexte entwickelten im musealen Zusammenhang eine andere Wirkung als Bilder am Handy oder auf Instagram. Diese Beobachtung lässt sich beim Rundgang nachvollziehen: Die Hängung gibt einzelnen Aufnahmen Raum, Serien lassen Zusammenhänge erkennen, die im schnellen Weiterwischen leicht verloren gehen.

Eine Welt im Krisenmodus

Leicht ist die Begegnung mit diesen Bildern nicht. Krieg, Gewalt, Verlust und menschliche Not prägen den Eindruck der diesjährigen Auswahl. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus der Ukraine, Gaza und dem Sudan, dazu die Folgen von Naturkatastrophen und politische Konflikte. Kultureller Alltag und andere Facetten der Pressefotografie sind zwar auch vertreten, treten in der Wucht des Rundgangs aber zurück.

Das gilt auch für das World Press Photo des Jahres. Carol Guzys „Separated by ICE“ zeigt zwei Töchter, die sich nach der Festnahme ihres Vaters durch US-Einwanderungsbeamte an ihn klammern. Die Aufnahme entstand im August 2025 in einem New Yorker Gerichtsgebäude. Im WestLicht ist sie zusammen mit weiteren Bildern zu sehen, die den Vorgang und sein Umfeld dokumentieren.

Ausstellungswand mit Carol Guzys „Separated by ICE“ und weiteren Fotografien aus einem New Yorker Gerichtsgebäude.

Carol Guzys „Separated by ICE“, das World Press Photo des Jahres 2026, im WestLicht. Ausgestellte Fotografien: © Carol Guzy, ZUMA Press, iWitness, for Miami Herald.

Coeln betonte bei der Eröffnung die Bedeutung überprüfbarer Fotografien in einer Zeit künstlich erzeugter Bilder. Er verwies auf die forensische Prüfung der Wettbewerbsbeiträge. Sein Rückblick auf 25 Jahre fiel dennoch ernüchternd aus: An der Brutalität der dargestellten Welt habe sich wenig geändert.

Reiterinnen in Marokko

Einen anderen Zugang bietet Chantal Pinzis ausgezeichnete Serie „Farīsāt: Gunpowder’s Daughters“. Sie begleitet Frauen, die in Marokko an der traditionell von Männern dominierten Reitkunst Tbourida teilnehmen. Dabei galoppieren Gruppen in einer choreografierten Darbietung und feuern Gewehre ab. Pinzis Bilder zeigen die Reiterinnen, ihre Pferde und die Gemeinschaft rund um diese Tradition. Das Motiv mit dem aufsteigenden Pferd hält laut Bildbeschreibung Ghita Jhiate fest, die ihren unruhigen Hengst unter Kontrolle bringt.

Chantal Pinzi spricht mit einem Mikrofon vor ihren Fotografien marokkanischer Reiterinnen im WestLicht.

Chantal Pinzi stellt ihre Serie „Farīsāt: Gunpowder’s Daughters“ im WestLicht vor. Ausgestellte Fotografien der Serie: © Chantal Pinzi, Panos Pictures.

„Dubai“ liegt bei Belgrad

Parallel zur Wettbewerbsausstellung präsentiert WestLicht in der oberen Galerie Maša Stanićs Langzeitserie „Call It ‘Dubai’“. Der Titel führt nach Vuka Vrčevića, einer Roma-Siedlung am Rand von Belgrad, und geht auf einen der Porträtierten zurück. Seit einem ersten Besuch 2018 kehrt die serbisch-österreichische Fotografin dorthin zurück. Aus den Begegnungen entwickelten sich Freundschaften und eine Arbeit über Menschen, ihre Beziehungen und ihren Alltag.

Porträts und Innenräume bestimmen die Präsentation. Auf einer großflächigen Aufnahme eines Wohnraums hängen kleinere Fotografien; private Umgebung und persönliche Begegnung greifen so auch in der Ausstellung ineinander. Stanić war bei der Eröffnung anwesend. Nach der Vorstellung durch den Kurator Fabian Knierim sprach sie über ihre Arbeiten.

Porträts und eine großflächige Fotografie eines Wohnraums in Maša Stanićs Ausstellung „Call It ‘Dubai’“.

Porträts und private Wohnräume in „Call It ‘Dubai’“ in der oberen Galerie des WestLicht. Ausgestellte Fotografien: © Maša Stanić.

Für Wien bleibt die Ausstellung damit eine Gelegenheit, internationale Pressefotografie im Zusammenhang und in ihrer räumlichen Präsentation zu betrachten. Dass Coeln die finanziellen Aspekte rund um sein WestLicht so sehr betonte, kam dann doch etwas überraschend bei der feierlichen Eröffnung vor einem unruhigen Publikum im Saal.

World Press Photo 2026 / Maša Stanić: Call It „Dubai“
11. September bis 22. November 2026
WestLicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien
Täglich 11–19 Uhr, Donnerstag 11–21 Uhr

(red)